Der Spiegelsaal im Museum Art-Plus bot über 100 Besuchern die interessante Gelegenheit, einen Eindruck davon zu gewinnen, worin die aktuelle Dynamik einer speziell auch für die eigene Region wichtigen Eliteuniversität wie Konstanz besteht.

Drei Beispiele machten dies deutlich: ein Blick auf die Bemühungen um eine möglichst hohe Wettbewerbsfähigkeit der Universität, ein zügiger Streifzug durch ein definiertes Forschungsthema und schließlich die Würdigung wirkungsvoller Lehre.

Fördermittel in mehrfacher Millionenhöhe

Kerstin Krieglstein, die sich als Wissenschaftlerin hauptsächlich mit der Entwicklung des Nervensystems befasst hat, wurde zum 1. August zur Rektorin der Universität Konstanz gewählt. Hier koordiniert sie im Moment zwei sogenannte Exzellenzcluster, die öffentliche Fördermittel in mehrfacher Millionenhöhe einbringen sollen. Der eine Themenkomplex befasst sich interdisziplinär mit den politischen Dimensionen von Ungleichheit, der andere mit dem gesellschaftlich hochrelevanten Kollektivverhalten von Menschen und Tieren – Stichwort: Schwarmintelligenz. Zudem steht die Schaffung eines Zentrums für Kulturwissenschaften an sowie ein Forschungsfeld "Data Science", das sich zum Beispiel der Frage widmet, wie aus extrem großen Datenmengen strukturiertes Wissen gewonnen werden kann.

Ein hochpolitisches Thema

Das Forschungsthema des zentralen Forumsvortrags hörte sich zwar verständlich an, entpuppte sich dann allerdings als mehr als kompliziert: "Niedriglohn und Mindestlohn". Christian Picker, erst seit diesem Jahr Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht und Unternehmensrecht in Konstanz, warnte die Zuhörer zu Beginn seiner Ausführungen sympathisch gleich dreifach: Das Thema sei hochpolitisch und weder harmoniestiftend noch für Humor geeignet. Was folgte war eine Salve an Ausführungen von "gestörter Vertragsparität in Arbeitsverhältnissen" bis hin zur "subsidiären Regelungskompetenz des Staates" – es gibt schwierige Probleme, die gelöst werden müssen, aber eben nur von Experten angegangen werden können.

Dafür, dass Christian Picker nachweislich als fachlich und menschlich begeisternder Universitätslehrer wirkt, der keine "Rechtsklempner" ausbilden möchte, wurde er durch Tina Ulmer-Ziehr mit dem nach ihr benannten Lehrpreis ausgezeichnet.

Kunstgenuss zum Auftakt

Vor der Veranstaltung hatte Simone Jung Forumsteilnehmer durch die Ausstellung mit Arbeiten der Amerikanerin Dorothy Fratt geführt. Die Museumsleiterin ist überzeugt davon, dass die Betrachtung von Kunst auf der einen Seite und die Offenheit für Wissenschaft auf der anderen die Wahrnehmung der jeweils gegenüberliegenden Seite verfeinert.