Manchmal ist es ganz gut, wenn man nur in die Schublade greifen muss und dort schon ein Konzept oder Planungen findet. Der Stadtbusbetreiber Haiz meldet Insolvenz an? Gab es da nicht einmal Planungen, die damals verworfen wurden? Rausgeholt, aufgefrischt und fertig ist der neue Stadtbus. Oder die Sanierung des gelben Rathaus wird zu teuer, bringt aber eigentlich auch nicht wirklich viel. Gab es da nicht einmal diese Hermann-Pläne für einen schicken Anbau, der die Ecke städtebauliche aufwerten sollte, aber dann aufgrund der Kosten wieder in der Schublade verschwand? Jetzt wurde er wieder herausgeholt und die Chancen sind gut, dass er in den nächsten Jahren auch umgesetzt werden wird.

Und weil die Vorfahren einst einmal vieles richtig gemacht haben, von denen die heutigen Stadträte reichlich profitieren können, will nun auch FDP-Stadtrat Roland Erndle in die Reihen der Visionäre treten. Es könnte ja schließlich einmal sein, dass das Land ein entsprechendes Programm plant, bei dem das Verbuddeln von Straßen gefördert wird. Da wäre es doch ganz praktisch und sicherlich zielführend, wenn man einfach nur in die Schublade greifen müsste und einen Plan herausholen könnte.

Und wie wird die Erndle-Vision nun auf dem Papier aussehen? Den Hindenburgring gibt es nicht mehr, weil irgendwo in der Nähe des Kaiser-Kreisels die Straße im Erdreich verschwindet und dann erst wieder bei der Hermann-Fischer Allee herauskommt. Zu teuer? Völlig abwegig? Die FDP halt mal wieder? Die Verwaltungsgesichter sprechen Bände, doch der Erndle lässt halt einfach nicht locker. Visionen braucht es eben und auch für den Ausbau der Bundesstraße 27 habe man nun wirklich frühzeitig angefangen, sich Gedanken zu machen. Und als schon niemand mehr daran geglaubt hat, wurde oder vielmehr wird das Projekt dann doch noch Realität.

Und weil sich nun niemand als Visionärsausbremser outen will, wird Stadtbaumeister Heinz Bunse in diesem Bezug einmal Kontakt mit dem Land, dem ja immerhin der Hindenburgring gehöre und das dann verantwortlich ist, aufnehmen. Auch wenn er sich eigentlich schon denken kann, wie die Antwort lauten wird.

Doch wer weiß: Es gab ja auch in grauer Vorzeit viele, die nie geglaubt hätten, dass es einmal eine Zeit geben wird, in der am Donaueschinger Rathaus nicht mehr drei Bundesstraßen aufeinander treffen werden. Und in einigen Jahrzehnten können die Donaueschinger dann über den ehemaligen Hindenburgring spazieren – ganz ohne von Autos gestört zu werden. Hinauf ins Stadtviertel "Am Buchberg". Und vielleicht kann man dort dann bei IKEA shoppen oder ins Musical gehen – das war ja schließlich auch einmal so eine Vision.

stephanie.jakober@suedkurier.de