Man sollte nicht meinen, dass sich in den Geschäftsräumen im Gebäude in der Karlstraße 7 mal eine Metzgerei befunden haben soll. Helle Tapeten mit floralen Ornamenten schmücken den Raum. In der Auslage befindet sich Schmuck, neben der Theke stehen zwei große prunkvolle Sessel. Wohlfühl-Ambiente.

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Pfandleihe als Erfolgsmodell?

Seit fünf Wochen befindet sich in den ehemaligen Räumen der Metzgerei Kanstinger das Geschäft „Pfandhaus und Juwelier Kanstinger„, das von der 27-jährigen Zahrah Kanstinger geleitet wird. Die Familie ist also weiter in den Räumen. Ein Pfandhaus in Donaueschingen, kann das Erfolg haben? Davon ist Kanstinger überzeugt. Was es jetzt noch ein wenig abzubauen gilt, das sei die Schwellenangst vieler Kunden, die nicht wirklich wissen, was in einem Pfandhaus eigentlich gemacht wird. Eigens dazu steht vor dem Geschäft eine kleine Bierbank mit verschiedenen Waren, die es im Pfandhaus zu kaufen gibt: „Ich nenne es das Lockbänkle. Dadurch sollen die Leute ihre Hemmungen verlieren und neugierig werden“, erklärt Kanstinger. Viele haben die Befürchtung, andere könnten annehmen, sie müssten was in Pfand geben.

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„Das ist kein Gold“

Ein junger Mann betritt den Laden. Modische Frisur, Jogginghose. Er hat eine vermeintliche Goldkette dabei, die er gerne verkaufen möchte. Kanstinger muss ihn jedoch enttäuschen. Sie wiegt die Kette in der Hand, lässt sie durch die Finger gleiten, schaut sich den Stempel an: „Das ist kein Gold.“ Die 27-Jährige ist gelernte Bürokauffrau, hat ihren Beruf jedoch in einem Pfandleihaus gelernt. Ihr dortiger Chef hat ihr auch gezeigt, was es in dieser Branche für Fertigkeiten braucht.

In den einstigen Räumen der Metzgerei Kanstinger befindet sich heute das Geschäft Pfandhaus und Juwelier Kanstinger. Wenn auch keine Metzgerei mehr, bleiben die Geschäfte in Familienhand.
In den einstigen Räumen der Metzgerei Kanstinger befindet sich heute das Geschäft Pfandhaus und Juwelier Kanstinger. Wenn auch keine Metzgerei mehr, bleiben die Geschäfte in Familienhand. | Bild: Simon, Guy

Was wird angenommen?

„Wir nehmen eigentlich sehr viel an. Über Schmuck, hochwertige technische Geräte bis hin zu Computern und Handys. Von der Baumaschine bis zum Roller“, erklärt die Geschäftsführerin. Autos seien da jedoch nicht mit dabei: „Das ist zu aufwendig. Außerdem gibt es an der Schweizer Grenzen ein spezielles Haus dafür.“ Was ist denn dran an dem Klischee, ein Pfandhaus sei nur etwas für arme Leute? „Wer nichts hat, der kann auch nichts abgeben und kommt entsprechend nicht zu uns“, erklärt Kanstinger. Ähnlich verhalte es sich auch im Entgegengesetzten Bereich: „Leute, die eine Rolex für 100 000 Euro abgeben wollen, die kommen nicht zu uns. Die machen das unter sich aus und regeln das eher mit Freunden und Bekannten.“

Die Versteigerung

Von den Schicksalen, die hinter Gegenständen stehen, die im Pfandhaus abgegeben werden, bekommt Zahrah Kanstinger auch manchmal etwas mit: „Wir fragen nicht nach, aber die Leute erzählen das oft von selbst, wollen sich dadurch rechtfertigen uns sagen, was sie machen mussten.“ Ein Pfandhaus lebe zwar von den Zinsen, dennoch sei Kanstinger daran gelegen, dass die Leute auch zurückbekommen, was sie abgegeben haben. Wie lange die Dinge im Leihhaus bleiben, bis es zur Versteigerung kommt, das ist gesetzlich vorgeschrieben: „Mindestens drei Monate und anschließend gibt es noch Kulanz. Es dauert also etwa vier bis sechs Monate, bis es soweit ist.“ In dem Fall kommt ein staatlich vereidigter Gerichtsvollzieher oder ein Notar. Er kontrolliere die Fristen und übernehme das Abwickeln der Versteigerung. Zuvor werden die Waren noch einen Tag zur Einsicht ausgelegt. Jedoch komme es bei lediglich drei Prozent der Waren auch zur Versteigerung. Dort sind dann auch die Profihändler mit dabei: „Die sitzen dann mit dem Taschenrechner dort und schauen, ob sich etwas für sie lohnt“, sagt Kanstinger.

Was besonderen Spaß macht

Was macht denn der Chefin bei ihrer Arbeit am meisten Spaß? „Das Aufbereiten alter Schmuckstücke. Ich finde es toll, wenn die nicht nur in irgendeiner Schublade vor sich hin schlummern müssen oder kaputt gehen, sondern weiter den Menschen Freude bringen und weiterleben“, erklärt sie. Hilfe hat Kanstinger im Geschäft auch manchmal von ihrer Schwester, die derzeit an der Schwennninger Feintechnikschule eine Ausbildung zur Uhrmacherin absolviert.

Donaueschinger wollen Qualität

In ihrem Laden bietet sie auch Neuware an, darunter jedoch nichts Konventionelles: „Eheringe gibt es bei uns nicht, dazu muss man zum Juwelier. Wir haben bewusst darauf geachtet, das zu trennen.“ In Donaueschingen lege die Kundschaft wert auf Qualität und sei bereit, für gute Sachen zu bezahlen. Das sei nicht überall der Fall, wie etwa in Singen, wo Kanstinger gelernt hat.