Heute ist die Damen-Mannschaft des Wolterdinger Fußballclubs (FCW) ein Aushängeschild für den Verein. Doch nur dank beharrlichen Drucks der daran Interessierten kam sie 1975 überhaupt zustande. Der FCW gehörte damals zu den ersten Vereinen, die eine Damenmannschaft beim Bezirk Schwarzwald des Südbadischen Fußballverbands zu den Pflichtspielen gemeldet hatte.

Junge Zuschauerinnen lästern über Herren-Niederlage

Der heute 64 Jahre alte Mitgründer und erster Trainer der Damen, Walter Köhler, erinnert sich gern an die Ursprünge. Nach einem Spiel der Herren, die wieder mal eine hohe Niederlage kassiert hätten, sei er – selbst Aktiver – auf der Tribüne gesessen, als einige junge Mädchen hinter ihm über die Herren gelästert hätten und der Meinung gewesen seien, dass sie das, was die könnten, auch fertigbringen würden.

Die Damenmannschaft des Wolterdinger Fußballclubs heute: Strahlende Gesichter als Rothaus-Bezirkspokal-Vizesiegerinnen.
Die Damenmannschaft des Wolterdinger Fußballclubs heute: Strahlende Gesichter als Rothaus-Bezirkspokal-Vizesiegerinnen. | Bild: Fußballclub Wolterdingen

Den Trainer Walter Köhler beim Wort genommen

Spontan habe er dann gesagt, wenn sie eine Mannschaft zusammen bekämen, stelle er sich als Trainer zur Verfügung. Wenige Tage später habe er dann die Mitteilung erhalten, er möge doch auf den Sportplatz kommen. Im ersten Moment habe er seinen Augen nicht getraut, denn 13 interessierte junge Frauen konnte er zählen. Mit der Gründung einer Damenmannschaft erweiterte dann der FCW im Jahr 1975 sein sportliches Angebot.

Frauen-Team als „Risiko- und Unkostenfaktor“

Doch in dieser Angelegenheit brachte der damalige Vorsitzende erhebliche Bedenken vor. „Es war ein Risiko- und Unkostenfaktor“, erzählt Willi Schmider heute. Denn der Vorsitzende und nicht der Kassierer sei eben auch für die Vereinsfinanzen verantwortlich, fügte er an. Heute sei die Damenmannschaft ja nicht mehr wegzudenken, aber damals habe man mit der positiven Entwicklung noch nicht gerechnet, stellt Schmider fest.

Anfangs keine finanzielle Unterstützung

Doch die Damen und ihr Trainer Walter Köhler ließen nicht locker, sodass Schmider die Angelegenheit schließlich absegnete und grünes Licht gab. Im Herbst 1976 nahmen sie dann erstmals an der Verbandsrunde teil. Finanzielle Unterstützung gab es anfangs also nicht. „Die ersten Trikots und Bälle mussten wir selber kaufen“, erinnert sich Köhler.

Damals nur ganz wenige Damen-Mannschaften

Mit Begeisterung ging man nun zur Sache. Es galt zunächst, den Damenfußball im Umfeld populär zu machen. Es gab damals wohl nur etwas mehr als eine Handvoll Mannschaften. Damenfußball wurde – wie mitunter auch heute noch – von den Herren meist nur als Lachnummer abgehandelt. Doch mittlerweile sind viele der Fußballerinnen technisch so versiert, dass sich manch einer von den männlichen Spielern etwas abschauen könnte.

Von 1975 bis 1995 drei Mal den Meistertitel errungen

Dass die recht junge Mannschaft anfangs viel Lehrgeld zahlen musste, war zu erwarten. Doch dadurch ließ man sich nicht entmutigen, und die sportlichen Erfolge stellten sich bald ein. Von 1975 bis 1995 war Walter Köhler als Trainer tätig. In dieser Zeit haben sie drei Mal den Meister gestellt.

16 Frauen und ein Mann auf Mallorca-Reise

Doch aufsteigen wollten die Damen zu der Zeit nicht. Der Grund: „Dann hätten wir die Spiele nicht samstags, sondern am Sonntag absolvieren müssen“, erzählt Köhler. Mittlerweile nahm das Fußball-Interesse des ersten Damen-Teams aus privaten Gründen ab. „Den Abschluss besiegelten 16 Damen und ich mit einem Mallorca-Trip“, erzählt Walter Köhler lachend. Es sei eine schöne Zeit gewesen, die er nicht missen möchte.

Ran an den Ball: Die Wolterdinger Fußballspielerinnen scheuen sich nicht vor Körpereinsatz.
Ran an den Ball: Die Wolterdinger Fußballspielerinnen scheuen sich nicht vor Körpereinsatz. | Bild: Anita Reichart

Heute spielt die Damen-Mannschaft in der Bezirksliga. Die Spielerinnen sind aktuell Rothaus-Bezirkspokal-Vizesiegerinnen und konnten wieder mal eine zweite Mannschaft melden.

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