Es vergeht kein Tag, an dem nicht in Fernseh-Talkshows, in Magazinen, in Tageszeitungen ein Beitrag über das Automobil in Zeiten der Mobilitätswende erscheint. In solchen Zeiten scheint es doch ein wenig anachronistisch und politisch inkorrekt in einem Kunstmuseum eine Ausstellung zu zeigen, die sich im Wesentlichen mit dem Auto beschäftigt, es sogar regelrecht zelebriert wie in der am Sonntag eröffneten Schau „Vollgas – Full Speed" im Donaueschinger Museum Art-Plus.

Doch politisch korrekt hin oder her, Kunst ist Kunst und alles andere ist alles andere. Davon konnten sich alleine schon während der Einführungsrede rund 500 Besucher überzeugen – viele Gäste, die zum ersten Mal als ausgewiesene Autoliebhaber nach Donaueschingen kamen. Schon in der Eröffnungsausstellung "Selection" 2009 waren einige Werke zu bewundern, die das Thema aufgegriffen haben, darunter Stefan Rohrers rote Vespa.

Zahlreiche Besucher interessieren sich für die Vernissage der Jahresausstellung "Vollgas – Full Speed" im Museum Art Plus.
Zahlreiche Besucher interessieren sich für die Vernissage der Jahresausstellung "Vollgas – Full Speed" im Museum Art Plus. | Bild: Stefan Simon

Der Stuttgarter Künstler ist auch in der aktuellen Ausstellung an prominenter Stelle vertreten: Seine blattgoldveredelte Karosserie eines Porsche 911 glänzt kongenial im prächtigen Spiegelsaal. "Keine technische Erfindung bestimmt unser Leben und das Erscheinungsbild der Welt so nachhaltig wie das Auto", so der Kurator der vielseitigen Ausstellung Sebastian Steinhäußer. Das Auto polarisiere heute mehr denn je. Es ist politischer und gesellschaftlicher Zündstoff. Der Kurator erwähnte den „Glaubenskrieg ums Auto“, die Dieselfahrverbote, Feinstaubgrenzwerte und Tempolimits, die die Schlagzeilen beherrschen. Die Diskussionen seien hochemotional und Beweis dafür, dass das Auto noch immer mehr ist, als ein bloßes Fortbewegungsmittel und notwendiges Übel.

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Wenn er es als Statussymbol und Statement, aber auch Schutzraum und Gefährte bezeichnet, kann das Publikum nur zustimmen. Denn noch immer steht das Fahrzeug symbolhaft für Freiheit, Mobilität und Abenteuer. Es ist Traumobjekt, Fetisch und eben auch Kunst. Es ist aber auch ein Blick, der bestimmt ist von einer besonderen Faszination für Geschwindigkeit.

Der ehemalige Rennfahrer Klaus Graf mit dem legendären Schnitzer BMW M1 Turbo.
Der ehemalige Rennfahrer Klaus Graf mit dem legendären Schnitzer BMW M1 Turbo. | Bild: Stefan Simon

Davon wusste auch Klaus Graf, der 25 Jahre als Rennfahrer Vollgas gegeben hat, als Gastredner ausführlich und kenntnisreich zu berichten. Er sprach über die Gerüche, Geräusche und die subjektiven Wahrnehmungen der Zuschauer wie der Fahrer bei Rennveranstaltungen. Er gab aber auch einen Einblick in die Designgeschichte. Früher galt das Motto: Schöne Autos sind schnelle. Und wie sieht die Zukunft bei aller Materialoptimierung aus? Graf: "Die Faszination geht zunehmend verloren". Im Hinblick auf autonomes Fahren zitiert er Ferry Porsche: "Das letzte Auto, das gebaut werden wird, wird ein Sportwagen sein".