Einem Schüler wird es im Turnunterricht plötzlich schwindlig, ein anderer stürzt auf der Treppe, eine Schülerin schneidet sich im Kunstunterricht in den Finger: Das sind Einsätze für die Schulsanitäter des Fürstenberg-Gymnasiums. Alle paar Wochen trifft sich eine in diesem Jahr zehnköpfige Gruppe von Schülern nachmittags in einem Klassenzimmer im Obergeschoss für eine gemeinsame Schulung im Doppelstundenformat.

Manfred Haller | Bild: Wursthorn, Jens

Die Leitung hat Manfred Haller, der eigentlich Mathematik und Physik unterrichtet, aber mit seinen persönlichen Bezügen zum Roten Kreuz – in seinem Heimatort Aldingen nimmt er regelmäßig an den Übungsabenden teil – seit nunmehr 15 Jahren immer wieder diese Arbeitsgemeinschaft auf die Beine stellt.

Übung mit Motorradhelm

In diesem Schuljahr, so freut sich der Pädagoge, liege eine besonders heterogene Struktur vor. Von der Sieben bis zur Zwölf engagierten sich Schüler aller Klassenstufen. Die Jüngeren wachsen in die Fertigkeiten hinein, die Älteren bringen sich mit Ausbildungselementen ein. So wie Jessica Schwald. Die Zehntklässlerin gehört schon zum Führungsteam. Für den heutigen Unterricht hat sie sich ein realitätsnahes Thema ausgesucht. Viele Schüler fahren schon mit dem Moped zur Schule. Da sei es doch sinnvoll, mal zu üben, wie man einem Biker bei einem Unfall vorsichtig und zu zweit den Helm abnimmt.

Noah Heinrich mimt auf der Liege im Raum der Schulsanitäter den Kranken. Lena Burdorf (von links), Finja Warden und Victoria Kaiser zeigen sich mit Rettungsweste. | Bild: Wursthorn, Jens

Gemeinsam mit Aaron Schwarzwälder zeigt sie am „Opfer“ David Moch, wie der Helm zu zweit und in wechselnden Schritten entfernt wird. Der 17-jährige Aaron macht dieses Jahr Abitur. Auch er lässt sich bei den Übungen – zu denen Reanimationen, die Arbeit mit dem Defibrillator oder die Behandlung von Schnittverletzungen standardmäßig gehören – neue Ideen einfallen.

Jessica Schwand hat sich eine Übung für das heutige Treffen der Schulsanitäter-AG überlegt. Gemeinsam mit Aaron Schwarzwälder zeigt sie, wie man dem „Opfer“ David Moch einen Motorradhelm abnimmt. | Bild: Wursthorn, Jens

Manchmal kommt durchs Schminken eine beschleunigte Dramatik ins Szenario. Wie zum Schuljahrsanfang. Lena Burdorf und Finja Wanken, beide zwölf, in der Siebten und frisch dabei, waren gelinde gesagt, etwas geschockt, als Jan Friese, auch Abiturient, Aaron einen offenen Bruch ans Bein dekoriert hatte.

Ersthelfer werden auch in Firmen gesucht

Manchmal, so weiß Haller, stehe ein später geplanter medizinischer Berufsweg hinter der Schüler-AG. In diesem Jahr ist das nicht der Fall. Aaron findet es einfach klasse, sich diese Grundbegriffe anzueignen und sie weitergeben zu können. „Man lernt es besonders gut, wenn man das Thema für die anderen vorbereitet“ meint er. Zum Beruf machen möchte er sein Wissen nicht. „Aber in den Firmen werden ja immer Ersthelfer gebraucht.“

Elyesea Yazivi (links) und Brian Brugger zeigen die Verbandsmaterialien, die der AG zum Üben zur Verfügung stehen. | Bild: Wursthorn, Jens

Ersthelfer sind auch die FG-Schulsanitäter. Doch wie werden sie alarmiert? „Es gibt einen wöchentlichen Dienstplan, in dem festgelegt ist, bei wem die beiden Handys liegen“. Die hat die Schulleitung auch. An diesem Tag hatte Jessica Schwald einen Einsatz. In der Pause war ein Schüler auf den Rücken gefallen und klagte über Schwindel und Atemnot. „Ich habe ihm die Füße hochgelegt und den Kopf überstreckt und danach den Notarzt gerufen“, erzählt die 16-Jährige. Mit der Erfahrung wächst das Zutrauen. Und was war mal eine richtig schlimmer Unfall? „In der Turnhalle hat sich mal ein Schüler das Bein gebrochen“, erinnert sich Aaron an ein Erlebnis seiner Anfangszeit. Da hätte er sich nicht getraut, zu helfen. Heute aber schon.