Nachdem der SÜDKURIER zunächst am 24. November in seiner Donaueschinger Lokalausgabe und einen Tag später auf der Seite Baden-Württemberg die Nachricht verbreitet hatte, dass der Donaueschinger Arzt Clemens Willmann seine Praxis verschenken will, ging es Schlag auf Schlag: Drei Fernsehsender (Südwest 3, Regio TV und Baden TV) brachten einen Beitrag über den Facharzt für Allgemein- und Sportmedizin und die Redakteure von vier Radiosendern ließen den 68-Jährigen erklären, weshalb er sich für diesen ungewöhlichen Schritt entschieden hat, einen Nachfolger für seine Praxis und seine rund 3000 Namen zählende Patientenkartei zu finden.

Mit mehreren Medizinern steht Willmann bereits in Verhandlungen, weitere Gespräche mit neuen Bewerbern folgen noch, berichtet er auf Nachfrage. Der alteingesessene Arzt ist sich nach eigener Aussage zu 95 Prozent sicher, seinen Patienten und seinen sechs Mitarbeiterinnen bald einen neuen Hausarzt beziehungsweise Chef präsentieren zu können.

Willmann ließ sich in Donaueschingen vor 38 Jahren als Hausarzt nieder, nachdem er zuvor in mehreren Krankenhäusern Berufserfahrung gesammelt hatte. Ein Gutachter hat den Wert seiner Praxis im Herzen Donaueschingens auf einen sechsstelligen Betrag taxiert – eine schöne Mitgift für den Nachfolger oder die Nachfolgerin.

Willmann erzählt, von seinen Patienten durchweg positive Reaktionen auf seinen wohl einmaligen Weg, seine Praxis erhalten und damit seine Patienten weiter gut betreut zu wissen, bekommen zu haben. "Das passt zu Ihnen". Mit diesen vier knappen Worten bringt ein Mann, dessen Frau der Mediziner vor 25 Jahren in den Tod begleitete, die Resonanz auf Willmanns Verschenk-Aktion auf den Punkt.

So berichtete der SÜDKURIER am 24. November 2017.
So berichtete der SÜDKURIER am 24. November 2017.

Ob Willmanns Idee Schule macht und weitere Ärzte, die sich zur Ruhe setzen wollen, seinem Vorbild nacheifern werden? In einer zunehmend egoistisch werdenden Gesellschaft ist das schwer zu sagen. Und beim Medizinstudium wird auch kein Kurs über Altruismus angeboten. Aber vielleicht sind Selbstlosigkeit und Uneigennützigkeit auch keine Werte, die sich in einer Klausur abfragen lassen. Die muss ein junger Mensch von seinem Umfeld vorgelebt bekommen.