Wer in den nächsten Monaten im Gebiet nordöstlich von Pfohren eine grazile, hornlose Schafrasse entdeckt, braucht sich nicht zu wundern. Es handelt sich um Moorschnucken, eine genügsame Schafrasse, die als stark gefährdet gilt und sich hervorragend für die Beweidung von Moorlandschaften eignet. So wie sie auf Pfohrener Gemarkung im Naturschutzgebiet Birkenried-Mittelmeß zu finden sind, einem von 17 Förderprojekten innerhalb des Naturschutzgroßprojekts Baar.

Thomas Kring leitet das Naturschutzprojekt im Fördergebiet Birkenried-Mitttelmeß.  Bild: Umweltzentrum
Thomas Kring leitet das Naturschutzprojekt im Fördergebiet Birkenried-Mitttelmeß. | Bild: Umweltzentrum

In Birkenried-Mittelmeß beginnt im Laufe des Jahres die Umsetzung des Entwicklungsplans. Wenn es darum geht, Grünland extensiv zu betreiben, berichtet Projektleiter Thomas Kring von teilweise intensiven Diskussionen und Verhandlungen mit den privaten Grundstückseigentümern. Doch letztendlich stehe der Erhalt der Artenvielfalt, von Landschaft und Natur im Vordergrund, dankt er für eine zunehmende Kooperationsbereitschaft in den vergangenen Jahren.

Der nachhaltige Erhalt im Fördergebiet Birkenried-Mittelmeß erfolgt in zwei parallelen Schritten. Kring legt großen Wert darauf, die Extensivierung der Grünlandnutzung im Einverständnis mit den Flächeneigentümern und Bewirtschaftern anzugehen. Diese Vorgehensweise erfordere in der Vorbereitung einen deutlich höheren Zeitbedarf. Doch führe sie letztendlich deutlich schneller zum Erfolg. Die Extensivierung bedingt eine Reduktion der Schnitthäufigkeit, was in der Regel mit einer zeitlichen Verschiebung der ersten Mahd einhergeht. Zudem wird die Düngung so weit wie möglich reduziert.

Das Braunkehlchen gehört zu jenen bedrohten Tierarten, denen die Wiederherstellung des Riedbaar-Biotops eine bessere Lebensgrundlage bietet.
Das Braunkehlchen gehört zu jenen bedrohten Tierarten, denen die Wiederherstellung des Riedbaar-Biotops eine bessere Lebensgrundlage bietet. | Bild: Helmut Gehring

Kring betont, dass dieser Schritt freiwillig erfolgt. Es bleibe dem Landwirt überlassen, mit dem Landratsamt als Projektträger einen entsprechenden Vertrag nach der Landschaftspflegerichtlinie (LPR) abzuschließen. Der Vertrag regelt die Details und vereinbart für die nächten fünf Jahre die Art der Bewirtschaftung der betroffenen Flächen. Auch regelt er die Höhe des jährlichen finanziellen Ausgleichs gemäß LPR.

Eine weitere Maßnahme im Fördergebiet Birkenried-Mittelmeß betrifft die bereits erwähnte Beweidung einer rund fünf Hektar großen Moorfläche durch Moorschnucken. Ein Ziel ist es dabei, der Verbuschung der Fläche entgegen zu wirken. Kring verweist darauf, dass sich andere Schafrassen nicht für diese Art der Moorbeweidung eignen.

Es bedarf Fingerspitzengefühl

Moorschnucken kommen mit der seggen- und binsenreichen Vegetation gut zurecht und sind im Gegensatz zu anderen Schafrassen in der Lage, das Futter auf der in Frage kommenden Fläche aufzunehmen und zu verdauen. Auch passen sie sich den nassen Verhältnissen an, was die Gefahr einer Erkrankung deutlich mindert. Zum Einsatz kommen in Birkenried-Mittelmeß die Moorschnucken des Königsfelders Claus Ding, der seine Moorschnucken inzwischen vertrauensvoll einem Nachfolger anvertraute. „Der Umgang mit Moorschnucken erfordert ein großes Fingerspitzengefühl“, ist Kring froh, nach längerer Suche aus dem Raum Bodensee einen Nachfolger gefunden zu haben. Die Moorschnucken beweiden zudem weiterhin das Schwenninger Moos.

Der Projektleiter aus dem Umweltzentrum verweist darauf, dass sich in den Folgejahren die Ausweitung der Maßnahmen äußerst positiv auf die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt auswirken. Von der Renaturierung des Lebensraumes profitieren unter anderem der blauschillernde Feuerfalter. Auch das Braunkehlchen oder die Busch-Nelke nennt er als Beispiele. Diese Arten seien vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet.

Kring stuft die Wiederbelebung des Fördergebiets Birkenried-Mittelmeß auf einer Fläche von insgesamt 500 Hektar als ein wichtiges Verbindungsglied zwischen dem Neckar im Norden und dem Donauoberlauf ein. In Bezug auf die Moorflächen Riedbaar spricht er von einem Trittsteinbiotop, das die Moorflächen zwischen dem Hochschwarzwald, dem Aitrachtal und dem westlichen Bodenseeraum und Oberschwaben miteinander verbindet.

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