Die bundesweite Faire Woche findet vom 14. bis 28. September statt. Was ist da in Donaueschingen geplant?

Uwe Kaminski: Die Faire Woche konzentriert sich im Wesentlichen auf den Samstag, 22. September. Der Weltladen bietet im Laden wieder Faire Versucherle. Das Fürstenberg-Gymnasium möchte fairen Kakao ausschenken, Genaueres ist noch nicht geplant. Auch einzelne Einzelhändler sind interessiert. In den kommenden Tagen werde ich mit Mitgliedern des Gewerbevereins ausloten, wie eine Teilnahme im Rahmen der Fairen Woche aussehen kann. Eventuell könnte man bei einzelnen Produkten, die man im Sortiment hat, erklären, wo und unter welchen Umständen sie entstanden sind. Hier besteht ein Spielraum. Auch wer wirklich mitmacht, wird sich dann herausstellen. Das Motto der diesjährigen Fairen Woche lautet: „Gemeinsam für ein gutes Klima“, wobei der Begriff Klima breit zu fassen ist. Das eigentliche Klima fällt darunter, aber auch die Lebensumstände. Ein gutes Klima hier in der Region ist damit gemeint, auch ein Einkaufsklima. Das gehört ja alles dazu.

Wie lassen sich generell Menschen einbinden, die nicht regelmäßig im Weltladen vorbeischauen?

Kaminski: Hier ist Präsenz im Einzelhandel und in den Medien wichtig. Speziell beim Weltladen sind auch die gute Lage an der Max-Egon-Straße und die festen Öffnungszeiten förderlich. Wichtig ist, dass man immer mal wieder Aktionen plant. Der Mangoverkauf etwa ist inzwischen Kult, aber auch der Weihnachtsmarkt, der alljährlich im Weltladen stattfindet.

Welche Süßigkeiten naschen Sie gerne?

Tobias Butsch: Ausschließlich Schokolade, keine Gummibärchen.

Fairtrade oder der schnelle Griff ins Regal?

Butsch: Da gebe ich offen zu: Mal so, mal so. Nicht ausschließlich, aber ab und an Fairtrade.
Kaminsiki: Ich esse auch gerne Schokolade oder Kekse mit Schokolade. Aber auch Nüsse mit Schokoladenüberzug. Das bekomme ich alles im Weltladen.

Wo kaufen Sie Ihre Lebensmittel ein?

Kaminski: Kaffee und Tee kommen aus dem Weltladen, Milch vom Bauern hier, oder von lokalen Molkereien. Obst und Gemüse hole ich Sommer aus meinem Garten. Fleisch kaufe ich bei Hofläden, beim Metzger oder beim Lebensmittelhandel. Nichts Abgepacktes. Beim Fleisch gibt es leider kein Fairtrade-Label. Aber fairer Einkauf bedeutet auch, in der Region einkaufen und so die Region zu fördern. Fair einkaufen bedeutet ja auch lokal einkaufen. Das sehe ich als ganz wichtigen Punkt.
Butsch: Da ist es beim Metzger auch entscheidend, ob das Fleisch aus Sumpfohren kommt oder ob es aus halb Europa herangekarrt wird.

Wie sind Ihre Einkaufsgewohnheiten bei Obst und Gemüse?

Butsch: Sie sind ähnlich. Ausgewählter Einzelhandel in Donaueschingen und bei manchen Produkten auch Supermarkt. Aber im Supermarkt muss man auch wieder darauf achten, woher das Produkt kommt.

Wohin führt der Weg in Sachen Fairtrade-Town Donaueschingen?

Butsch: Die Initiative war ein fraktionsübergreifender Antrag aller fünf Gemeinderatsfraktionen an den Oberbürgermeister, das Thema im Gemeinderat zu behandeln. Es folgte der Beschluss, „Wir wollen Fairtrade-Town werden“. Es wurde schon im Vorfeld bei der Stadtverwaltung beschlossen, Kaffee, Tee und Orangensaft auszuschenken. Im Mai wurde die breit aufgestellte Fairtrade-Steuerungsgruppe gegründet, die sich mehrmals im Jahr trifft. Jetzt müssen wir die Pressearbeit verstetigen und parallel dazu Einzelhändler und Gastronomen gewinnen, die die Produkte anbieten. Bei den Einzelhändlern haben wir schon das Soll erfüllt, bei der Gastronomie müssen wir noch die eine oder andere Herausforderung meistern.

Welche Vorteile hat es für den Einzelhändler, wenn er Fairtrade-Produkte anbietet?

Kaminski: Was wir auch planen, ist ein fairer Einkaufsführer. Darin sind alle Händler aufgeführt, die faire Produkte führen und sich dazu bekennen. Da sind die Großen drin, aber auch die Kleinen. Vorgestellt wird auch das Sortiment. Das ist dann eine kostenlose Werbung für die Firmen. Den Konsumenten macht der Einkaufsführer klar, was es hier alles gibt.

Welche Fairtrade-Produkte fehlen hier noch?

Kaminski: Es wäre schön, wenn zum Beispiel ein Haushaltswarengeschäft auch mit Fairtrade-Keramik handeln würde. Oder wenn ein Bekleidungsgeschäft faire Halstücher oder ähnliches anbieten würde. Oder ein Ledergeschäft oder ein Taschengeschäft, die einen Teil des Sortiments in diesen Bereich umbauen.
Butsch: Die Frage könne auch sein, inwieweit Geschäfte, die schon Fairtrade anbieten, ihr Angebot ausweiten. Bei zig Kaffeesorten und bisher nur zwei Fairtrade-Sorten im Regal gäbe es in manchen Supermärkten Möglichkeiten.
Kaminski: Das Projekt „Donaueschingen wird Fairtrade-Town“ signalisiert dem Einzelhandel auch, dass sich die Menschen hier für das Thema interessieren. Vielleicht ist das für die Händler ein Anreiz, die Produktpalette zu überprüfen und auszuweiten.

Im Gemeinderat gab es viel Zustimmung, aber auch vereinzelt Vorbehalte gegenüber den Fairtrade-Ambitionen. Ist die Steuerungsgruppe jetzt ein Kontroll- und Bürokratiemonster?

Butsch: Man braucht sich für Fairtrade nicht verstecken. Deshab sollte man auch die restlichen Kriterien zur Erlangung des Siegels erfüllen. Die Steuerungsgruppe gehört dazu. Dabei nehmen alle freiwillig an der Steuerungsgruppe teil, auch ich als Vertreter der Stadt Donaueschingen gehöre dazu. Mir ist es ein Anliegen, dass die Stadt hier prägend teilnimmt. Man braucht aber wirklich ein bisschen Verwaltung und Organisation um das Ganze in einem überschaubaren Maß zu regeln und steuern.
Kaminski: Bis jetzt hatten wir, samt Gründunstreffen, zwei Treffen, ein weiteres folgt im Oktober. Dieser Aufwand hält sich in Grenzen, auch wenn man dazwischen etwa ausarbeitet, jemanden aufsucht oder ähnliches.

Was kostet die Stadt das Fairtrade-Verfahren?

Butsch: Das ist ein niedriger dreistelliger Betrag, auf mehrere Jahre verteilt. Das, was bisher getan wurde, habe ich aus laufenden Mitteln finanziert. Das wird auch in Zukunft so sein. Da brauchen wir keinen eigenen Haushaltsposten Fairtrade.
Kaminski: Wenn wir das Zertifikat dann haben, feiern wir ein kleines Fest, das nicht die Welt kosten wird.

Warum ist das Fairttrade-Siegel wichtiger als andere in diesem Umfeld?

Kaminsik. Es ist das einzige Siegel, das auch das Zusatztool Fairtrade-Town beinhaltet.
Butsch. Sie haben recht, Siegel gibt es wie Sand an mehr. Aber es geht um die Gesamtheit. Wir wollen einfach unter dem Dach der Town die Stadtverwaltung, die Gewebetreibenden, die Gastronomie und den Einzelhandel vereinigen.

Würde man diesen Effekt nicht auch dadurch erreichen, dass man über gerechten Handel und Produkte informiert und auf ein vernünftiges Kaufverhalten der Bürger hofft?

K: Wie kann ich so diese Informationen kontinuierlich an die Menschen bringen? Ohne das Ziel Siegel würde ich mich vermutlich weniger engagieren. Das geht anderen auch so. Um diese Anstrengungen zu bündeln, braucht es einen Rahmen. Das ist die Fairtrade-Town-Initiative.
Butsch: Nicht zu vernachlässigen ist der Wiedererkennungseffekt. Das Fairtrade-Siegel begegnet überall bei der Kampage.

Wie kriegen Sie die bisherigen Kritiker auf Ihre Seite?

Kaminski: Wir konnten schon deutlich machen, dass das Fairtrade-Siegel breit aufgestellt ist und auch die Produzenten mit im Boot sind. Die Plattform steht nicht für Gewinnmaximierung, hat aber auch die unvermeidliche Kontrollfunktion.
Butsch: In einer demokratischen Gesellschaft gibt es grundsätzlich Meinungspluralität. Ich glaube, wenn man nach ein paar Monaten sieht, dass diese Organisationseinheit eine gute Arbeit mit überschaubarem Verwaltungsaufwand macht, können wir sicher noch den einen oder anderen Anfangskritiker auf unsere Seite ziehen.

Fragen: Jens Wursthorn