Die Initiative ist rührig, wichtig, unterstützenswert. Der Linderung akuter Notlagen verschreiben sich die Tafeln Villingen-Schwenningen in der Selbstbeschreibung. Wohlwissend, dass diese akute Problemlage für viele Menschen längst zum Dauerzustand geworden sind. Die Armut hat sich verfestigt. Überall. Auch im reichen Südwesten. So genannte sozial Schwache sind oft unverschuldet aus dem geld- und effizienzgeprägten Wirtschaften unserer Tage geworfen worden – oder gehörten ihm nie richtig an. Krankheit, Arbeitslosigkeit, sozialer Abstieg hier; eine frühere Hausfrau und Mutter mit heute kümmerlicher Rente da; Ein schlecht bezahlter Job, Familie, mehrere Kinder dort. Diese Lebensentwürfe gleichen sich in einer Hinsicht. Nie ist das Ziel gewesen, sich über die Tafel den Lebensunterhalt etwas leichter zu gestalten.

Die Tafelläden erfüllen Aufgaben, die eigentlich der Politik zukämen, sagen Kritiker und meinen, mit ihrer Abschaffung würde der Staat endlich handeln. Ohne sie wäre die Gesellschaft ärmer, sagen die Unterstützer – wohlwissend, dass Armutsbeseitigung oder Wohlfahrt aller Menschen niemals der Interessenlage eines Staates entspräche. Was bleibt, ist, sich mangels Alternativen in diesem Zustand einzurichten und einfach anzupacken. Das geschieht. Und das ist lobenswert. Viele Unterstützer und Sponsoren der Tafel helfen eher unsichtbar, indem sie nicht mehr benötigte Waren dem Netzwerk Tafel zur Verfügung stellen. Die Ehrenamtlichen in den Läden bringen sich dagegen im direkten Kontakt mit den bedürftigen Menschen ein. Sie sind das Gesicht dieser Sozialbewegung.

Denn mit dem Ein- und Ausräumen ist es nicht getan. Auf vielfältige Weise begegnen die Helfer ihren Kunden auf Augenhöhe. Die Würde des Gegenübers ist ein großes Thema. Das beginnt beim freundlichen Umgang und führt über das sorgsam eingerichtete Ladenlokal bis hin zum echten Bezahlvorgang. Die Kunden erleben nicht nur ein Stück Normalität, sondern kehren für eine Stunde ihrem durch Monotonie und Einsamkeit geprägten Alltag den Rücken. Ein Schwätzchen beim Warten offenbart die Gleichartigkeit der Lebenssituation. Das sättigt nicht, aber korrigiert mitunter das Hadern mit dem eigenen Schicksal.