Friedlich dösend liegt der Labrador im Hof, während das Herrchen die Einkäufe auslädt. Eine Leine braucht es nicht, schließlich ist das Tier gut erzogen und sowieso am liebsten in der Nähe seines menschlichen Rudels.

Dann dringt ein Rascheln herüber, der Hund hebt interessiert den Kopf. Als die Katze auf der anderen Straßenseite im Gebüsch verschwindet, kommt Leben in das Tier: Wie von der Tarantel gestochen, springt es auf, schießt aus dem Hof und auf die Straße. Reifen quietschen, gefolgt von einem dumpfen Schlag. Vergessen sind die Einkäufe, nun hat der Halter des Hundes andere Probleme. Das Tier ist glücklicherweise mit dem Schrecken davongekommen, doch das Auto, dessen Fahrer gerade noch das Schlimmste verhindern konnte, ist gegen die Gartenmauer gekracht, der Schaden immens.

Video: Ann-Kathrin Moritz

Doch wer muss dafür aufkommen? "Der Halter ist grundsätzlich immer für das Verhalten seines Hundes verantwortlich", stellt Julia Birk, Besitzerin des Hundeparks Birk in Donaueschingen, klar. Dabei sei es völlig einerlei, was der Hund kaputt mache: Pfotenabdrücke auf einer weißen Hose, ausgebuddelte Blumen im Nachbargarten oder eben der beschriebene Schaden an einem Auto. Im schlimmsten Fall kann es, zum Beispiel als Folge eines Beißangriffs, zur Berufsunfähigkeit des Opfers kommen. Dann wird es richtig teuer. Der Besitzer hafte sogar, wenn das Tier in die Obhut eines Hundesitters gegeben sei, führt Birk weiter aus. Die private Haftpflichtversicherung des Halters greife in der Regel nicht.Doch lohnt sich eine Tierhalterhaftpflicht? "Auf jeden Fall", erklärt die erfahrene Hundetrainerin, "Egal wie erfahren der Halter oder gut erzogen der Hund ist: ein kleiner Moment der Unaufmerksamkeit reicht und schon ist etwas passiert." Deshalb müssen bei ihr, wie in den meisten Hundeschulen und -pensionen, die Teilnehmer vor Kursbeginn eine Erklärung unterschreiben, in der sie bestätigen, dass sie eine Tierhalterhaftplicht abgeschlossen haben.

Das könnte Sie auch interessieren

So sind auch die Herrchen von Lennox und Iceroots Farah gegen jedweden Schaden abgesichert. "Wir haben die Versicherung zum Glück noch nie in Anspruch nehmen müssen, aber meiner Meinung nach muss man eine haben", erklärt Simone Vetter aus Blumberg, die zusammen mit ihrer vierzehnjährigen Tochter Lisa-Marie seit drei Jahren in die Hundeschule kommt.

Golden Doodle Lennox meistert die Übungen in der Hundeschule mit großer Gelassenheit. <em>Bild: Roland Sigwart</em>
Golden Doodle Lennox meistert die Übungen in der Hundeschule mit großer Gelassenheit. | Bild: Roland Sigwart

Krankenversichert ist dagegen keiner der Hunde. Julia Birk weiß warum: "Die Versicherungen, die alle Krankheitsfälle abdecken, sind wahnsinnig teuer und bei den günstigeren wird meist nur wenig übernommen." In ihrer jahrzehntelangen Erfahrung als Hundehalterin habe sie noch nie eine Krankenversicherung abgeschlossen und es auch nicht bereut. "Die Versicherung lohnt sich eigentlich nur, wenn das Tier sehr oft operiert wird. Aber da komme ich an den Punkt, an dem ich mir überlege, ob ich meinem Hund noch etwas Gutes tue oder ob es nicht besser wäre, ihn von seinen Qualen zu erlösen."

Erziehung beugt Schäden vor

Obwohl sich Unfälle nie ganz ausschließen lassen, können dennoch viele Schäden durch eine gute Hundeerziehung vermieden werden. Der Besuch einer Hundeschule oder eines Hundesportvereins ist daher laut Birk unerlässlich. Denn mit der Gesellschaft habe sich auch die Hundehaltung verändert: "Früher wurden Hunde als Nutztiere gehalten: der Jäger hatte seinen Jagd-, der Landwirt seinen Wachhund." Heutzutage gebe es immer mehr Familienhunde ohne eigene Aufgabe, die erzogen werden müssten und wollten, wie Birk ausdrücklich betont.

Video: Ann-Kathrin Moritz

Die Erziehung unter professioneller Aufsicht bringe dabei einige Vorteile: Zunächst habe der Halter jederzeit einen ausgebildeten Profi als Ansprechpartner. Ganz wichtig sei der Ablenkungsfaktor in der Hundeschule, denn das Tier müsse schließlich lernen, auch in Anwesenheit anderer Hunde und Menschen zu gehorchen.

Julia Birk erhöht den Ablenkungsfaktor, indem sie klatschend an den liegenden Hunden vorbeigeht. <em>Bild: Ann-Kathrin Moritz</em>
Julia Birk erhöht den Ablenkungsfaktor, indem sie klatschend an den liegenden Hunden vorbeigeht. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Nicht zu vernachlässigen sei auch der soziale Aspekt der Begegnung mit Artgenossen – für Hund und Halter. Unter diesem Gesichtspunkt scheint es nicht weiter verwunderlich, dass selbst sehr erfahrene Hundehalter seit vielen Jahren an Birks Kursen teilnehmen.

Video: Ann-Kathrin Moritz

So auch Thomas Glaser aus Villingen. Seit nunmehr zehn Jahren kommt er jeden Freitag und Samstag in die Hundeschule. Zuerst mit seinem inzwischen verstorbenen Border-Collie und jetzt mit seiner zweieinhalbjährigen Jagdhündin Ira. Am schwersten falle ihm, bei der Hundeerziehung nach wie vor konsequent zu bleiben. "Und nicht so schnell wütend zu werden", ergänzt Lisa-Marie Vetter, die die Ausbildung ihrer 20 Wochen alten Labradorhündin völlig eigenständig übernimmt.

Thomas Glaser genießt die Trainingsstunden mit seiner Ira in Birks Hundeschule. <em>Bild: Roland Sigwart</em>
Thomas Glaser genießt die Trainingsstunden mit seiner Ira in Birks Hundeschule. | Bild: Roland Sigwart

Aus Julia Birks Sicht stellt die zwischenartliche Kommunikation besonders Anfänger vor die größte Herausforderung. "Die Hunde werden oftmals vermenschlicht. Es werden Emotionen in sie hineininterpretiert, die sie so gar nicht haben können", berichtet die Hundetrainerin. Oftmals würden die Halter gar nicht versuchen, die Körpersprache der Tiere zu verstehen, sondern einfach von sich auf den Hund schließen. Auch falle es vielen schwer, schnell von einem strengen auf einen normalen beziehungsweise lobenden Tonfall umzuschalten. Birks wichtigster Tipp? Entspannt bleiben und ein Gefühl für den Vierbeiner entwickeln, anstatt sich ausschließlich auf Methoden und Techniken zu konzentrieren. "Womit fühlen wir uns beide wohl? Das muss immer die leitende Frage sein."

Video: Ann-Kathrin Moritz

Und wer lernt mehr bei der Hundeerziehung – Hund oder Halter? Die Trainerin muss nicht lange überlegen: "Ganz klar der Halter!" Insbesondere für junge Menschen sei diese Weiterentwicklung reizvoll, man lerne nicht nur konsequent zu sein und die eigenen Emotionen zu steuern. Man gewinne im Umgang mit den Vierbeinern zusätzlich an Selbstsicherheit, verspricht Birk: "Von Pferden heißt es ja immer, sie seien die Spiegel der Reiter. Meiner Meinung nach sind Hunde das auch, aber noch viel direkter. Ein Pferd ist oft für sich, während der Hund im ständigen Kontakt mit seinem Herrchen steht. Er ist Sozialpartner und Familienmitglied."

Das könnte Sie auch interessieren

Was Hundehalter beachten und wissen müssen

Einen Hund zu halten bedeutet nicht nur Spaß, sondern beinhaltet auch eine Vielzahl von Pflichten und Gesetzen.

 

  • Leinenpflicht: Nach der Polizeiverordnung der Stadt Donaueschingen sind Hunde auf allen öffentlichen Straßen und Gehwegen im sogenannten Innenbereich an der Leine zu führen. „Prinzipiell befindet man sich im Innenbereich einer Stadt, sobald die Flächen links und rechts der Straße bebaut sind“, erklärt Andreas Dereck, Leiter des Ordnungsamts. In den Grünanlagen der Stadt wie dem fürstlichen Schlosspark gilt ebenfalls die Leinenpflicht. Aber auch außerhalb dieser Bereiche darf ein Hund nur dann frei laufen gelassen werden, wenn ihn der Halter jederzeit durch Zuruf kontrollieren kann.
  • Hundekot: Jede Hinterlassenschaft der Vierbeiner muss nach der polizeilichen Umweltschutzverordnung der Stadt Donaueschingen sofort vom Halter entfernt werden. Wer den Kot dennoch liegen lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Verwarngeld rechnen. Dieses liegt, nach Aussage von Derecks Kollegen Gerhard Lucas, zwischen 50 und 150 Euro. Bei mehrfachem Verstoß könne es auch noch deutlich teurer werden. Denn Hundekot ist nicht nur eine ärgerliche Angelegenheit für denjenigen, der hineintritt. Insbesondere für Kinder kann er sogar zu Gefahr werden, da er nicht selten mit Würmern und anderern Krankheitserregern infiziert ist.
  • Hundekot-Entsorgung: Auf einem Spaziergang mit dem Hund sollte man deshalb immer eine Plastiktüte mitführen. Hat man eine Hinterlassenschaft mit dem Beutel eingesammelt, so sollte man ihn zugeknotet in einem der öffentlichen Papierkörbe oder in der heimischen Restmülltonne entsorgen, in keinem Fall jedoch in der Biotonne.
  • Hundesteuer: In Donaueschingen muss für den ersten Hund eine Steuer von 108 Euro pro Jahr entrichtet werden. Jedes zusätzliche Tier kostet dann den doppelten Satz, also 216 Euro pro Jahr. „Ausgenommen von dieser Regelung sind alle Vierbeiner, die ausschließlich dem Schutz hilfsbedürftiger Personen dienen“, erklärt Jasmin Kaiser von der Kämmerei. Hierzu zählten neben Blinden- und Rettungshunden auch Jagdhunde. Generell brauche man zur Befreiung von der Steuerpflicht im Schwerbehindertenausweis die Kennzeichen B,BL,AG oder H. Mit 600 Euro im Jahr werden die drei Kampfhunde-Rassen dagegen deutlich höher besteuert. Erst wenn sie den Wesenstest bestanden haben, werden sie auf den Normalsatz heruntergestuft. Neun weitere Hunderassen können bei Auffälligkeiten ebenfalls mit dem höheren Satz besteuert werden.
  • Kampfhunde: Drei Rassen werden im Landkreis als Kampfhunde bezeichnet: American Stafford Terrier, Pitbull Terrier und Bull Terrier. Für diese Hunde ist die Teilnahme an einem Wesenstest verpflichtend. Wie Michael Langer, Leiter des Veterinäramts, berichtet, finden im Landkreis zwei bis drei Tests pro Jahr statt, bei denen jeweils acht bis zehn Hunde geprüft werden. Die Gemeinden überprüfen dabei bereits im Vorfeld das polizeiliche Führungszeugnis des Halters. Unter bestimmten Umständen wird das Tier erst gar nicht zum Test zugelassen. In den allermeisten Fällen aber übermittelt die Kommune die Anmeldedaten an das Veterinäramt. Am Tag des Tests wird zunächst einmal die Identität des Hundes per Chip überprüft. Anschließend erfolgt eine amtstierärztliche Untersuchung, bei der insbesondere auf Hinweise für eine erhöhte Anzahl an Verletzungen sowie Medikamentenverabreichung geachtet wird. Beides deute, so Langer, auf ein Kampfhundtraining hin. „Beim eigentlichen Test wird dann in erster Linie beobachtet, wie der Hund auf verschiedene Situationen reagiert“, erklärt der Veterinär. So werde das Tier unter anderem angeschrien und mit einer Person im Rollstuhl, einem Kinderwagen und anderen Hunden konfrontiert, die sowohl friedlich, als auch aggressiv seien. Auch Spielzeug komme zum Einsatz. „Hunde, die auf Kampf trainiert sind, verbeißen sich komplett in solche Dinge und lassen nicht mehr los“, meint Langer. Aus der Gehorsamkeitsprüfung, die ebenfalls Bestandteil des Tests ist, könne man ebenfalls einiges über die Haltung ableiten.
  • Test nicht bestanden: Der Großteil der zu prüfenden Hunde besteht den Wesenstest. Die Durchfallquote liegt nach einer Schätzung Langers zwischen drei und vier Prozent, also ein bis zwei Hunde pro Jahr. In diesen Fällen bleibt als erste Folge die hohe Steuer und die Maulkorbpflicht bestehen. Zusätzlich dürfen die Tiere auch auf dem Grundstück des Halters nur dann frei herumlaufen, wenn dieses rundum eingezäunt ist. Bei Auffälligkeiten des Halters kann es selten sogar zum Entzug des Hundes kommen. Dann wird das Tier in die Obhut eines Tierheims übergeben, wobei nur manche Einrichtungen zur Aufnahme von Kampfhunden berechtigt sind. Das Donaueschinger Kreistierheim gehört, laut Langer, dazu.
Ann-Kathrin Moritz