Es ist eher die Regel über Vereine zu lesen, die sich auflösen, nicht genügend Mitglieder haben, niemanden mehr finden, der Verantwortung übernehmen möchte. Ganz anders ist das in Wolterdingen. Dort haben sich Jugendliche zusammengefunden und einen neuen Verein gegründet: eine Ortsgruppe der Landjugend. Was ist es aber, das ein neuer Verein mit Jugendlichen in einer Ortschaft braucht? Was fehlt, welche Strukturen behindern?

Zu diesem Thema trafen sich die Mitglieder der Wolterdinger Landjugend gemeinsam mit Ortsvorsteher Reinhard Müller und Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch im Rathaus des Donaueschinger Ortsteils zum Austausch. Dabei konnten die Jugendlichen der Politikerin einige Anregungen in Bezug auf den ländlichen Raum mit auf den Weg geben.

Ortsvorsteher Reinhard Müller, Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch und Andreas Müller, Vorsitzender der Wolterdinger Landjugend beim Gespräch rund um Bedürfnisse und Belange im Ortsteil.
Ortsvorsteher Reinhard Müller, Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch und Andreas Müller, Vorsitzender der Wolterdinger Landjugend beim Gespräch rund um Bedürfnisse und Belange im Ortsteil. | Bild: Simon, Guy

Große Themen waren an diesem Abend die Infrastruktur in Bezug auf mobiles Internet, der Radwegeausbau sowie die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. "Von der Schule in Donaueschingen hat es mit dem Bus früher gut eine Stunde gedauert, bis man nach Hause fahren konnte. Eine Strecke, die mit dem Auto in acht Minuten zu schaffen ist", sagte Andreas Müller, Vorsitzender der Wolterdinger Landjugend. "Ich war froh, als ich später dann mit dem Mofa fahren konnte. Da war ich immer noch etwa 45 Minuten schneller Zuhause." Mit Inbetriebnahme des Ringzuges habe man dem Ortsteil versprochen, für eine bessere Busverbindung zu sorgen. Bisher sei das nicht passiert. Der Stadtbus sei eine tolle Sache, fahre aber leider die Ortsteile nicht an, so Ortsvorsteher Reinhard Müller.

Bemängelt wurde zudem eine ordentliche Anbindung an die Großstädte. Ein Landjugend-Mitglied müsse beruflich oft nach Stuttgart und sehe sich da vor der Bahnstation in Rottweil quasi von einer vernünftigen Verbindung abgeschnitten.

"Wie ist es hier den mit dem schnellen Internet?", erkundigte sich Alexander Seibold, Geschäftsführer des Bundes Badischer Landjugend. Raunen duch das Sitzungszimmer. Breitband sei bereits gelegt, die Station sei auch verbaut. Wer direkt im Umfeld liege sei auch schon angeschlossen, der Rest stehe noch aus", erklärte Ortsvorsteher Müller. Er ergänzte: "Was fehlt, ist das mobile Netz." Zwar gebe es einen Masten, dessen Reichweite und Leistung lasse jedoch sehr zu Wünschen übrig. "Es darf hier kein Gefälle zwischen den Ballungszentren und dem ländlichen Raum entstehen", so Seibold. Auch blinde Flecken beim digitalen Ausbau müssen berücksichtigt werden.

"Das ist die Nagelprobe für die Wirtschaft. Wenn das nicht gelingt, sind wir verloren", kommentierte Gurr-Hirsch. Man müsse jedoch auch bereit sein, neue Infrastrukturen zu ertragen, etwa moderne Funkmasten. Auf bundespolitischer Ebene sei versprochen worden, bis 2020 überall in der Republik den Standard einer Rate von mindestens 50 M/Bit pro Sekunde zur Verfügung stellen zu können

Die Wolterdinger Landjugend präsentierte sich an diesem Abend als ein äußerst reger Verein. Bereits einige Zeit nach der offiziellen Gründung im Januar habe man mittlerweile schon 36 Mitglieder in einem Alter von 14 bis 26 Jahren. "Wir waren bisher bei allen Kreisveranstaltungen dabei und konnten dort viele andere Ortsgruppen kennenlernen", so Andreas Müller. Die nächste Generation, die bald 14 werde, stehe schon in den Startlöchern.

Gurr-Hirsch warb schließlich noch dafür, dass sich auch junge Leute, etwa aus den Reihen der Landjugend, bei Kommunalwahlen aufstellen lassen sollten. Man könne bereits aktive Mitglieder um Informationen dazu bitten.