Wann immer die Gespräche auf die Vertragsverhandlungen mit dem Fürstenhaus kamen, war die Antwort aus dem Rathaus die gleiche: "Die Verhandlungen laufen." Es gibt aber noch kein Ergebnis, man sei jedoch zuversichtlich, dass es bald eine Einigung gebe. Groß ist nun die Überraschung, dass Erbprinz Christian zu Fürstenberg den Vertrag gekündigt hat.

Überraschend war das allerdings weniger, denn schon länger gab es deutliche Anzeichen dafür. Doch immer wieder war die Hoffnung im Fürstenhaus groß, dass das nächste Treffen jetzt doch endlich das Finale sei und der Vertrag endlich unterschrieben werden könnte. Doch daraus wurde nie etwas. Verständlich, dass irgendwann die Geduld zu Ende ist. Und bedenklich, weil die Stadtverwaltung davon offenbar überhaupt nichts geahnt hat und sich scheinbar auf einem guten Weg gesehen hat. Hier wird schon lange nicht mehr die gleiche Sprache gesprochen und wohl auch nicht gehört, was der andere sagt. Einigkeit herrscht nur bei einem Thema: Das Reitturnier liegt allen am Herzen. Bemerkbar ist das allerdings nicht wirklich.

Dabei könnte es so einfach sein: 40 Jahre zurück. Damals haben Stadt und Fürstenhaus auch schon einen Vertrag geschlossen. Man war sich einig und man setzte ein Schriftstück auf. Unterschrieben wurde es allerdings damals nicht. Das Wort und der Handschlag genügte – beiden Seiten. Man vertraute sich und man war sich auch bewusst, dass man am gleichen Tisch sitzt und eigentlich das gleiche Ziel hat: eine tolle Veranstaltung für die Stadt, für die Bürger und für die Reiter.

Und das wollen doch auch heute noch alle: Befindlichkeiten hin oder her. Das Reitturnier sollte darüber stehen. Und ohne Gelände gibt es kein Reitturnier. Ohne Reitturnier kein Aushängeschild. Wer will darauf schon verzichten? Weder Stadtverwaltung noch Fürstenhaus und schon gar nicht die Bürger, die sich auf diese Veranstaltung freuen. Auch Gaststätten, Hotels und Einzelhandel profitieren von den vielen Besuchern, die nach Donaueschingen kommen.

Woran liegt es nun, dass kein Kompromiss gefunden wird? Die Stadtverwaltung scheint es nicht so recht zu wissen und das Fürstenhaus möchte nur sein Eigentum so zurück, wie es vor dem Reitturnier war. Eigentlich verständlich, denn wer beispielsweise die Donauhallen nutzt, der muss auch einen Vertrag unterschreiben und für entstandene Schäden aufkommen. Das ist für die Stadtverwaltung eine Selbstverständlichkeit und das erwartet auch jeder ander. Wieso liegt es in diesem Fall anders?

Nun heißt es für die Stadtverwaltung einmal wirklich, den Ernst der Lage zu erkennen. Denn noch ist das Kind nicht komplett in den Brunnen gefallen. Das Fürstenhaus möchte keine Brücken abreißen, sondern verhandeln – aber nicht ewig, sondern zielorientiert.

stephanie.jakober@suedkurier.de