Der durchgehende weiße Balken auf der Straße scheidet die Geister: Dient er zum Schutz oder befördert er ein falsches Sicherheitsgefühl? Vor vier Jahren wurde die Bräunlinger Straße saniert. Seither sind keine Mittelleitlinien mehr aufgetragen – auch wenn alte Bilder zeigen, dass es diese Fahrbahnabgrenzung früher gab.

Leitlinien, so informierte Stadtsprecherin Beatrix Grüninger, seien Richtzeichen. Diese müssen angeordnet und in ihrer Notwendigkeit aufgrund besonderer Umstände begründet werden. Angesichts der erlaubten Geschwindigkeit und des Rechtsfahrgebots sei eine Mittellinie innerstädtisch in der Regel entbehrlich. Ausnahmen bildeten besonders unübersichtliche Stellen oder Unfallschwerpunkte.

Gegen die Mittelleitlinie sprechen Erfahrungswerte. Man habe festgestellt, dass Mittelleitlinien zu höheren Geschwindigkeiten verleiten. Die Linie suggeriere dem Fahrer, die Fahrbahn wäre für ihn ausreichend frei. "Das wiegt ihn unter Umständen in trügerischer Sicherheit", so Grüninger. Das führe oft dazu, dass die Sorgfaltspflicht außer Acht gelassen werde. Umgekehrt, so andere Einschätzungen, gibt der dicke weiße Strich vorsichtigeren Verkehrsteilnehmern einen trügerischen Eindruck von Sicherheit.

Für Mittelleitlinien gibt es Bestandsschutz: Wurde im Rahmen einer Verkehrsschau eine entsprechende Anordnung getroffen, gilt diese auch nach einer Fahrbahnrenovierung. "Eine erneute Anordnung ist nicht notwendig, der Straßenbaulastträger kann diese ohne erneute Zustimmung wieder aufbringen", sagte Beatrix Grüninger.

Die Verkehrssicherheit auf der Schellenbergbrücke ist bei der Stadt – trotz des Blitzers – durchaus ein Aspekt, der Fragen aufwirft. Diskutiert wird tatsächlich eine Fahrbahnmarkierung auf der Brücke. Zum Ja oder Nein für die Mittelleitlinie werde eine Verkehrsschau stattfinden, sagte die Stadtsprecherin. Ein Datum für den Vor-Ort-Termin, den Polizei, Verkehrsbehörde und Straßenbaulastträger, also Landkreis, bestreiten, stehe noch aus.