Sie hatte es nicht leicht, die Skulptur des Kopfes von Johannes dem Täufer: Ende Juni kritisierten GUB und Grüne das "martiale Kunstwerk" des Berliner Künstlers Yediler Iskender. Finanziert wurde es von einem anonymen Spender, einem amerikanischen Kunstfond, wie es heißt. Alles kurios genug, um die Diskussion über das Werk auf Kirchengrundstück noch auf den Tagsordnungspunkt der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause zu setzen. Als das Werk dann am Dienstag in der Stadt ankam, fehlte erst das richtige Werkzeug, um den verschlossenen Container zu öffnen, den steinernen Kopf zu befreien. Doch das ist nun Geschichte: Die Skulptur befindet sich ab sofort auf dem Kirchplatz vor der Kirche St. Johann. Feierlich eingeweiht wird sie nach dem Gottesdienst am kommenden Sonntag, 27. August, 10 Uhr.

Für Diskussionen hat der sieben Tonnen schwere Steinkopf von Johannes dem Täufer im Vorfeld gesorgt. Mit einem Kran wurde er aus dem ...
Für Diskussionen hat der sieben Tonnen schwere Steinkopf von Johannes dem Täufer im Vorfeld gesorgt. Mit einem Kran wurde er aus dem Container gehievt. | Bild: Birgit Müller

Ein Stück weit kann Pfarrer Erich Loks den Aufruhr verstehen, der um die Skulptur entstanden ist. "Einerseits ist das Kirchengrundstück", betont er. "Andererseits hat der Platz aber auch eine Öffentlichkeit." Doch dass in diesem Sommer nun so intensiv über das Werk diskutiert wurde, habe ihn gewundert. Bei einer Ortsbegehung im Oktober seien die Gemeinderäte bereits über das Projekt informiert worden, sagt Heinz Bunse, Leiter des Stadtbauaumts. Das bestätigt auch Stadträtin Maria Schmitt (CDU). "Wir wurden über jeden Schritt in Kenntnis gesetzt", sagt sie. Letztlich sei die Meinung der Räte zur Skulptur gespalten gewesen. Da es sich aber um eine Maßnahme auf Kirchengrundstück handelt, haben sie keine Handhabe. "Ich denke, das war alles ein Missverständnis", sagt Loks versöhnlich.

Fünf Wochen war das sieben Tonnen schwere Werk unterwegs. Hergestellt wurde es von einem Steinmetz in Thailand nach dem von Yediler Iskender geschaffenen Modell. Mit dem Schiff wurde sie nach Hamburg gebracht, dann mit dem Lkw nach Deißlingen zum Zoll, gestern traf es in Donaueschingen ein. "Der Kopf Johannes des Teufers hat mich skulpturell interessiert", sagt der Künstler. Iskender zeigt eine Reihe an Heiligenskulpturen im öffentlichen Raum: Cassius und Florentius vor dem Bonner Münster etwa, St. Gereon vor der St. Gereon-Kirche in Köln sowie St. Blasius vor der Domkirche in St. Blasien. Durch sein Werk in Bonn sei der anonyme Spender hinter dem Kunstfond auf ihn aufmerksam geworden, sagt er. Durch den Fond werden laut Iskender unterschiedliche Kunstprojekte, aber auch Künstler finanziell unterstützt. Im Fall des Johannes-Kopfes sind auch die Transportkosten in der Spende inbegriffen. Wer dahinter stecke, wisse Iskender nicht. "Das läuft alles über einen Anwalt."

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Pfarrer Erich Loks freut sich über das Geschenk, auch er habe schon in seiner Gemeinde erlebt, dass Spender unerkannt bleiben möchten. Misstrauisch mache ihn das nicht. "Ich habe Vertrauen", sagt er. "Ich bin mir sicher, dass die Skulptur ein Gewinn für die Stadt ist." In den kommenden Wochen soll noch ein Messing-Schild an die Skulptur angebracht werden. Neben Informationen zum Werk, Künstler und Material werde dort auch das Wort "Toleranz" stehen. Die Skulptur werde die Menschen beschäftigen, sie werden mit guten Gedanken den Platz verlassen, ist sich der Pfarrer sicher.

Doch warum dachte der Künstler aus Berlin bei seinem Werk ausgerechnet an Donaueschingen? "Ich habe eine Reportage über die Stadt gesehen", sagt Iskender. Die Donauquelle, die Stadtgeschichte und schließlich die Kirche St. Johann hab ihn begeistert. So sei er dann auf die Idee gekommen, die Gemeinde wegen seines Projekts anzuschreiben.

Nach dem von Yediler Iskender angefertigten Modell wurde die Skulptur angefertigt.
Nach dem von Yediler Iskender angefertigten Modell wurde die Skulptur angefertigt.

Der Künstler

Iskender Yediler ist in Eskisehir in der Türkei geboren und in Deutschland aufgewachsen. Nach seinem Diplom in Graphik Design studierte er Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München und besuchte die staatliche Kunstakademie Düsseldorf. Er zeigt eine Reihe von Märtyrer-Skulpturen im öffentlichen Raum, darunter etwa in Bonn, Köln und St. Blasius. Sein jüngstes Werk vor der Kirche St. Johann zeigt den abgschlagenen Kopf Johannes des Täufers. Es heißt, dass er auf Befehl des römischen Königs Herodes geköpft wurde. Der König habe sich so einen Tanz mit seiner Stieftochter erkaufen wollen,