Die Kommunen im Städtedreieck können sich nicht beklagen. Die Wirtschaft läuft, die Infrastruktur ist intakt, das Lebensumfeld attraktiv und die Menschen leben gerne auf der Baar, wie die fast überall ungebrochene Nachfrage nach Bauplätzen zeigt. Doch hier liegt ein Problem, mit dem sich beispielsweise Donaueschingen schon seit 30 Jahren beschäftigt und das sich als sehr harte Nuss erweist. Einerseits wollen die Kommunen nicht uferlos Grünland an den Rändern in Wohngebiete umwandeln, während vor allem in den Dörfern immer mehr alte Häuser in den Dorfkernen leer stehen. Um auf diesem Feld erfolgreicher zu sein, haben sich Bräunlingen, Donaueschingen und Hüfingen über ihren Gemeindeverwaltungsverband externe Hilfe für das Flächenmanagement geholt.

Das Land hat in der Vergangenheit schon eine Reihe von Zuschuss-Programmen wie ELR, Melap oder Melap-Plus lanciert, um die Dörfer attraktiv zu halten. Der demografische Wandel mit immer weniger jungen und immer mehr alten Menschen und der Wandel in der Landwirtschaft lassen immer mehr stattliche Wohngebäude und Ökonomieteile leer stehen. Wohnraumpotenzial, das derzeit zu wenig Beachtung findet. In den nächsten zwei Jahren unterstützt das Land mit 60 000 Euro die Beratungsarbeit von Flächenmanagern. Zusätzliche Kosten teilen sich die Städte auf: Donaueschingen zahlt 19 000, Hüfingen 6000 und Bräunlingen 5000 Euro. "Das wird ein Riesenthema in den nächsten Jahren", ist Bernhard Kaiser, GVV-Geschäftsführer und Bürgermeister, überzeugt. Dabei hat die Stadt Donaueschingen mit der Erstellung eines Baulückenkatasters schon vor rund 30 Jahren gezielt damit begonnen, Lücken in Stadt und Ortschaften zu schließen.

So sollen die Ortskerne wieder stärker belebt werden

Im Land wurden in den beiden Jahren 2013 und 2014 rund 3841 Hektar oder 38,4 km² Fläche verbaut. Umgerechnet 5,3 Hektar pro Tag gehen der Natur verloren. Der Flächenverbrauch wurde seit 2000 zwar mehr als halbiert, der Trend nach unten soll aber weiter gehen. Eine Neunutzung von Leerständen soll dazu beitragen und das Ausbluten von Ortskernen verhindern.

  • Warum stehen so viele Gebäude leer?
    Oft leben die Kinder heute woanders oder haben bereits woanders gebaut. Vielfach, so die Experten, seien sich Eigentümer und Erben nicht einig, was mit dem Gebäude passieren soll. Oft wolle man nicht verkaufen, die Bereitschaft, viel Geld für eine Sanierung, zu investieren aber auch nicht.
  • Gibt es Schwerpunktgemeinden?
    Ja. Pfohren, Hubertshofen, Döggingen und Hausen vor Wald.
  • Wie geht man vor?
    Generell soll in Informationsveranstaltungen, etwa in Ortschaftsratssitzungen, über die Problematik und die Beratungsmöglichkeiten informiert werden. Auf der Internetseite des Gemeindeverwaltungsverbands wird das Thema ausführhlich dargestellt. Hier sollen auch beispielhafte Projekte vorgestellt werden.
  • Was passiert nach diesen zwei Jahren?
    Mit den Erfahrungen aus den zwei Jahren soll das Flächenmanagement in Eigenregie fortgesetzt werden. Dann kommen auch die anderen Ortsteile zum Zug. Aber schon jetzt werden auf Wunsch alle beraten und alle Ortsvorsteher geschult.
  • Sind Leerstände nur auf den Dörfern ein Problem?
    Nein, sagt Stefan Flaig von Ökokonsult. Im Kreis Böblingen hätten Erhebungen ergeben, dass 90 Prozent der Senioren gerne auf die viele Gartenarbeit um ihre Eigenheime verzichten und lieber in eine Wohnung umziehen würden.
  • Kontaktdaten
    www.gvv-umweltbuero.de, Email: gerhard.bronner@gvv-umweltbuero.de; Telefon 0771 9291505.

Stefan Flaig von Ökokonsult in Stuttgart stützt diese These. "Zehn bis 15 Prozent der Häuser im Land werden inzwischen nicht automatisch durch Neubezug wiederbelebt. Und viele Häuser böten heute Platz für ein oder zwei Familien, aktuell lebt aber nur eine oder zwei Personen drin."

Problematisch sei aber nicht nur der große Bestand an alten Immobilien, sondern der Mangel an altersgerechten und bezahlbaren Wohnungen mit guter Nahversorgung. "Gerne würde mancher sein Haus gegen eine kleinere Wohnung tauschen. Doch oft gibt es solche Wohnungen im direkten Umfeld nicht oder sie sind durch die hohen Grundstückspreise in der Stadt für Senioren nicht mehr bezahlbar", meint Flaig.

Recht gute Erfahrungen hat Otto Kürner in Mundelfingen beim Projekt Melap-Plus gemacht. Über 15 Baulücken hat man schließen können und acht Gebäude haben eine neue Nutzung. Doch es ist in Haus- und Grundstücksfragen eben oft ein langer Atmen nötig.

Diese Ansicht vertrat jüngst der frühere Ortsvorsteher Gottfried Vetter im Gemeinderat: Vor zehn Jahren habe man in Pfohren die Altbestandsberatung initiiert. "Die Arbeit gestaltete sich sehr schwierig. Erben seien oft unentschlossen und verharren im Status quo. Einiges ist gelungen, aber ich hatte mir ursprünglich mehr erwartet." Entsprechend positiv werteten alle Fraktionen die Unterstützung des Landes für externe Expertenhilfe. Erklärtes Ziel der Berater ist, 20 Prozent der Gespräche zum Erfolg zu führen.