• Niedrigzinsen: "Wir sind eigentlich ganz zufrieden", sagt Ernst Zimmermann, Vorsitzender der Bürgerstiftung Donaueschingen. Natürlich beschäftigt die Stiftung die gegenwärtige Niedrigzinsphase. Kapitalanlagen werfen kaum Ertrag ab. Das hat Folgen für die festgeschriebene Langfriststrategie der Stiftung. Dabei gilt es, den Realwert des Stiftungsvermögens zu erhalten. "Wir müssen mindestens den Inflationsausgleich erwirtschaften", sagt Zimmermann. 2017 lag die Inflation bei 1,8 Prozent. Der Abstand zwischen den erwirtschafteten Anlageerträgen und dieser Pflichtrückstellung werde dabei immer enger. Dies wiederum schmälert die Möglichkeiten Projekte zu unterstützen. Die Bürgerstiftung darf beim Erwirtschaften ihrer Erträge kein finanzielles Risiko eingehen. Bei den Anlagen arbeitet sie mit Sparkasse, Volksbank und einem privaten Anbieter zusammen. Die Anlagerichtlinien sind mit Stiftungsrat und Stiftungsaufsicht abgesprochen. Sorgfalt auch beim Ausgeben: "Zuschüsse gibt es erst nach Vorlage der Abrechnung."
  • Spenden: Im Gegensatz zu Zustiftungen (die 2017 in Höhe von 21363 Euro anfielen) fließen Spenden (2017: 5290 Euro) direkt in den Topf der Ausschüttungen. Zimmermann freut sich über treue Privatspender und Firmen, welche die Bürgerstiftung aus besonderen Anlässen bedenken. Dazu kommen Veranstaltungsreihen wie das Reitturnier und das Poloturnier, die jedes Jahr mehr als 1000 Euro einbringen. "Das" Schwergewicht sei die Altgoldaktion der Zahnärzte Bertold Wagner und Armin Schelling. Patienten können ihre alte Goldfüllung mit nach Hause nehmen oder in die Spendenkässle legen. In elf Jahren kamen auf diese Weise 80 000 Euro zusammen.
  • Bilanz: Das Stiftungsvermögen umfasste Ende 2017 Aktiva in Höhe von 1 153 654 Euro in Form von Anlagevermögen, Grundstücke/Gebäude und Finanzanlagen. Der Vermögenszuwachs gegenüber dem Vorjahr betrug 17 343 Euro. Am Gründungstag 1. Dezember 2006 legten 101 Gründungsstifter mit rund 150 000 Euro den Grundstock. Das Vermächtnis der Donaueschinger Lehrerin Elisabeth Stierle vervielfachte 2010 das Stiftungsvermögen.
  • Stellenwert: Die Bürgerstiftung ist auf die Zukunft ausgerichtet, das Vermögen ist im Wesentlichen unantastbar. Mitunter sei das in der Bevölkerung schwer zu vermitteln. "Ihr habt ja mehr als eine Million", höre Zimmermann dann. Wichtiger als die jährlichen Erträge sei es aber, dass es die Bürgrestiftung gibt, bezieht sich Zimmermann auf eine Aussage des früheren Oberbürgermeisters Thorsten Frei. In der Tat hoffen die Verantwortlichen auf einen steten Kapitalzufluss. Für Menschen ohne Nachkommen etwa biete eine Zustiftung die Möglichkeit, Vermögen zu erhalten und über Jahre weg für die Stadt etwas Gutes zu tun. Das Andenken an den Stifter kann inbegriffen sein: wenn sich das anbietet, wie etwa beim Elisabeth-Stierle-Preis für herausragende schulische Leistungen. Dabei schärfe die Arbeit für die Bürgerstiftung auch den Verantwortlichen den Blick: "Das zeigt, wie vielfältig, das ehrenamtliche Engagement hier in der Stadt ist", stellt Zimmermann fest.
  • Förderprojekte: Insgesamt hat die Bürgerstiftung seit Bestehen rund 200 000 Euro für Projekte ausgeschüttet. 2017 erhielt der Musikverein Aufen 900 Euro für die Anschaffung kind- und jugendgerechter Instrumente. Der Kindergarten St. Ruchtraud Allmendshofen freute sich über 265,29 Euro über die Unterstützung bei der Erziehung in Richtung gesunder Ernährung. 2200 Euro machten die Preisgelder im Rahmen des Elisabeth-Stierle-Preises aus. Die Internationale Jugendbewegung Up with People wurde mit 3000 Euro bedacht. 2500 Euro gibt die Bürgerstiftung jährlich zum Unterhalt des Mehrgenerationenhauses. Der Extraposten zum Zehnjährigen der Bürgerstiftung war ein Geschenk an die Stadt. Das großes Spielgerät für den Generationenpark an der Brigach wurde mit 20 825 Euro gefördert. In der Regel gibt die Stiftung pro Jahr 15 000 bis 20 000 Euro aus. Zu den 2018 bedachten Initiativen gehören der Dorfbrunnen in Hubertshofen, der Kunstrasen des SSC, das Fahrzeug der DLRG Baar, das Gewaltpräventionsprojekt Faustlos an der Erich-Kästner-Schule. "Weitere Förderungen für 2018 sind in Vorbereitung", ergänzte Zimmermann.
  • Tops und Flops: Mit vielen Aktionen ging die Bürgerstiftung in in den vergangenen Jahren an die Öffentlichkeit. Neu waren zuletzt 2017 und 2018 Radtouren in den Unterhölzer Wald und ins Schwenninger Moos. Die Erwartungen nicht erfüllt hat "Ein Euro monatlich für die Bürgerstiftung". Man sei mit dieser Briefkastenaktion zwar in alle Haushalte gekommen, doch letztlich habe der Aufwand den Ertrag überstiegen, so Zimmermann. Ein tolles Eigenleben hat der 2014 initiierte Eschinger Mundarttreff entwickelt. Auch nach dem Buchprojekt "Eschinger G'schechtli" – für das keine Neuauflage vorgesehen ist – blieb die Gemeinschaft zusammen und hat die Aktivitäten in Richtung regionalhistorischer Exkursionen ausgeweitet.
  • Grenzen: Eine Aufstellung aus dem Jahr 2012 verortete rund vier Fünftel der Ausschüttungen im Bereich Bildung und Erziehung. Acht Prozent fielen auf Mildtätigkeit und je sechs Prozent kamen im Bereich Sport sowie Kunst/Kultur und zwei Prozent in der Denkmalspflege in Wirkung. Das sei auch heute noch in etwa so, meint Zimmermann. Projekte müssen in Donaueschingen angesiedelt sein, Bürger in die Verwirklichung einbeziehen und das Gemeinwesen unterstützen, heißen die Kernkriterien. Da müssen von Donaueschingern auswärts aufgelegte Vorhaben oder Projekte ohne gesellschaftliche Relevanz nicht selten abgelehnt werden, sagt der Vorsitzende. Über Anträge, deren Formulare über die Homepage erhältlich sind, stimmt der Vorstand bei den monatlichen Sitzungen ab.
  • Gremien: Den Vorstand der Bürgerstiftung bilden Ernst Zimmermann, der den Vorsitz 2012 von der Gründungsvorsitzenden Alexandra Laufer-Müller übernommen hat, Cornelia Jumpertz-Schwab und Bertold Wagner. Wolfgang Riedmaier fungiert als ehrenamtlicher Geschäftsführer. Dem Stiftungsrat gehören Jürgen Tröndle als Vorsitzender, Susanne Arui, Hubert Bromberger, Karlheinz Heiss, Alexander Hengst, Alexandra Laufer-Müller, Niko Reith und Thomas Sjösten an. Die Stifterversammlung tagt einmal im Jahr. Sie nimmt den Rechenschaftsbericht entgegen und lässt sich über Förderprojekte und Aktivitäten der Stiftung informieren. Gewählt werden bei Bedarf die neue Mitglieder des Stifterrats. Der Stifterrat wiederum wählt die Mitglieder des Vorstands.