Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Diese Erfahrung hat Kurt Wallschläger beim Umbau des Ökonomieteils eines alten Bauernhofes in ein Wohnhaus gemacht. Der 54-Jährige ist als selbstständiger Vermögensberater eher Kopfarbeiter und hatte kaum handwerkliche Kenntnisse, als er sich entschied, sich als Bauherr zu versuchen. Heute ist er zu Recht stolz auf das, was er in Fürstenberg geschaffen hat: Dort, wo einst Kühe gehalten wurden und Heu gelagert war, hat er sich eine schmucke Wohnung samt Büro eingerichtet. Natürlich mit der Hilfe von Profis, aber auch mit viel Eigenleistung.

Die Eltern von Kurt Wallschläger zogen Ende der 60er-Jahre nach Fürstenberg, wo sie im Burgweg ihr Eigenheim bauten. Mit Irma Dörflinger wohnte in dem Hüfinger Ortsteil schon Kurt Wallschlägers Tante und von der bekam er auch die Scheune und den Stall vererbt, die zum Bauernhaus an der Zähringerstraße gehören. Der bewohnte Teil des Ende des 19. Jahrhunderts gebauten landwirtschaftlichen Anwesens ging an seine Nichte.

Wallschläger hatte sein Büro zunächst im Elternhaus untergebracht. Das war auf der einen Seite natürlich günstig, aber nach eigener Aussage wenig repräsentativ. Und die Firmenadresse in einem Wohngebiet zu haben, sei auch nicht ideal gewesen. So wuchs im Jahr 2010 der Entschluss, die Umnutzung der geerbten Scheune zu planen. Dass der Fürstenberger Ortskern damals in der Förderkulisse des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum war, bestärkte seine Entscheidung, winkten so doch Zuschüsse.

Unterstützung von Guido Wolf

Doch es war ein langer Atem gefragt, bis die ausbezahlt wurden, der Briefwechsel zwischen Wallschläger und dem Regierungspräsidium füllt einen halben Leitzordner. In seiner Verzweiflung wandte sich Wallschläger, der in der Baaremer Fußball- und Tischtennisszene ein bekanntes Gesicht ist, an den CDU-Landtagsabgeordneten Guido Wolf. Der sagte seine Unterstützung zu und schrieb an den damaligen Vize-Regierungspräsident, eine Kopie ging an Wallschläger. „Zwei Tage später hielt ich den Förderbescheid von 28 500 Euro in den Händen. Da war ich platt. Und dankbar.“ Die Abwicklung mit der L-Bank habe dann prima geklappt. Insgesamt investierte Wallschläger rund 250 000 Euro in die Umnutzung.

Um Kosten zu sparen, hat der Single beim Entkernen und späteren Innenausbau immer wenn möglich selbst die Ärmel hochgekrempelt, zum Beispiel als es darum ging, die alten Bruchsteinmauern zu entfernen. „Da bin ich mit dem Traktor zig Mal auf die Länge gefahren, die Steine wurden für einen Waldweg gebraucht. Das war mein Glück. Später unterstützte er den Maurer und den Zimmermann." Lief immer alles glatt? Nein, sagt Kurt Wallschläger, in der zweijährigen Umbauphase habe es Hochs und Tiefs gegeben. Zwar habe sein Cousin den Bauleiter gemacht, trotzdem habe er viele Entscheidungen mit sich selbst ausmachen müssen. Und das sei nicht immer einfach gewesen. „Wer eine Scheune in eine Wohnung verwandelt, der muss schon Idealismus aufbringen“, sagt der 54-Jährige. Umso zufriedener ist Wallschläger mit dem, was er erreicht hat. Jetzt will er noch im Flur einen neuen Boden verlegen, weil das Geld beim Umbau nur für eine günstige Lösung reichte. Im Wohnzimmer plant er, eine neue Decke einzuziehen und die Rückseite des Hauses will er auch noch verputzen lassen. Da ist einer auf den Geschmack gekommen – weil er gelernt hat, an Aufgaben zu wachsen.

Die Serie

Wer wachen Auges durch die Baaremer Dörfer geht, entdeckt leer stehende Gebäude, verödete Hofstellen und verfallende Scheunen. In den Straßen halten sich nur wenige Menschen auf, meistens ältere. Langsam wird immer deutlicher, was mit den Ortskernen geschieht: Sie veröden, wenn die Politik nicht bewusst dagegen steuert. In unserer Serie Neuer Glanz in alter Hütte wollen wir gute Beispiele für eine Innenentwicklung vorstellen. Und die Menschen, die dahinterstehen. Denn die Bewohner und Eigentümer müssen mitziehen, wenn die Innenentwicklung klappen soll. Das Baugesetzbuch verlangt als Leitlinie für die gemeindliche Planung eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung und fordert, mit Grund und Boden sparsam umzugehen, den Flächenfraß also zu unterbinden. Aber davon abgesehen, liegt Flächensparen auch im ureigensten Interesse der Gemeinden selbst: Eine gute Bauleitplanung schont landwirtschaftliche Nutzflächen und Natur, aber auch den Gemeindehaushalt, weil keine zusätzliche Infrastruktur in der Fläche vorgehalten werden muss. Außerdem steigert sie die Attraktivität des Ortskerns, wenn sich das Leben weiterhin im Zentrum abspielt und sich nicht in Neubaugebiete verlagert. (hon)