Mit einer Rekordzahl von 475 Veranstaltungen geht die VHS Baar ins Herbst-Winter-Programm. Gut 30 Prozent davon sind völlig neue Angebote. Mit einer Veranstaltungsreihe quer durch viele Themenspektren hängt sich die VHS Baar an den deutschlandweiten Themenschwerpunkt 100 Jahre Volkshochschule. Gerade 44 Jahre jung, nimmt auch die hiesige Institution den doppelten Sinn des Mottos „Bildung für alle bildet Gesellschaft“ ins Programmheft auf.

Es gehe um Wissensvermittlung, aber auch darum, Menschen zusammen und miteinander ins Gespräch zu bringen, erklärt Leiter Jens Awe. Ein gesellschaftlicher Beitrag gegen die in sozialen Netzwerken wabernden Meinungsblasen. Und wer sonst als die Volkshochschule mit hunderten Teilnehmern und 220 Dozenten hätte die Breite, so viele Menschen zusammenzubringen? „Wir schaffen Impulse und geben Anregungen zum Nachdenken. Die Umsetzung ist der zweite Schritt“, ergänzen Sabine Spies und Christine Harms-Höfler von den Außenstellen Bräunlingen und Hüfingen.

Das VHS-Programm wird quadratisch und bunt: Jens Awe zeigt den Format-Unterschied zwischen den vorhergehenden 87 Broschüren und der Auflage Nr. 88.
Das VHS-Programm wird quadratisch und bunt: Jens Awe zeigt den Format-Unterschied zwischen den vorhergehenden 87 Broschüren und der Auflage Nr. 88. | Bild: Wursthorn, Jens

Die Leistungsschau einer einmaligen Themenvielfalt startet am 20. September mit einem Schnupper-Abend der Fremdsprachen. Vorgestellt werden dort seit Jahren erstmals wieder ein Japanisch-Anfängerkurs und erstmals die Möglichkeit, Norwegisch zu lernen. Ob es um das „Geschäft mit den Kranken“ geht, das der Mediziner Gerd Reuther am 9. Oktober anprangert, ob ein alternativer Blick auf die Wirtschaftspolitik durch die taz-Journalistin Ulrike Herrmann (am 15.Oktober) gefällig ist oder ein Live-Webinar am 11. Dezember hinter die Kulissen des Weltklimagipfels in Santiago de Chile blickt: Diskussionsstoff wird geliefert.

Zu Dalí nach Überlingen

Nicht fehlen dürfen Exkursionen und Vorträge über fremde Länder. Rolf Beck stellt am 5. Dezember die Amalfiküste vor, Harald Borger macht am 6. November mit einem Lichtbildvortrag Lust auf eine 2020 geplante Island-Studienreise. Peter Futter aus Hüfingen berichtet nicht nur am 16. Oktober über seine Erlebnisse auf dem Jakobsweg. Er zeigt an drei Abenden ab 22. Oktober auch noch, wie man sich auf diese Pilgerreise vorbereiten muss. Studienfahrten auf die Frankfurter Buchmesse (19. Oktober), zum Nullenergieprojekt Aquaturm in Rottweil (22. Oktober), oder zur Villa Reitzenstein in Stuttgart (14. Januar), nehmen Attraktionen in der Ferne in den Blick. Kunstfreunde sollten sich den 26. September vormerken. Mit Christine Harms-Höfler geht es nach Überlingen in die erste Dalí-Ausstellung in Süddeutschland seit fast 30 Jahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Unter die Rubrik Neuheiten fallen zwei computeraffine Veranstaltungen. In einer verblüffend einfachen, rein grafischen Menüführung lernen Kinder ab zehn Jahren an fünf Vormittagen, einem Roboter Bewegungsabläufe zu programmieren. In den Louvre führt am 10. Oktober Carina Schäfer. Allerdings nur virtuell. Die Referentin stellt die Audio-Guide-App des Pariser Museums vor: ebenso nützlich, um das Kunstwissen auszubauen wie einen Paris-Besuch vorzubereiten.

Zehner-Ticket für Entspannung und Fitness

Mit einem Zehner-Ticket möchte die VHS einen Nachteil für Schichtarbeitende beheben. Bei einer Umfrage sei man darauf hingewiesen worden, dass dieser Personenkreis aufgrund wechselnder Arbeitszeiten kaum über viele Wochen weg ein Seminar komplett besuchen kann. Das Zehnerticket ist nun für Fitness- und Entspannungkurse nutzbar. Wer es in Anspruch nimmt, darf sich seine zehn Kurstermine aus drei von sechs zur Auswahl stehenden Entspannungs- oder aus drei von acht Fitness-Kursen zusammenstellen.

Einen regelrechten Boom erleben seit Jahren Entspannungs-Anleitungen jeder Art, berichtet Sabine Spies. Das gelte für sämtliche Formen von Yoga. Einen Rückgang verzeichnen gegenwärtig EDV-Einsteiger-Angebote. „Inzwischen hat doch jeder einen Computer zuhause stehen“, sagt Awe. Und Programm-Updates sind nicht mehr wirklich anstrengend“.

Spezielle Fotokurse im Programm

Interesse finden Fotografie-Spezialkurse. „In den Sozialen Medien sind schöne Bilder zu sehen. Das möchte man auch können. Zumal mitunter daheim eine wenig genutzte Spiegelreflexkamera liegt“, sagt Spies. Angebote wie „Tolle Fotos mit dem Smartphone“ mit Praxisteil in der Löwenbrauerei (17./18. Januar) , Meditative Fotografie (25. Januar) oder Porträtfotografie (1. Februar) bedienen dieses Hobby im akuellen Programm, das ab Donnerstag, 29. August, an vielen öffentlichen Orten ausliegt und natürlich an der VHS erhältlich ist.

Höchstwerte im Rückblick

Im Rückblick auf das Frühjahrssemester 2019 sprechen die VHS-Verantwortlichen von zahlreichen exzellent besuchten Teilnehmerveranstaltungen. 3491 Teilnehmer, 296 absolvierte Veranstaltungen und 4579 Unterrichtseinheiten bieten Spitzenwerte. Die Unterrichtseinheiten erreichten den zweithöchsten, die Teilnehmerzahl den vierthöchsten und die Zahl der Kurse den dritthöchsten Stand in der Geschichte der VHS Baar. 86 Kurse, entsprechend 26,3 Prozent des Angebots waren komplett ausgebucht.

Der Geschäftsführer des Club of Rome Deutschland, lockte 151 Zuhörer an und setzte die Veranstaltungs-Bestmarke. Die persönliche Geschichte des Hüfinger Stadtrats Miguel Quilamba wollten 80 Menschen hören und 71 Besucher fanden sich beim Vortrag von Elke Schulz über entzündungshemmende Lebensmittel ein.

VHS-Finanzen in der Entwicklung

  • Einnahmenmix: Dozentenhonorare, Raummieten und die Gehälter für acht Mitarbeiter an den vier Standorten Donaueschingen, Blumberg, Hüfingen und Bräunlingen, die sich rechnerisch 3,4 Vollzeitstellen teilen, bilden die Ausgabenseite der Volkshochschule Baar ab. Auf der Einnahmenseite ragt der Eigenfinanzierungsanteil, also die Einnahmen aus den Kursgebühren mit 66,9 Prozent heraus. Der Landesanteil an den Gesamtgebühren beläuft sich auf 6,3 Prozent und beschränkt sich auf Personalkostenzuschüsse. Die Verbandsumlage, der Anteil der vier beteiligten Kommunen, beläuft sich auf 26,8 Prozent. Mit diesem Einnahmenmix kommt die VHS hin, „wenn nichts aus der Reihe passiert“, so VHS-Leiter Jens Awe. Stünden Investitionen an, entstehe ein Loch. Und die VHS müsse sich mit ihrem Bedarf einreihen, wie andere Vereine und Institutionen auch.
  • Wunschziel: Der Volkshochschulverband Baden-Württemberg strebt seit Jahren eine Drittelparität an. Davon, so Awe, sei man weit entfernt, wenn auch die Landesförderung seit 2012 von einem Anteil von 4,6 Prozent kontinuierlich angestiegen sei. Mehr Landesmittel könnten zwei Wirkungen haben: Man könnte die Dozenten besser bezahlen, Kurse günstiger anbieten oder neue Themenfelder besetzen. Im Sinne des lebenslangen Lernens wäre ein höherer Landesanteil uanabdingbar. Auch unter der Prämisse des digitalen Wandels in der Arbeitswelt und daraus erforderlichen Weiterbildungen.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €