Aus dem Besuch eines Vortrages kann Großes entstehen: Vor etwas mehr als 25 Jahren lauschte das damalige Stadtoberhaupt Bernhard Everke einem führenden Umweltexperten. Zurück in Donaueschingen wollte er das Gehörte sofort umsetzen. „Ich musste für ihn ausarbeiten, welche Einsparungsmöglichkeiten es im Bereich Energie in der Stadt Donaueschingen gibt“, blickt Umweltberater Gerhard Bronner zurück. Aus dieser Aufgabe ist nicht nur der Energiebericht entstanden, der gestern Abend zum 25. Mal dem Gemeinderat vorgelegt wurde. Es wird auch jährlich rund eine halbe Millionen Euro gespart, denn die Maßnahmen, die im Bereich Energieverbrauch umgesetzt wurden, sind nicht nur gut für die Umwelt. „Das hat nicht nur ökologische Auswirkungen, sondern auch ökonomische“, erklärt Oberbürgermeister Erik Pauly.

Mit seiner Idee, einen Umweltberater in Donaueschingen zum Einsatz zu bringen, rannte Everke offene Türen ein: „Es gab damals viele Aktionen, die aber nicht koordiniert waren“, blickt Bürgermeister Bernhard Kaiser zurück. So wurde beispielsweise ein Wertstofftag organisiert. Auch im Stadtbauamt gab es viele Mitarbeiter, die eigentlich etwas für die Umwelt tun wollten. Aber natürlich konnte dies nur ein Teilaspekt ihrer eigentlichen Arbeit sein. „Alle waren damals der Idee gegenüber sehr aufgeschlossen. Allerdings war Donaueschingen viel zu klein, um sich einen eigenen Umweltberater leisten zu können“, so Kaiser. Da traf es sich gut, dass auch in Hüfingen der damalige Bürgermeister Anton Knapp ebenfalls den gleichen Weg beschreiten wollte. Und so wurde das Thema über den Gemeindeverwaltungsverband aufgegriffen und die Städte Bräunlingen, Donaueschingen und Hüfingen leisteten sich gemeinsam einen Energieberater.

Für Christian Unkel, der im Stadtbauamt für das Gemeindemanagement verantwortlich ist, der richtige Schritt: „Die Zusammenarbeit mit dem Umweltbüro ist ein wichtiges Korrektiv“, erklärt er. Schließlich müssten im Stadtbauamt auch noch andere Anforderungen wie beispielsweise der Brandschutz berücksichtig werden, sodass Umwelt- und energetische Aspekte auch einmal leicht untergehen könnten. Da sei es dann von Vorteil, wenn aus dem Umweltbüro entsprechende Anregungen kommen würden.

In der Region nahm das Städtedreieck mit dem eigenen Umweltberater eine Vorreiterrolle ein: „Anfang der 1990er-Jahren gab es viele Kommunen, , die in diesem Bereich tätig wurden. Aber das war verstärkt in den Ballungszentren. Im ländlichen Raum war das sehr selten“, erinnert sich Bronner. Und so kommt es, dass Donaueschingen seine Hausaufgaben in den vergangenen 25 Jahren in vielen Bereichen gemacht hat. Beispielsweise bei den Gebäuden: Es gibt eigentlich kein Sorgenkind mehr, da die meisten städtischen Gebäude wie die Rathäuser in Aasen, Pfohren und Wolterdingen oder diverse Schulen bereits saniert sind. Oder der Passivhausstandard beim Erweiterungsbau der Ganztagsschule am Fürstenberg-Gymnasium oder bei der Kindertagesstätte Wunderfitz.

Die Liste ist lang. Und die Zahlen sprechen für sich: Gegenüber 1992 habe sich der Jahresverbrauch bei der Wärme um rund 2,5 Millionen Kilowattstunden reduziert. Das heißt, wäre der Verbrauch konstant geblieben, hätte die Stadt in diesem Jahr rund 200 000 Euro mehr für die Beheizung ausgeben müssen. Auch der Stromverlauf sei rückläufig und von knapp vier Millionen Kilowattstunden auf rund drei Millionen Kilowattstunden gesunken. Wäre der Stromverbrauch auf dem Anfangsniveau geblieben, müsste die Stadt heute jährlich rund 150 000 Euro mehr aufwenden. Am stärksten gesunken gegenüber den 90er-Jahren ist der Wasserverbrauch: Dieser sei von 55 000 Kubikmeter auf 30 000 Kubikmeter gesunken. Läge der Verbrauch auf dem Niveau von 1992, so müssten heute jährlich rund 130 000 Euro mehr aufgewendet werden.

Und trotz allem bleiben noch Aufgaben: Als nächstes wird an der Kindertagesstätte Wunderfitz ein neues Projekt getestet. Eine Photovoltaik-Anlage, die genau auf den Stromverbrauch der Einrichtung dimensioniert wird. Ein neuer Weg: Denn ursprünglich hat die Stadt Dachflächen für die Stromgewinnung verpachtet. Da die Einspeisung aber kaum noch Geld einbringt, soll ein neues Konzept in Angriff genommen werden. Und in anderen Bereichen kann noch optimiert werden.

Investition in die Gutterquelle rechnet sich bereits nach drei Jahren

Der Energiebericht, den Christian Unkel gestern Abend im Technischen Ausschuss präsentierte, dient nicht nur als Information für die Gemeinderäte. Er soll auch die Nutzer der städtischen Gebäude sensibilisieren, wo sie stehen und wo noch Einsparpotenzial vorhanden ist. Durch das Zahlenmaterial könnte auch gezielt bei steigendem Verbrauch eine Fehlersuche gestartet werden.

  • Auffälligkeiten: Beim Fürstenberg-Gymnasium ist 2015 sprunghaft der Stromverbrauch angestiegen. Das sei so zu erwarten gewesen und die Erklärung ist einfach: "Zum einen liegt das in der Umstellung auf die Ganztagsschule und zum anderen sind mit dem Umbau auch sehr viele technische Geräte im Einsatz", sagt Unkel. Eine weitere Auffälligkeit bei den großen städtischen Gebäuden gibt es bei den Donauhallen. Dort steigen der Strom und der Wasserverbrauch. Doch aus einem erfreulichen Grund: "Das liegt an der intensiven Nutzung der Donauhallen", sagt der Gebäudemanager.
  • Straßenbeleuchtung: Bei der Straßenbeleuchtung macht sich die Umrüstung deutlich bemerkbar. Vor allem in Pfohren, Grüningen und in der Kernstadt ist der Verbrauch rapide gesunken. "Wir werden hier weiter prüfen, wo eine Umrüstung Sinn macht", so Unkel. Mittlerweile wären jedoch für rund 1,7 Millionen Euro bereits 95 Prozent aller Leuchten ausgetauscht worden. Bei der Innenbeleuchtung hänge eine Umrüstung vor allem von der Nutzung ab. Nicht überall würde sich das rechnen.
  • Gutterquelle: Donaueschingens Trinkwasserversorgung soll als Nächstes in Angriff genommen werden. Hier sollen zwei Pumpengruppen ausgetauscht werden. Zum einen verursacht die alte Technik erhebliche Kosten und auch ziemlich Probleme. "Im vergangenen Sommer sind sie ausgefallen und wir waren nahe an der Verzweiflung", blickt Stadtbaumeister Heinz Bunse zurück. Neue Pumpen würden nicht nur die Wasserversorgung der Stadt sicherstellen, sie würden auch enorme Einsparungen mit sich bringen. Der Technische Ausschuss hat gestern Abend auch gleich die Arbeiten in Höhe von 232 000 Euro vergeben. "Die Investition rechnet sich in nur drei Jahren", erklärt Bürgermeister Bernhard Kaiser. So könnten mit der Maßnahme 150 000 Kilowattstunden Strom eingespart werden – pro Jahr wohlgemerkt.