Die Feiern zum 25-jährigen Jubiläum der Partnerschaft zwischen Vác und Donaueschingen sind gelungen. Ein voll besetzter Strawinsky-Saal, gut gelaunte Gäste, kurzweiliges und lebhaftes Programm beim Festakt und auf dem Herbstfest, Musik und Reden, Rückblicke auf Vergangenheit und ein hoffnungsvoller Ausblick in die Zukunft: Donaueschingen zeigt sich von seiner gastfreundlichen Seite. Die Partnerstädte feiern und fühlen sich wohl dabei. Und der Besuch des ungarischen Botschafters Péter Györkös aus Berlin gibt der Feier diplomatische Ehren.

Keine Partnerschaft aus heiterem Himmel

Das abgegriffene Wort "Silberhochzeit" wird aus der Kiste geholt und vielfach bemüht, wenngleich Tibor Petö, der junge Vizebürgermeister aus Vác, die Festakt-Gäste schmunzeln lässt: "Es bringt mich ein bisschen in Verlegenheit, denn ich habe nicht gedacht, dass ich heute Abend mit Herrn Pauly Silberhochzeit feiern werde." Er freut sich, dass Donaueschingen es ermöglicht hat, "dass wir mit so vielen Leuten kommen durften", sagt er, "so können wir unsere Kultur, Musik oder Gastronomie vorstellen und uns besser kennenlernen". Die Partnerschaft "kommt nicht aus heiterem Himmel, sie entsteht aus menschlichen Beziehungen", sagt er, "wenn Martha Árvay damals nicht so mutig gewesen wäre, dann wären wir heute nicht hier."

Hoher diplomatischer Besuch in Donaueschingen: Ungarns Botschafter in Berlin, Péter Györkös, trägt sich, flankiert von Vizebürgermeister Tibor Petö aus Vác (links) und Donaueschingens OB Erik Pauly ins Goldene Buch ein.
Hoher diplomatischer Besuch in Donaueschingen: Ungarns Botschafter in Berlin, Péter Györkös, trägt sich, flankiert von Vizebürgermeister Tibor Petö aus Vác (links) und Donaueschingens OB Erik Pauly ins Goldene Buch ein.

Mutter der Partnerschaft nicht dabei

Martha Árvay, die "Mutter der Partnerschaft" war beim Jubiläum nun aber nicht dabei. Sie wurde vielfach lobend erwähnt, aber auch vermisst. Es gab "diplomatische Verwicklungen" räumt OB Pauly gegenüber unserer Zeitung ein, auf der vom Rathaus übermittelten Wunschliste für die Jubiläumsgäste habe Vác den Namen Martha Árvay gestrichen, im Donaueschinger Rathaus wurde der Fehler mit Verspätung bemerkt. Árvay selbst habe die nachträgliche persönliche Einladung der Stadt dann nicht mehr angenommen, deutet Pauly an. Man könne das aber sicher wieder einrenken.

Ein Gut für den Frieden

Das Jubiläum war Anlass zum Rückblick. Pauly erinnert daran, "dass die Freiheitsliebe der Ungarn Anstoß für die Partnerschaft gab. Für diese völkerverbindende Kraft sind wir zutiefst dankbar, die echte Freundschaft zwischen Donaueschingen und Vác ist ein wertvolles Geschenk, aber auch eine Aufgabe, die immer aufgefrischt werden soll", sagt der OB. Vieles, was zu Beginn neu und gewöhnungsbedürftig gewesen sei, "ist inzwischen selbstverständlich." Die Partnerschaft "über Grenzen hinweg, ist ein Gut für den Frieden, und dies vor allem in einer Zeit, in der Auseinandersetzungen zwischen Völkern wieder möglich geworden sind." OB Paulys Appell gilt dem Schüleraustausch. Vor allem junge Leute hätten über Jahre hinweg die Partnerschaft am Leben gehalten.

Als der Eiserne Vorhang fiel

Alt-OB Bernhard Everke blickt zurück auf die Anfänge, als 1989 der Eiserne Vorhang fiel. DDR-Bürger konnten damals über Österreich in die Bundesrepublik kommen. "Das war für uns ein befreiendes Erlebnis" würdigt Everke die politischen Ereignisse in dessen Folge Martha Árvay als Lehrerin eine Fortbildung der Lehrerakademie Donaueschingen besuchte. Sie zog die Fäden für die Partnerschaft zwischen Vác und Donaueschingen.

Er hat einst die Fäden gezogen: Alt-OB Bernhard Everke leitete nach engagierter Vorarbeit 1993 die Partnerschaft zwischen Vác und Donaueschingen in die Wege.
Er hat einst die Fäden gezogen: Alt-OB Bernhard Everke leitete nach engagierter Vorarbeit 1993 die Partnerschaft zwischen Vác und Donaueschingen in die Wege. | Bild: Beathalter, Manfred

Peter Györkös, Ungarns Botschafter in Berlin, erinnert an weit zurückliegende Zeiten, als viele Deutsche und vor allem Baden-Württemberger nach Ungarn aufbrachen und dort ein neues Leben fanden. "Sie sind Teil unserer Kultur geworden." Er sparte nicht die schwierige Phase in der gemeinsamen Geschichte aus, als eben viele Deutsche mit Gewalt aus Ungarn wieder vertrieben wurden.