Donaueschingen – Mit einem Gewaltritt kamen die Schwenninger über die Schabelhöfe nach Donaueschingen. So wollte es die Tradition: Jedes Jahr zu Vatertag zog der Tross erst zum Jägerhaus: "Dort gab es dann einen Bügeltrank und anschließend ging es zum Schützen, wo die Pferde in den Gaststallungen untergestellt wurden", erinnert sich Friedebert Gleichauf. Was dann folgte, kann man sich vorstellen. Zurückreiten konnten die Männer meistens nicht mehr.

Doch was hat das nun mit dem Reitturnier zu tun: Genau nach einem solchen Ritt trafen sich die Männer im Jahre 1954 im Schützen: Darunter beispielsweise Franz Mechlem, Pächter der Schwenninger Reitanlage und Otmar Jäckle, Fabrikant aus Schwenningen sowie Schützenwirt Ernst Wilhelm Buri aber auch "Joki" – Joachim zu Fürstenberg war damals noch Erbprinz. Zu fortgeschrittener Stunde fiel der Satz "Mir konnet ja mal a Reitturnier machen." Gesagt – getan.

"Vier Monate später stand das Datum fest", blickt Gleichauf zurück. Als Turniergelände wurde eine Wiese vor dem fürstlichen Schafstall gewählt. 104 Pferde und ungefähr 3000 Besucher lockte die Veranstaltung damals laut dem Schwenninger Reit- und Fahrverein an, der bis 1977 der alleinverantwortliche Veranstalter und Risikoträger war. Dressur-Springreiter und Fahrer wetteiferten um die Siegerschleifen. Und dennoch war es anders als heute: "Es war mehr oder weniger ein Wald- und Wiesenturnier. Es kamen Leute, die schon immer irgendwie mit Pferden zu tun gehabt haben – Hobbyfahrer und Landwirte", so Gleichauf. Die Professionalität der heutigen Reiter und Fahrer gab es aber damals bei Weitem noch nicht. Und der Ausklang fand – wo denn auch sonst? – im Schützen statt.

"Das ist mit dem Turnier von heute nicht mehr zu vergleichen." Wo heute ein umfangreiches Begleitprogramm geboten wird und Kulinarisches für jeden Geschmack, war der erste Gastronom auf dem Reitturnier mit einem Bauchladen unterwegs. "Er hatte einen Esbit und damit Wienerle warm gemacht. Im Rucksack hatte er ein Leinensäckchen mit Brot und in der linken Jackentasche den Senf. Die rechte Jackentasche war fürs Geld reserviert", sagt Friedbert Gleichauf.

An das dritte Jahr der Reitturnier-Geschichte hat Gleichauf eine besondere Erinnerung: Es war die Siegerehrung. Prinz Max mit dem Megafon, die Aufstellung der Fahrer vor der Tribüne, die damals nur eine kleine Erhöhungen war. "Und dann sagt Prinz Max plötzlich die Nummer 179 als Gewinner durch." Die Freude bei Friedebert Gleichauf war groß, denn das war seine Wagennummer. Für den Sieger gab es einen Blumenstrauß und eine Kordeluhr von Emis, die Gleichauf heute noch hat. Damit hatte er auch Max zu Fürstenberg nicht enttäuscht, denn vor dem Turnier hatte dieser noch zu Gleichauf gesagt: "Gnade Gott ihm, wenn er uns blamiert." Der Grund: Gleichauf führt mit einem Geschirr, das die Embleme des Fürstenhauses zeigte.

Dem Reitturnier ist Friedbert Gleichauf immer treu geblieben. Im vergangenen Jahr war er beim Umzug am Donnerstag als Kaiser Willhelm II. unterwegs. In diesem Jahr wird er etwas aus seiner eigenen Familiengeschichte besteuern.

Damals und heute

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