Vom Kunsthaus an der Brigach aus bricht der in Rio de Janeiro und Stuttgart lebende Künstler Daniel Beerstecher zu seinem „Walk in Time“. Wobei das „Gehen in der Zeit“ den geplanten Bewegungsabläufen eher widerspricht. Denn Beerstecher wird in einer geradezu meditativen langsamen Gangart, einem „Slow Walk“ die Donau entlanggehen. Als lebendige Skulptur erreicht er dabei eine Reisegeschwindigkeit von 120 Metern pro Stunden. Diesem Tempo wird er sich sechs bis sieben Stunden pro Tag unterziehen.

Am Ende wird er sich jeden Tag etwa einen Kilometer weiter von seinem Ausgangsort entfernen. Beerstecher visiert dabei eine Marathonstrecke von 42 Kilometern an, die er in etwa 42 Tagen absolvieren möchte. Sein Marathonlauf wird dabei im Art-Plus und in der Städtischen Galerie Tuttlingen in einer permanenten Liveübertragung gezeigt.

Seine Performance ist als besonders bewusste Form der bewussten Entschleunigung zu sehen. Sie ist, so verkünden es die Museumsmacher, nicht nur eine Antwort auf unseren hektischen, tempobestimmten Alltag. Sie spielt auch mit den Spannungsfeldern zwischen Technik und Glaube sowie Selbstoptimierung und Meditation.

Dabei spielt das Reisen, als Zurücklassen von Alltag und Ballast, eine große Rolle im künstlerischen Schaffen des 1979 geborenen Künstlers. Immer wieder begibt er sich – vermutlich in höherem Tempo – auf Wanderschaft, besteigt Berge und durchquert Urwälder und Wüsten, um die Erlebnisse künstlerisch zu verarbeiten.

Mit seinen Performances regt Beerstecher zum Nachdenken über die Sinnhaftigkeit des Daseins an. Ein ernster Ansatz. Und deshalb wäre es für Kunstfreunde unhöflich, Beerstecher nur von hinten zu sehen. So sei am Ende die Uhrzeit genannt. Um 12 Uhr bricht der Künstler auf. Die Begrüßung und Einführung übernehmen Beerstecher und Museumsleiterin Simone Jung im Gespräch.