1,41 Milliarden Euro hat das Finanzamt Villingen-Schwenningen im Jahr 2018 eingenommen – von den Bürgern, den Firmen und Unternehmen, von Erben, aber auch Käufern von Grundstücken. Was aber macht die Behörde mit dem vielen Geld? Die Einnahmen werden an Bund, Land und zu einem kleinen Teil an die Landkreise abgeführt. Von dort aus wird der Betrieb des Staats finanziert: Ohne die Finanzverwaltung würden keine Polizisten für Sicherheit sorgen, Lehrer an den Schulen unterrichten oder Landesgebäude saniert werden, um nur drei Beispiele zu nennen.

Prüfer sorgen für 17 Millionen Zusatzeinnahmen

Das VS-Finanzamt gibt sich alle Mühe, die Jahressummen hochzuhalten. 301 Beschäftigte arbeiten an den Standorten Villingen und Donaueschingen. Darunter auch 45 spezialisierte Prüfer, die 2018 in 650 Vor-Ort-Einsätzen aktiv gewesen sind, wie Finanzamtsvorsteher Karl-Heinz Huy erklärt. 17,2 Millionen Euro seien das Ergebnis dieser Anstrengungen, listet die Behörde jetzt auf Anfrage des SÜDKURIER auf, „Geld, das sonst nicht hätte zugunsten der Allgemeinheit eingesetzt werden können“, wie der 63-jährige Behördenchef darlegt.

Das VS-Finanzamt ist, wie das im Behördendeutsch heißt, für die Durchführung der Besteuerung im Schwarzwald-Baar-Kreis mit seinen 20 Gemeinden zuständig. Erb- und Schenkungssteuerverfahren werden sogar in der Raumschaft zwischen Konstanz und Waldshut-Tiengen betreut. 74 206 Einkommenssteuerverfahren wurden im vergangenen Jahr verbucht.

Bild: Stach

Immer mehr Bürger wickelten ihre Steuerzahlung über die Finanzamts-Software Elster ab. Rund zwei Drittel aller Fälle, genau waren es 64,9 Prozent, gingen über das Computerprogramm bei der Behörde ein. Für Kundenfragen zum Elsterprogramm gibt es eine Direktdurchwahl, diese lautet (07721) 92 34 38.

Belege braucht es nicht mehr

Viele Bürger nutzten auch die Möglichkeit der persönlichen Ansprache mit den Abteilungen vor Ort. 212 Beschäftigte sind für die Kunden in Villingen da, 89 in Donaueschingen. Öfter seien Kunden noch nicht informiert, dass das Finanzamt zunächst keinerlei Belege mehr zu den Abrechnungen vorgelegt bekommen will. Diese werden schon seit Jahren nur noch in – meist auffälligen – Einzelfällen eingefordert und müssen deshalb von den Steuerzahlern zuhause bereitgehalten werden.

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Alle Steuerbescheide werden seit fast zwei Jahren automatisch eingelesen. Computerprogramme prüfen die Abrechnungen. Gibt es hier keine Auffälligkeiten, wird die Abrechnung freigegeben. Unbeanstandete Fälle können in zwei Wochen schon abschließend geklärt sein, sagt Sachgebietsleiter Wilfried Baschnagel.

Das Finanzamt kämpfe aktuell gegen viele Abgänge erfahrener Mitarbeiter in den Ruhestand. Mit aktuell 41 Auszubildenden leite man hier die Gegenbewegung ein, wurde jetzt weiter erklärt. Huy: „Unser Ausbildungsangebot hat sich damit in den letzten fünf Jahren von 21 auf 41 Auszubildende verdoppelt.“ Das Durchschnittsalter im Finanzamtsteam liege heute bei 47,3 Jahren.

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Das Amt bewerten

„Wir sind“, so Huy, „eine der wenigen Behörden, die noch Beamte ausbildet.“ Einstellungsvoraussetzung für die zweijährige Ausbildung zum Finanzwirt und zur Finanzwirtin im mittleren Dienst ist die mittlere Reife.

Für das dreijährige duale Studium zum Bachelor of Laws im gehobenen Dienst ist das Abitur oder die Fachhochschulreife erforderlich. Einstellungstermine sind der 15. September für den mittleren Dienst und der 1. Oktober für den gehobenen Dienst. Zusätzlich gibt es bei den Finanzämtern inzwischen für den gehobenen Dienst einen zweiten Einstiegstermin zum 1. März des Jahres.

Seit kurzem steht den Bürgern für allgemeine Fragen zu ihrer Steuererklärung der Steuer-Chatbot zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um eine technische Informationsquelle, mit der per Texteingabe rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche am Computer, Tablet oder Smartphone kommuniziert (gechattet) werden kann. Der Steuerchatbot ist über die Homepage des Finanzamtes oder direkt aufrufbar unter:
https://ofd-karlsruhe.fv-bwl.de.

Ab sofort und bis zum 29. Februar 2020 können Bürger über die Homepage des Finanzamtes oder im Internet die Servicequalität ihres Finanzamtes bewerten. Im Vordergrund stehen dabei die Themen Erreichbarkeit der Mitarbeiter, Öffnungszeiten und verständliche Sprache der Steuerverwaltung. Eine Teilnahme dauert etwa fünf Minuten und ist ohne Angabe personenbezogener Daten möglich.

Die Adresse im Internet lautet:
http://www.ihr-finanzamt-fragt-nach.de