Die Beine vor, den Oberkörper zurück und es geht hoch hinaus. Der Wind bläst um die Nase und schon geht es wieder zurück. Schaukeln macht nicht nur kleinen Kindern Spaß, denn wenn wir ehrlich sind, ist das Erreichen des Erwachsenenalters durchaus kein Grund, dass das Vor- und Zurückschwingen keinen Spaß mehr macht. Doch wer in der Donaueschinger Innenstadt nach einer Schaukel sucht, der wird nicht so leicht fündig. Seit der Spielplatz am Irmapark zum Generationenpark umgebaut wurde, ist dort viel zu finden – bloß keine Schaukel. Das einzige Spielgerät dieser Art steht auf dem Spielplatz hinter der AOK.

"Das geht gar nicht"

Für Alexandra Riedmaier, GUB-Stadträtin, Mutter und Physiotherapeutin für Kinder, geht das gar nicht. Denn Schaukeln bereite dem Nachwuchs nicht nur Spaß, sondern es sei auch wichtig. Denn wer einmal einem Kind bei den ersten Schaukelversuchen beobachtet hat oder ihm gar versucht hat, es zu erklären, der merkt schnell, dass der Bewegungsablauf alles andere als einfach ist.

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Früher mehr Schaukeln in der Stadt

Vor einigen Jahren gab es durchaus noch mehr Schaukeln in der Innenstadt. Hinter der AOK standen zwei, die auch zum Wettereifern im Hochschaukeln und Weitspringen einluden, mit dem Umbau des Spielplatzes verschwand allerdings eine Schaukel. Ähnlich lief es beim Irmapark. Dort gab es vor der Sanierung eine normale Schaukel und auch eine Babyschaukel. Doch als der erste Bauabschnitt abgeschlossen war, stand dort zwar ein schönes Klettergerüst, das die Bürgerstiftung spendiert hatte, und Trampoline gab es auch, aber eben keine Schaukeln. "Ich dachte damals, dass ja noch nicht alles fertig wird", blickt Riedmaier zurück. Kritiker besänftigte sie mit den Worten. "Es ist ja noch gar nicht alles fertig. Der Generationenpark wird etwas richtig Tolles."

Bedarf ist eindeutig vorhanden

Doch bei der Einweihung gab es dann immer noch keine Schaukeln. Vielleicht sind diese auch gar nicht mehr nötig, wo es doch so viel anderes gibt. "Ich bin von sehr vielen Müttern angesprochen worden, die eben die Schaukeln vermissen. Es ist eindeutig ein Bedarf vorhanden." Und eben diesen Bedarf nahm die GUB-Stadträtin mit in die Gemeinderatssitzung. Jetzt, wo man wüsste, was Eltern und Kinder vermissen, müsste man doch die ursprünglichen Planungen nachjustieren können. Vor einigen Jahren hatte sie damit gute Erfahrungen gemacht, als sie nach dem Umbau des AOK-Spielplatzes darauf hingewiesen hatte, dass Balanciermöglichkeiten fehlen. Schnell wurde mit einem Baumstamm und Steinen Abhilfe geschaffen.

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Es wird sich nichts ändern

Nun läuft es anders: Auch wenn sie das Thema mehr als einmal angesprochen hat, war das Resultat doch immer das Gleiche: Es wird sich nichts ändern. Die letzte Aussage des OBs Erik Pauly zum Schaukeldefizit in der Innenstadt: Die Gemeinderäte hätten den Planungen für den Irmapark ja schließlich zugestimmt und damals auch keine Schaukeln gefordert.

Wie denn auch? Diese Frage muss sich Alexandra Riedmaier stellen, wenn sie in die Planungen für den Mehrgenerationenpark blickt. Denn dort stünde eben bei den Spielgeräten nicht, um was es sich handelt, sondern nur das wenig aussagekräftige Wort "Spielgerät". So ein bisschen Vertrauen war da schon dabei, dass auch die Grundausstattung, wozu RiedmaierSchaukeln und Rutschen zählt, dabei sein würden. So ganz kann die GUB-Stadträtin nicht nachvollziehen, dass ihr Antrag einfach abgebügelt wurde. Eine Schaukel koste ja auch nicht die Welt, verglichen mit anderen Investitionen. So hat der Umbau des Spielplatzes zum Mehrgenerationenpark rund 720 000 Euro gekostet. Bei einer Schaukel wäre mit ungefähr 3000 Euro zu rechnen.

Kommt doch noch eine Schaukel?

Doch klein beigeben möchte Riedmaier nicht. Also hat sie noch einen Antrag gestellt. Dieses Mal nicht in der Gemeinderatssitzung, sondern in der Jahreshauptversammlung der GUB. Nun prüft der Vorstand, ob nicht die Gemeinschaft unabhängiger Bürger eine Schaukel für den Irmapark spendieren könnte. Die Entscheidung steht noch aus.

Warum Schaukeln durchaus wichtig ist

Als Physiotherapeutin hat sich Alexandra Riedmaier auf Kinder spezialisiert, die sie in ihrer Praxis in Hubertshofen behandelt.

„Aus theratpeutischer Sicht ist schaukeln sehr wichtig“, sagt die GUB-Stadträtin. Denn die Bewegungen, die man mit dem Körper machen müsste, wären ausgesprochen anspruchsvoll. „Dafür braucht es sehr viele geistige Fähigkeiten“, erklärt Alexandra Riedmaier. Denn der Kopf müsse den Körper entsprechend steuern und die richtigen Bewegungen zum richtigen Zeitpunkt abrufen, die richtigen Muskeln anspannen und den ganzen Ablauf korrdinieren. Außerdem werde durch das Schaukeln auch der Gleichgewichtssinn geschult.

Bereits seit 20 Jahren arbeitet Riedmaier nur mit Kindern und hat durchaus auch eine Veränderung ausgemacht. Viele hätten gewisse motorische Probleme und könnten beispielsweise nicht mehr rückwärts laufen. Auch eine schlechte Haltung oder mangelnde Körperspannung gebe es bereits bei den Kindern. Vereine, in denen Kindern zu ihrer Bewegung kommen, könnten dies gar nicht mehr alles auffangen.

Aus diesem Grund sei es durchaus wichtig, dass Grundelemente, die schon seit Ewigkeiten auf Spielplätzen zu finden sind, nicht nach und nach verschwinden. Das Schaukeln sei schon seit Urzeiten ein wichtiger Bewegungsablauf, den schon Babys im Mutterleib erfahren. Durch die Schwerkraft würden die Kinder diese Fähigkeit wieder verlieren, um so wichtiger, dass Kinder die Möglichkeit haben, dieses Bewegungsablauf zu lernen und zu üben. Und Schaukeln könnte man nun eben nur auf einer Schaukel lernen.