„Sind das Bananen?“ „Nein, Zucchini“, erklärt Gabriele Lindemann, Direktorin der Erich-Kästner-Schule, geduldig einem Schüler. Gelbe Zucchini sind im Supermarkt nicht so oft zu finden und so kann es beim Besuch im Kleingarten von Adolf Bausch schon einmal zu der ein oder anderen lustigen Verwechslung kommen. Umso wichtiger ist die Arbeit, die der 78-jährige Hobby-Gärtner betreibt. Jeden Dienstag besuchen ihn die Kinder im Rahmen des Ganztagsangebots der Erich-Kästner-Schule. Die Kooperation besteht seit 2013 und läuft bisher sehr gut, wie der Senior berichtet.

Die Drittklässler sind heute zum ersten Mal da und gucken sich mit großen Augen um. Zwei Jahre lang wird Bausch sie an das Gärtnern heranführen und dabei vor allem versuchen, Bewusstsein bei den Heranwachsenden zu schaffen. „Die Kinder müssen verstehen, dass die Lebensmittel, die sie zu sich nehmen, nicht aus dem Supermarkt kommen, sondern in der Natur angepflanzt werden. Und dass das jeder selber kann“, erklärt er voller Überzeugung. Besonders wichtig sei ihm auch, dass bei ihm kein Dünger verwendet werde. Die einzige Unterstützung würden seine Pflanzen durch selbst produzierte Pflanzenhilfsmittel in Form von Baldrianblütenextrakt und Wermut-Tee erhalten.

Der passionierte Gärtner versteht sein Handwerk. Beim Gang durch die Kleingartengemeinschaft wird er deshalb nicht müde, die kleinen Fehler und Missgeschicke seiner Nachbarn aufzuzeigen. Dass die Schulklasse dabei seinen Erläuterungen des Öfteren nicht allzu viel Beachtung schenkt, scheint Bausch nicht im Geringsten zu stören. Er ist voll und ganz in seinem Element. Zudem findet er in Direktorin Lindemann, Klassenlehrerin Will und Betreuerin Keller-Kasza bereitwilligen Ersatz und so artet der Freiluft-Unterricht mitunter zu einer Art Fortbildung des Lehrpersonals aus. „Natürlich sind nicht immer alle Kinder interessiert dabei“, erkennt er selbst, „Nicht alles interessiert alle“.

Dennoch nimmt er seine Aufgabe sehr ernst. Immer wieder holt er sich die Aufmerksamkeit seiner Schützlinge zurück, indem er sie selbst ans Werk lässt. Mit großem Eifer stürzen sie sich auf die Kartoffeln, die es zu ernten gilt, und probieren sich von der Ananastomate über Sauerampher bis zur Melisse quer durch den Garten des Senioren. Am Ende transportieren sie dann in ihrem mitgebrachten Bollerwagen stolz die selbst geernteten Kartoffeln, Kürbisse und Riesen-Zucchini ab, während unter den Lehrerinnen angestrengt überlegt wird, wie die reiche Ausbeute verarbeitet werden soll.

Und die gelben Zucchini? Die wird der Schüler beim nächsten Mal bestimmt nicht mehr mit Bananen verwechseln. Ziel erreicht.