Donaueschingen bekommt einen neuen Bürgermeister. Eigentlich ist das ein Grund zur Freude. Auch wenn die Entscheidung letztendlich auf sehr ungewöhnliche Weise gefallen ist. Doch dass Severin Graf zu seinem Amt per Los gekommen ist, tritt in den Hintergrund, wenn man betrachtet, wie viel kommunalpolitisches Porzellan im Vorfeld und am Wahlabend selbst zerschlagen wurde.

Symbolische Sitzordnung

Symbolisch wurde das schon durch die Sitzordnung im Strawinsky Saal deutlich. Auf der einen Seite die CDU- und die FDP/FW-Fraktion, in der Mitte ein breiter Gang und auf der anderen Seite dann SPD, GUB und Grüne. Wohl war beim Aufstellen der Tische und Stühle nicht an die symbolische Aussagekraft dieser Sitzordnung gedacht worden. Deutlich machte es die aktuelle politische Situation alle Male.

Drei Fraktionen sind ziemlich sauer

Auf der einen Seite die drei Fraktionen, die ziemlich sauer sind, dass ihnen ihr favorisierter Kandidat abhandengekommen ist. Schließlich hatte der SPD-Kandidat, den auch GUB und Grüne gern unterstützt hätten, Anfang Januar seine Bewerbung zurückgezogen, obwohl ihm eine Favoritenrolle zugeschrieben worden war.

Große Enttäuschung bei CDU und FDP/FW

In den Reihen der CDU und FPD/FW wird nun sicher die Frage diskutiert, warum der Ausschuss einstimmig einen Bewerber zulässt – über alle Fraktionsgrenzen hinweg -, es aber bei der gleichen Entscheidung im Gemeinderat dann nur noch eine knappe Mehrheit gibt. Und natürlich ist die Enttäuschung groß, dass es der eigene Kandidat nicht geworden ist.

Tiefe Gräben im Gemeinderat

War der Gang im Strawinsky Saal noch mit wenigen Schritten zu überbrücken, könnte der kommunalpolitische Graben durchaus tiefer und breiter sein. Hier gilt es einen Weg zu finden, diese Kluft wieder zu schließen – von heute auf morgen wird das jedoch sicher schwer. Zu tief sind die Wunden auf beiden Seiten.

Auch im Rathaus wird es nicht einfach

Und auch im Rathaus wird es sicher nicht einfacher. Hauptamtsleiter Tobias Butsch hat sich in seiner Vorstellungsrunde deutlich positioniert. Und dass seine eigene Position ziemlich entfernt von seinem Chef OB Erik Pauly ist, das wurde ziemlich deutlich. Pauly verzog zwar keine Miene, als Butsch sich präsentierte, aber eine Frage stellt sich doch: Wie soll zwischen dem Hauptamtsleiter und der Oberbürgermeister zukünftig eine Zusammenarbeit funktionieren? Doch es war nicht nur der Wahlabend, der ausschlaggebend ist, sondern auch die Tatsache, dass der OB wohl Butsch zuerst unterstützt hatte, ihm dann aber nahegelegt haben soll, seine Kandidatur zurückzuziehen.

Und was ist mit dem zukünftigen Bürgermeister

Für Severin Graf, der sowieso schon ziemlich große Fußstapfen von seiner Vorgänger Bernhard Kaiser und die eine oder andere Herausforderung erben wird, wird der Start im neuen Job sicher nicht einfach. Zumal er aufpassen muss, dass er nicht in die ganzen Scherben tritt, die die Bürgermeisterwahl hinterlassen hat.

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