Der Kauf eines Hauses ist eine elementare Entscheidung, die gut überlegt sein will. Über vieles muss man sich klar werden: Welche Eigenschaften sind mir wichtig? Kommt es mehr auf die Größe des Grundstückes oder eine gute Anbindung an? Soll neugebaut oder gekauft und saniert werden?

Bauernhaus schon immer der Traum

Für Ines und Christoph Meder war der Fall klar: "In ein Neubaugebiet zu ziehen wäre für uns gar nichts gewesen, da sind die Grundstücke viel zu klein", erklärt sie. "Der absolute Horror wäre, die Rollläden hochzuziehen und in die Augen des Nachbarn zu sehen", fügt ihr Mann an. Deshalb sei es schon immer der Traum der Beiden gewesen, in ein großes Bauernhaus zu ziehen. "Alte Häuser haben einfach viel mehr Charme. Wenn man allein bedenkt, was sie schon alles gesehen haben", findet Christoph Meder.

Von außen ist das Gebäude noch im Original-Zustand. Die Familie will daran aber bald etwas ändern und den Grünton verschwinden lassen.
Von außen ist das Gebäude noch im Original-Zustand. Die Familie will daran aber bald etwas ändern und den Grünton verschwinden lassen. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Als eine Nachbarin dem gebürtigen Pfohrener einen Tipp gab, wendete er sich sofort an die damaligen Besitzer des Gebäudes im Kopenweg: "Die Bewohner waren zuvor ins Altenheim gekommen. Erst wusste ich nicht so recht, ob ich so kurz darauf schon mein Interesse bekunden könnte. Aber dann dachte ich mir: Fragen kostet ja nichts." Man habe ihm sogleich einen Verkauf in Aussicht gestellt, erzählt Meder. Allerdings gestaltete sich die Angelegenheit schwieriger als gedacht: Einem Sohn, der zu diesem Zeitpunkt im Heim lebte, war aufgrund seiner Behinderung ein lebenslanges Wohnrecht eingerichtet worden, das den Meders einen Behörden-Marathon bescherte. Im Juli 2017 war dann endlich alles unter Dach und Fach: Das Bauernhaus gehörte ihnen. "Wir hatten bereits vor Vertragsabschluss einiges am Gebäude gemacht. Wäre der Verkauf doch noch gescheitert, wären wir wohl auf den Kosten sitzen geblieben", gesteht Christoph Meder.

Gemeinsame Arbeit am neuen Zuhause

So konnten die Bauarbeiten richtig beginnen, wobei sie einen Großteil in Eigenarbeit leisteten. Zuerst musste komplett entrümpelt werden, denn die ehemaligen Bewohner hatten beim Umzug ins Altersheim alles unberührt verlassen. In unzähligen Touren transportierten Helfer aus der Familie das alte Inventar und den Schutt der Entkernung ab. Mit größter Mühe wurden die Tapeten im obersten der drei Stockwerke von den Wänden gepult. Als Elektromeister hatte Christoph Meder viel Zeit auf dem Bau verbracht und sich dabei einiges abgeguckt. Auch seine Frau war kein absoluter Neuling. Die Industriekauffrau hatte vor einigen Jahren bereits Bad und Küche ihres Elternhauses saniert und dabei viel von ihrer Tante gelernt. Trotz Schwangerschaft ließ sie sich nicht davon abhalten, fast alle Wände des Hauses selbstständig zu verputzen und anzumalen, wie sich ihr Mann erinnert: "Das hätte sie sich nicht nehmen lassen. Und obwohl ich anfangs Bedenken hatte, fand ich es dann auch schön, gemeinsam an unserem neuen Zuhause zu arbeiten."

Trotz Schwangerschaft: Ines Meder übernimmt die Putzarbeiten im Haus beinahe komplett in Eigenregie. Bild: Christoph Meder
Trotz Schwangerschaft: Ines Meder übernimmt die Putzarbeiten im Haus beinahe komplett in Eigenregie. | Bild: Christoph Meder

Ihr Frauenarzt hatte die Farbe zuvor abgesegnet, auch wenn er sich nicht erklären konnte, warum eine Schwangere Malerarbeiten übernehmen musste. "Wir wollten einfach so schnell wie möglich einziehen", erklärt Ines Meder. Angefangen hat sie im Heizungsraum, um sich an einer Stelle zu üben, die man nicht so oft zu Gesicht bekommt. "Danach direkt mit dem oberen Flur weiterzumachen, war allerdings ein Fehler. Da kommt man ständig dran vorbei", gibt sie zu. Im Vergleich zu Räumen, die sie später bearbeitet habe, sei der Unterschied schon auffällig. "Wir sind auf jeden Fall an unseren Aufgaben gewachsen", stellt ihr Mann fest. Vieles haben sie beim Umbau zum ersten Mal gemacht. Aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen, habe er es sich aber dennoch zugetraut und was er noch nicht wusste, einfach nachgelesen.

Auf die selbstgebaute Tür zu seinem Jagdzimmer ist der Familienvater sehr stolz.
Auf die selbstgebaute Tür zu seinem Jagdzimmer ist der Familienvater sehr stolz. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Schwarzer Fleck an der Wand

Als sie im heutigen Esszimmer am unteren Rand der Wand einen schwarzen Fleck entdeckten, war Christoph Meder schnell klar, dass man dieses Problem nachhaltig beheben müsse. Zusammen mit einem Freund und dessen Bagger grub er an der Außenseite der Mauer einen kleinen Graben und legte eine Drainage, denn zuvor hatte sich Feuchtigkeit in der Wand gestaut. Verputzt wurde sie ausnahmsweise von einem professionellen Gipser.

Nachdem Christoph Meder enteckt, dass sich an der Hauswand die Feuchtigkeit staut, legt er eine Drainage und lässt die Wand professionell verputzen.
Nachdem Christoph Meder enteckt, dass sich an der Hauswand die Feuchtigkeit staut, legt er eine Drainage und lässt die Wand professionell verputzen. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Verordnung: Italien-Urlaub

75 000 Euro bis 100 000 Euro haben die Meders an Eigenleistung erbracht. Und obwohl sie sich den Sonntag strikt freihielten, um ihn mit Tochter Lilli zu verbringen, die samstags meist bei den Großeltern war, wurde aus ihren Plänen, an diesen Tagen etwas als Familie zu unternehmen, in der Regel nichts. Zu anstrengend war die Woche gewesen, sodass sie die meisten Sonntage auf der Couch verbrachten. "Irgendwann hat Lilli gefragt, ob wir auch mal wieder in den Streichelzoo gehen", erinnert sich Mutter Ines. Nach einem vollen Jahr im Umbau hatten sie sich deshalb eine Woche Urlaub in Italien verordnet.

Die Erfüllung ihres Traums vom alten Bauernhaus geht zunächst mit enorm viel Arbeit einher. Bild: Christoph Meder
Die Erfüllung ihres Traums vom alten Bauernhaus geht zunächst mit enorm viel Arbeit einher. | Bild: Christoph Meder

Stolz auf das Geleistete

Dennoch haben die Meders nie die Freude an ihrem neuen Zuhause verloren. Nach ihrem Umzug im Juli hat vor wenigen Wochen auch der kleine Max den Weg in das alte Bauernhaus gefunden. Und obwohl noch einige Restarbeiten anstehen, ist das Ehepaar stolz auf alles, was sie geschafft haben. Oder wie Christoph Meder es formuliert: "Wenn Leute es gemütlich finden, dann ist das für uns das größte Gefühl."

Christoph Meders absolutes Highlight: Das Ritterklo. Gestaltet wurde der Raum von der Tante seiner Frau. "Bei der sieht es zu Hause aus, wie im Europapark."
Christoph Meders absolutes Highlight: Das Ritterklo. Gestaltet wurde der Raum von der Tante seiner Frau. "Bei der sieht es zu Hause aus, wie im Europapark." | Bild: Ann-Kathrin Moritz