Musiktage, die nimmt man schon auf der Straße wahr. Wenn wieder zahlreiche Fans der Neuen Musik in der Stadt einfallen, Uraufführungen im Stundentakt absolvieren und zwischendurch auch durch die Innenstadt pilgern, um ins nächste Konzert zu kommen. Man erkennt sie irgendwie.

Experten und Kritiker analysieren die Musiktage

Darunter mischen sich auch zahlreichen Kritiker und Experten, die urteilen, ob oder wie es in diesem Jahr dem Musiktage-Chef Björn Gottstein gelungen ist, die Traditionsveranstaltung mit neuen Impulsen zu füttern und zu etwas Außergewöhnlichem zu machen.

Vier Kinder schreiben über die Musiktage – aus ihrer ganz eigenen Sicht

Dazu braucht es nicht immer die Profi-Kritiker und Experten: Darüber kann sich jeder eine Meinung bilden. Und so haben SÜDKURIER und Volkshochschule Baar gemeinsam ein Projekt gestartet. Vier Kinder im Alter von elf bis 14 Jahren haben sich am Samstag ins Musiktage-Getümmel gestürzt und ihre ganz eigenen Erfahrungen gesammelt – nicht nur mit der Neuen Musik, die stets viel internationales Publikum in ihre Heimatstadt lockt, sondern auch wie es ist, darüber zu schreiben:

Was macht der Stadtbus bei den Donauhallen?

von Jano Awe, elf Jahre, Realschule

Jano Awe
Jano Awe | Bild: Roland Sigwart

Zwei blaue Busse stehen vor den Donauhallen. In einem sitzt Heinrich Löhrer und wartet auf Fahrgäste. Er ist seit 20 Jahren Busfahrer und fährt normalerweise Stadtbus und während den Musiktagen in einer Sonderlinie die Besucher und Musiker von den Donauhallen zur Reha-Klinik Sonnhalde.

Heinrich Löhrer shuttelt die Besucher hinauf zur Reha-Klinik Sonnhalde, wo eine Klanginstallation im Schwimmbad zu hören, zu sehen und zu fühlen ist.
Heinrich Löhrer shuttelt die Besucher hinauf zur Reha-Klinik Sonnhalde, wo eine Klanginstallation im Schwimmbad zu hören, zu sehen und zu fühlen ist. | Bild: Jano Awe

Immer zur vollen Stunde shuttelt er die Besucher die drei Kilometer hinauf zur Reha Klinik, wo eine Klanginstallation im Schwimmbad zu hören, zu sehen und zu fühlen ist. Unter Wasser sind Passivlautsprecher aufgebaut, aus denen Musik strömt. Diese sind extra so gebaut, dass man keinen Stromschlag bekommen kann, während man im Wasser schwimmt und die Musik anhört. Am Beckenrand spielen zwei Musiker abwechselnd Trompete. Und der zweite Donaubus? Der fährt an diesem Wochenende gar nicht. Denn dort werden Koffer, Gepäckstücke und Instrumente zwischengelagert, damit Musiker und Besucher sie nicht immer durch die Gegend tragen müssen.

Das ungewöhnliche Konzert

von Verena Binder, elf Jahre, St. Ursula Schulen

Verena Binder
Verena Binder | Bild: Roland Sigwart

Vor dem Konzert Alberto Posadas des Klangforums Wien müssen die Musiker noch ihre Instrumente stimmen. Dort gab es außergewöhnliche Instrumente zu sehen. Ein Schlagwerk wurde mit einem Hammer, einer Bürste und vielem mehr gespielt.

Beim Konzert Alberto Posadas des Klangforums Wien gibt außergewöhnliche Instrumente zu sehen. Ein Schlagwerk wird mit einem Hammer, einer Bürste und vielem mehr gespielt.
Beim Konzert Alberto Posadas des Klangforums Wien gibt außergewöhnliche Instrumente zu sehen. Ein Schlagwerk wird mit einem Hammer, einer Bürste und vielem mehr gespielt. | Bild: Verena Binder

Außerdem gab es zwei Bühnen – eine vorne und eine hinten. Auf beiden Bühnen saßen Musiker. Außerdem gab es viele Bildschirme, auf dem der Dirigent zu sehen war. Eine der Besonderheiten war nämlich, dass die Musiker während des Konzertes nicht nur auf den zwei Bühnen blieben. Sondern sie wechselten die Bühne oder standen mitten im Publikum vor den Bildschirmen und spielten von dort aus. Am Ende des Stücks standen alle auf der großen Bühne.

Das Festival auf dem Parkplatz der Donauhallen

von Lisa-Marie Augenstein, zwölf Jahre, Fürstenberg-Gymnasium

Lisa-Marie Augenstein
Lisa-Marie Augenstein | Bild: Roland Sigwart

Es ist eine Klanginstallation in zwei Hütten. Jule Bröcker aus Stuttgart, die in einer von beiden steht, erklärt: „Das Festival ist ein Festival im Festival und es werden Kunstwerke dargestellt, die niemals realisiert werden konnten.“ Es sah aus wie ein Stand und eine Hütte, doch sobald man in der Hütte war, war es ganz anders. Auf den ersten Klang hörte sich die Musik komisch an. Doch danach war es eigentlich relativ in Ordnung. Es haben Kinder und Jugendliche auf Keyboards gespielt.

Kinder und Jugendliche spielen gemeinsam mit den Besuchern das Stück „Nach dieser Erde“.
Kinder und Jugendliche spielen gemeinsam mit den Besuchern das Stück „Nach dieser Erde“. | Bild: Lisa-Marie Augenstein

Auch die Besucher durften es ausprobieren. Es war wie ein Kampf, welcher Ton zu hören war, denn ein Computer stellte das so ein, dass nur der allerletzte Ton zu hören war. Die Kinder und Jugendliche spielten das Stück „Nach dieser Erde“. An der Abendkasse konnte man Karten für eine Führung über das Festival-Gelände kaufen. Diese dauerte rund 30 Minuten und führte an den Kunstwerken vorbei, die nicht realisiert wurden, vorbei. Zwei Schauspieler erzählten über die Projekte, beispielsweise ein Theater.

Musiktage: neuartige Musik oder Lärm im Konzert?

von Lou Awe, 14 Jahre, Fürstenberg-Gymnasium

Lou Awe
Lou Awe | Bild: Roland Sigwart

Die Musik, die man während der Musiktage bei sämtlichen Installationen und in den Donauhallen hören kann, ist häufig ziemlich schräg. „Musik klingt nicht immer schön“, erklärt Kulturamtsleiterin Kerstin Rüllke. „Doch macht es sie gerade wegen der Disharmonien interessant.“ Als wir während einer Abstimmung der Instrumente vor einem Konzert dabei sein durften, haben wir selbst die Erfahrung gemacht, dass diese Musik ziemlich schräg ist, aber, dass hinter den schrägen, oftmals disharmonischen Klängen ein Konzept liegt: Es wird bei den Konzerten und Installationen nämlich nicht nur mit hörbaren Effekten gearbeitet, sondern auch mit visuellen.

Die Musik, die man während der Musiktage bei sämtlichen Installationen und in den Donauhallen hören kann, ist häufig ziemlich schräg. „Ich denke, man muss sich einfach auf die Musik einlassen, dann kann man auch Gefallen oder zumindest Akzeptanz für diese Musik entwickeln“,sagt Lou Awe.
Die Musik, die man während der Musiktage bei sämtlichen Installationen und in den Donauhallen hören kann, ist häufig ziemlich schräg. „Ich denke, man muss sich einfach auf die Musik einlassen, dann kann man auch Gefallen oder zumindest Akzeptanz für diese Musik entwickeln“,sagt Lou Awe. | Bild: Lou Awe

Das Konzert, an dessen Probe wir dabei sein durften, war zum Beispiel so ausgerichtet, dass die Musiker an verschiedenen Ecken im Saal angefangen haben zu spielen, um dann später zur Bühne vorzulaufen. Eingerahmt wurde diese Atmosphäre durch viele kleine, altmodische Bildschirme, auf denen die Musiker ihren Dirigenten sehen konnten. Kerstin Rüllke beschreibt diese Komposition aus visuellen und auditiven Elementen anhand eines Beispiels des Jahres 2017: „Der Künstler hatte die Bäume mit Leuchtfarbe angemalt und dazu gab es spacige Musik.

Das könnte Sie auch interessieren
Das war eine tolle Atmosphäre“, blickt sie auf die psychedelische Musik im Park zurück. Diese Musik ist nicht jedermanns Sache, doch ist es auf alle Fälle interessant, was sich die Künstler zur Darstellung ihres Stückes einfallen lassen. Ich denke, man muss sich einfach auf die Musik einlassen, dann kann man auch Gefallen oder zumindest Akzeptanz für diese Musik entwickeln.