Noch vor rund einem Jahrzehnt hatte das Jahr 2020 im Donaueschinger Sportkalender einen dicken Anstrich. Der auf der Baar erfolgreichste Fußballverein, der FV Donaueschingen, marschierte zielstrebig und mit voller Kraft auf seinen 100. Geburtstag zu. Den wird es aber nicht geben, denn seit 2018 gibt es den FVD nicht mehr. Ein stetiger Abstieg und Misswirtschaft haben das Ende eingeläutet. Geblieben sind fantastische Erinnerungen an Spiele gegen Bayern München, Borussia Dortmund, Werder Bremen oder den SC Freiburg. Auf der Landkarte des südbadischen Fußballverbands ist der FVD jedoch nicht mehr zu finden.

Eine Saison in der Oberliga

1920 wurde der FC Donaueschingen gegründet. Schnell etablierte sich der damals junge Verein. Nach 1945 ging es zunächst als Spvgg Donaueschingen weiter, später als SV Donaueschingen. Durch die Fusion des SV Donaueschingen mit den Sportfreunden Rot-Weiß entstand 1972 der FV Donaueschingen. Seinen sportlich größten Erfolg feierten die Fußballer 1994, als sie für eine Saison in der Oberliga Baden-Württemberg spielten. 1996 wurde die Elf unter Trainer Dieter Rinke südbadischer Pokalsieger und empfing anschließend vor über 5000 Zuschauern im deutschen Pokalwettbewerb den 1. FC Köln. Der FVD war nicht nur wegen der Spielszenen in der Sportschau auf der gesamtdeutschen Landkarte angekommen.

Der letzte große Erfolg des FV Donaueschingen: In der Saison 2009/10 gelingt die Meisterschaft in der Fußball-Landesliga.
Der letzte große Erfolg des FV Donaueschingen: In der Saison 2009/10 gelingt die Meisterschaft in der Fußball-Landesliga. | Bild: Dietmar Zschäbitz

Die Perspektiven waren auch danach glänzend. Über Jahre hielt sich der Verein in der Verbandsliga, der höchsten Klasse in Südbaden. Als schließlich das Donaueschinger Hotel „Öschberghof“ als Trainingsstätte für Bundesligisten immer populärer wurde, gelang es, zahlreiche Erstligisten für Freundschaftsspiele im Anton-Mall-Stadion zu gewinnen. Spieler wie Oliver Kahn, Mats Hummels, Luca Toni, Franck Ribery oder Trainer wie Ottmar Hitzfeld, Felix Magath, Jürgen Klopp oder Thomas Schaaf standen alle auf dem Rasen im Mall-Stadion. Zuschauerzahlen über 3000 und gute Einnahmen sorgten für einen guten Kassenstand.

Abschied einer Donaueschinger Fußball-Legende: Günter Limberger (vorne, rotes Trikot) bei seinem Abschiedsspiel gegen den Bundesligisten SC Freiburg.
Abschied einer Donaueschinger Fußball-Legende: Günter Limberger (vorne, rotes Trikot) bei seinem Abschiedsspiel gegen den Bundesligisten SC Freiburg. | Bild: Dietmar Zschäbitz

Die Misere begann nach zahlreichen Wechseln in den Vorstandsämtern. Zudem lebte der Verein offenbar deutlich über seine Verhältnisse. Selbst das Vereinsheim wurde zwischenzeitlich verkauft. Ende Juli 2012 wurde die Mannschaft aus der Verbandsliga, ohne ein Pflichtspiel bestritten zu haben, zurückgezogen. Der Neuanfang in der Landesliga schlug fehl und in der Saison 2015/16 wurde die Mannschaft sogar aus der Bezirksliga zurückgezogen. Alle Versuche, auch mit neuen Personen an der Vereinsspitze, machten zwar Hoffnung, brachten aber keine Wiederbelebung. Aus einem Neuanfang in der untersten Kreisliga B wurde nicht einmal ansatzweise etwas.

Die Jungs von der Donau sind wieder da!!! Was vor zehn Jahren noch euphorisch klang, ist inzwischen Vergangenheit. Den FV Donaueschingen gibt es nicht mehr und damit auch keinen 100. Geburtstag im Jahr 2020.
Die Jungs von der Donau sind wieder da!!! Was vor zehn Jahren noch euphorisch klang, ist inzwischen Vergangenheit. Den FV Donaueschingen gibt es nicht mehr und damit auch keinen 100. Geburtstag im Jahr 2020. | Bild: Dietmar Zschäbitz

Zurück blieb viel Frust und Wut, in erster Linie bei den Fans, die jahrzehntelang zum FVD gehalten hatten. Die Spieler fanden alle schnell neue Herausforderungen. Die zunächst noch erhoffte Weiterführung des Nachwuchsbereichs ließ sich ebenfalls nicht realisieren. Hinzu kam, dass die gewählten Personen an der Spitze des Vereins mehrheitlich alle nicht mehr aufzufinden waren. Aus dem einst kleinen Vermögen war längst ein Schuldenberg geworden, wobei auch die Stadt Donaueschingen betroffen war. Über einen Insolvenzantrag wollte die Stadt an die offenen Forderungen von damals rund 12 000 Euro herankommen. Vergeblich. Bis heute ist es nicht gelungen, die Ansprechpartner zu finden und somit wird es wohl auch keine Chancen geben, dieses Defizit jemals auszugleichen.

Spiele gegen Bundesligisten lockten in Donaueschingen nicht selten zwischen 4000 und 5000 Besucher an.
Spiele gegen Bundesligisten lockten in Donaueschingen nicht selten zwischen 4000 und 5000 Besucher an. | Bild: Dietmar Zschäbitz

Den 100. Geburtstag in diesem Jahr wird es nicht geben. Kein rauschendes Fest wie bei den vergangenen Jubiläen. Längst hat die DJK Donaueschingen die Vormachtstellung in der Stadt übernommen und spielt heute ebenfalls Verbandsliga. Eine Wiederbelebung des FVD scheint aktuell undenkbar, zumal die Tendenz eher zu Spielgemeinschaften zwischen mehreren Vereinen geht. Zurück bleiben in der Erinnerung tolle Fußballfeste und großartige Spieler, von denen einige direkt in die Bundesliga wechselten oder, wie der langjährige Spielführer Günter Limberger, dem Verein immer die Treue hielten. Der FV Donaueschingen ist Geschichte. Eine Geschichte, die sich deutlich angenehmer als die Gegenwart darstellt.