Wenn nicht jetzt, wann dann? Oder gar nicht? Schon vor drei Jahren, bei der ersten Gmond, hat der damalige Ortsvorsteher Reinhard Müller an das Jahr 2022 erinnert, denn dann könnte in Wolterdingen die 1250-Jahr-Geburtstagsfete steigen. Doch bis jetzt gab es keine Resonanz. Der ehemalige Ortschef ist jedoch der Meinung, dass dies gebührend gefeiert werden sollte.

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Verwaist: ein Festwagen anlässlich des Festumzugs bei der 1200-Jahr-Feier in Wolterdingen
Verwaist: ein Festwagen anlässlich des Festumzugs bei der 1200-Jahr-Feier in Wolterdingen | Bild: Bernhard Hessemann

Dazu passt wohl ein Zitat des damaligen Regierungsdirektors: „Wir feiern gern die Geschichte, aber viel wissen wollen wir von ihr nicht.“ Man lebe bei aller Brauchtumspflege vielfach mit der Meinung, dass die Welt erst mit uns angefangen habe. Wenn man aber den Kindern nicht ein gewisses Verhältnis zur Geschichte beibringe, würden sie uns schneller, als man denkt, zur Geschichte abschieben.

Die Tracht darf nicht fehlen beim Festumzug 1972.
Die Tracht darf nicht fehlen beim Festumzug 1972. | Bild: Bernhard Hessemann

Erstmalige Erwähnung

Wolterdingen wurde in einer Schenkungsurkunde des Klosters Sankt Gallen erstmals am 2. Mai 772 erwähnt. Und das ist sicherlich Grund genug, ein großes Fest zu veranstalten, meint Ortsvorsteher Müller. Denn Wolterdingen ist eine der ältesten Gemeinden auf der Baar – älter als Donaueschingen, Villingen und Schwenningen, fügt er an. „Wir müssen jetzt unbedingt in die Pötte kommen, denn es gibt Dinge, die Vorbereitung brauchen“, so der Alt-Ortsvorsteher.

Der Festumzug 1972 greift weit zurück in die Wolterdinger Geschichte.
Der Festumzug 1972 greift weit zurück in die Wolterdinger Geschichte. | Bild: Bernhard Hessemann

Nicht mehr viel Zeit

„Es bleibt nicht mehr viel Zeit. Wir müssen uns einig werden, wie gefeiert werden soll“, mahnt Müller. Es wäre eine Schande, wenn Wolterdingens Geschichte vergessen werden würde. Interessierte Bürger, die sich einbringen möchten, sollen sich bald bei der Ortsverwaltung, Telefon, 07705/253, oder per E-Mail unter ortsverwaltung.wolterdingen@donaueschingen.de melden. Darüber hinaus sollte im Oktober ein Termin ausgesucht werden, bei dem sich Mitwirkende treffen, um konkret in die Planung einzusteigen.

So wurde 1972 das Heimatfest gefeiert

Das Bankett: Ein stimmiges Festbankett, dem um die 2000 Gäste beiwohnten, eröffnete das große Heimatfest. Das umfangreiche Programm dauert damals bis nach Mitternacht.

Der Umzug: Der Festumzug am Sonntag sollte zu einem Höhepunkt werden. Doch starker Regen verhinderte damals die volle Entfaltung der Farbenpracht des historischen Umzuges, der von etwa 1000 Menschen betrachtet wurde. Insgesamt 32 Wagen, Gruppen und Musikkapellen gestalteten den Jubiläumszug, der markante Ereignisse in der Geschichte von Wolterdingen in sehr anschaulicher Ausführung darstellten. „Eingeweiht“ (durch den Regen) wurde bei dem Festumzug die neue Uniform der Musikkapelle. Als Fußgruppen waren neben Musikkapellen etwa Bauersfrauen mit Kinderwagen in Baaremer Tracht, Gruppen von Landsknechten, wie sie einst oft durchzogen, oder Frauen, die auf die Abgabe des Zehnt, hinwiesen, zu sehen.

Die Wappen: Und auch die diversen Wagen waren wohl sehr sehenswert. Einer zeigte zum Beispiel die Wappen von Wolterdingen zu den verschiedensten Zeiten der vergangenen 1200 Jahre. Ein anderer wies auf die erste urkundliche Nennung, also auf die Unterzeichnung einer Schenkungsurkunde hin. Auch Kohlemeiler, wie sie einst in den Wäldern bei Wolterdingen rauchten, waren dabei. Und ein Passagierschiff mit dem Namen „Lady Gaga“ erinnerte an die frühere Zeit, als viele Einheimische nach Amerika auswanderten.

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