Deutschland, noch ein Standort mit Zukunft: Diese Worte versieht Wolfgang Grupp nicht mit einem Fragezeichen, sondern mit einem deutlichen Ausrufezeichen. In Zeiten der Zukunftsängste, der Weltuntergangsstimmung und der Schwarzmalerei hält der alleinige Geschäftsführer und Inhaber des Textilunternehmens Trigema ein flammendes und mitreißendes Plädoyer für seine Heimat.

Er findet wie gewohnt mehr als deutliche Worte

Und vor allem eines ist er in den 60 Minuten, die er von der Kanzel der Donaueschinger Stadtkirche spricht: authentisch. Hier spricht einer, der nicht nur laut seine Stimme erhebt und mit in seiner Rede mehr als deutliche Worte findet, hier spricht einer, der das glaubt, was er sagt und der es verkörpert.

Immer wieder werden die Worte von Grupp durch Lachen oder Zwischenapplaus unterbrochen. Und auch wenn sich der deutsche Unternehmer im Vorfeld nicht wirklich sicher war, ob er eigentlich in die Reihen der ehrenwerten Redner passen würde, das Donaueschinger Publikum ist begeistert von ihm und seiner Forderung, dass Unternehmer wieder Verantwortung übernehmen und zurückkehren zu den Werten, die „uns unsere Großväter vorgelebt“ haben.

„Für mich war nie das Streben nach Macht und Größe wichtig, sondern das Sichern von Arbeitsplätzen und die Integration der Mitarbeiter in den Arbeitsprozess“, sagt der Unternehmer, der in seiner Heimatstadt Burladingen 1200 Angestellte beschäftigt.

Volles Haus bei der 24. Kanzelrede: Wolfgang Grupp sorgt für Begeisterung – selten gab es sogar innerhalb der Kanzelrede Zwischen-<br />applaus. Grupp erreichte dies gleich mehrmals. Bilder: Stephanie Jakober
Volles Haus bei der 24. Kanzelrede: Wolfgang Grupp sorgt für Begeisterung – selten gab es sogar innerhalb der Kanzelrede Zwischen-
applaus. Grupp erreichte dies gleich mehrmals. Bilder: Stephanie Jakober | Bild: Jakober, Stephanie

Gleichzeitig kritisiert er Top-Manager, die dem Größenwahn und der Gier verfallen sind und keine Verantwortung mehr übernehmen. Dass das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft verloren gegangen ist, daran sei nicht der deutsche Standort schuld, sondern dass „Verluste sozialisiert und Gewinne privatisiert“ werden. Es könne nicht sein, dass diejenigen, die Fehlentscheidungen treffen, mit Millionen abgefunden werden und keine Verantwortung übernehmen müssen.

Unanständige nicht mit Samthandschuhen anfassen

Ein Rechtsstaat müsse für den Bürger verständlich sein. „Es kann nicht sein, dass die Anständigen drangsaliert werden und die Unanständigen mit Samthandschuhen angefasst werden“, sagt Grupp. Und schon ist er bei der Flüchtlingspolitik: Merkels Willkommenskultur begrüßt er, allerdings nicht bedingungslos. „Echte Flüchtlinge ja, aber es kann nicht sein, dass wir die Scharlatane auf Händen tragen.“

Und schon ist er bei der Globalisierung, in der er eine Chance für die Unternehmen sieht. Schließlich ist es so möglich, seine Waren überallhin zu liefern. Doch wenn man ein Produkt anbiete, das irgendwo anders billiger hergestellt werden kann, dann sei das nicht die Schuld der Globalisierung, sondern des Unternehmers. In einem Hochlohnland müssten Produkte produziert werden, die auch diesem Niveau entsprechen würden. „Ich mache Wachstum nicht an Stückzahlen fest, sondern an Innovationen“, so Grupp.

„Ich bin ein Egoist, ich bin ein Kapitalist" 

„Es kann nicht sein, dass wir nur noch angeben was wir wollen, und andere produzieren das dann.“ Denn damit sei der Fortschritt in Gefahr: „Entwickelt und geforscht wird nicht am Schreibtisch, sondern am Arbeitsplatz.“ Deshalb dürften die produzierenden Arbeitsplätze nicht ins Ausland verlagert werden, sondern müssten in der Heimat bleiben.

Doch Grupp ist ehrlich: „Ich bin ein Egoist, ich bin ein Kapitalist und ich will, dass es mir gut geht.“ Doch schnell habe er erkannt, dass es dazu auch seinen Mitarbeitern gut gehen müsse. „Wenn ein Mitarbeiter mit einem Problem zu mir kommt, dann hat er keines mehr.“ Entweder das Problem sei gelöst, oder es liege dann auf Grupps Schreibtisch.

Und letztendlich sei es doch das schönste Gefühl, wenn man gebraucht werde. Und solange er das habe, denke der 76-Jährige auch nicht übers Aufhören nach. Auch nicht, wenn er sich nun einen lang gehegten Traum erfüllt hat. Einst als Schüler in St. Blasien musste er die Predigt besuchen, und damals träumte er davon, irgendwann einmal von einer Kanzel zu sprechen.