Hüfingen – Wertvolle Schätze aus alter Zeit werden zurzeit im Hüfinger Stadtarchiv gehoben: 1990 beim großen Jahrhunderthochwasser auf der Baar schwammen die Akten im Hüfinger Rathauskeller, wurden mühsam auf der Wäscheleine getrocknet und verklebte Seiten auseinandergedröselt. In jahrelanger akribischer Arbeit werden die historischen Dokumente nach und nach wieder aus der Vergessenheit geholt, neu sortiert, digital erfasst und wieder verwertbar gemacht. Bernd-Jürgen Fütterer und Frank Schrader stehen vor einer schier unendlichen Geschichte. Der Gemeinderat bewilligte einstimmig die Eerhöhung des Jahresbudgets von 20 000 auf 25 000 Euro.

Die beiden Archivare berichteten den Stadträten am Donnerstag über ihre Tätigkeit, die sich vorwiegend in den Kellerräumen des Rathauses abspielt. Altratschreiber Hahn hatte in der Vergangenheit "das Archiv top in Schuss", lobt Fütterer. Er hatte das historische Vermächtnis Hüfingens, Akten, Dokumente, Besitzurkunden, Bau-, Standesamt- und Einwohnerdaten in eine sinnvolle Ordnung gebracht. Doch die war zerstört, nachdem vor bald drei Jahrzehnten der Archivkeller einen Meter tief im Hochwasser stand. Das soll künftig vermieden werden: Die untere Regalreihe darf nicht gefüllt werden, um so zur Sicherheit einen Hochwasserpuffer zu haben.

Mühselig geht es zu, wenn alte Akten archiviert werden müssen. Aber nur so sind sie auch für die Nachwelt nutzbar. Bernd-Jürgen Fütterer und Frank Schrader haben die Bestände in vier Magazinräumen gesichtet: Das älteste Dokument ist ein Kaufbrief aus dem Jahr 1399, als ein Hüfinger Kaplan ein Gut in die Schweiz verkaufte. So um die 23 000 Datensätze aus gut 40 verschiedenen Archivbeständen müssen bearbeitet werden. Zwei Bestände sind in Bearbeitung, einer davon ist inzwischen erfasst, 60 Stunden Arbeit stecken dahinter, schätzt Frank Schrader. Dabei geht es vor allem um die schwierige digitale Erfassung und Konvertierung. Teile des Archivs wurden in der Anfangszeit der digitalen Arbeit mit DOS-Programmen erfasst.

Die Stadträte konnten sich im Archivkeller des Hüfinger Rathauses ein Bild verschaffen von den noch ausstehenden Arbeiten. Die Archivare durchforsten die alltäglich anfallenden Rathaus-Akten, um sie dann ins Archiv zu überführen, wenn sie nicht mehr in der aktuellen Registratur gebraucht werden.

Der Weg der Daten

Akten und Dokumente des Hüfinger Stadtarchivs werden seit 1992 von der Firma Kommunale Archivpflege aus Buchenbach aufgearbeitet. Die Akten werden digital erfasst und aus veralteten DOS-Programmen in Windows-basierte Programm überführt. Dazu sind viele Schritte notwendig, erläutert Frank Schrader dem Hüfinger Gemeinderat. Die DOS-Daten müssen in ein Wordprogramm eingelesen werden, dann wird daraus eine Excel-Tabelle. Diese wird dann in eine Acces-Datenbank überführt und danach in das Archivprogramm Augias importiert. Ist die Konvertierung von vielen Tausend Beständen abgeschlossen, werden Findbücher erstellt, um sie verfügbar zu machen. (bea)