Donaueschingen – Es ist eine harte Nuss, die das Amt für Vermögen und Bau aus Konstanz derzeit in Donaueschingen zu knacken hat. Denn der Sitzungssaal des Finanzamtes hat bei seiner Sanierung einige böse Überraschungen für das Amt bereit gehalten. Knapp eine halbe Million Euro müssen nun in die Hand genommen werden, damit der holzvertäfelte Saal, in dem lange Jahre auch die Gemeinderatssitzungen stattgefunden haben, wieder in Schuss gebracht werden kann.

Die entdeckten Schadstoffe wie Asbest, Mineralfasern und ein giftiger Parkettkleber haben das ganze Ausmaß der Probleme im Donaueschinger Sitzungssaal zum Vorschein gebracht. Denn nachdem der komplette Saal vollständig entkernt wurde, sind auch Statikprobleme aufgetaucht, mit denen weder Ela Dünkelsbühler, Architektin beim Amt für Vermögen und Bau in Konstanz, noch ihr Chef Thomas Steier und auch nicht der ausführende Architekt Harald Maier vom Büro Maier und Broghammer rechnen konnten.

Neben dem Zahn der Zeit, der an manchen Stellen am Bau aus den 60-er Jahren nagt, wurde auch eine echte Bauschlamperei aufgedeckt. Bei der Entfernung des Estrichs, der nach dem Schadstoffgutachten ebenfalls komplett raus geholt werden musste, ist den Architekten ein Fall unter die Augen gekommen, den sie so noch nicht gesehen haben. Beim Bau des Sitzungssaals in den 60-er Jahren müssen damalige Handwerker bei der Verlegung eines Wasserrohrs einen Teil der Stahlarmierung im Boden kurzerhand auseinandergesägt haben, um dieses Rohr an gleicher Stelle entlang legen zu können. "Das ist für die Statik alles andere als gut, denn die Berechnung beziehen ja alle Teile mit ein", erklärt Ela Dünkelsbühler.

Auch die Tragfähigkeit einiger Stützen muss aus Sicht der Experten stark angezweifelt werden. Nachdem die Fenster und die komplette Fassade zurückgebaut wurden, ist aufgefallen, dass die Stahlstützen an der Fensterseite stark angegriffen sind. "Wie es von innen aussieht, kann man nicht sagen. Wir gehen aber davon aus, dass die Tragfähigkeit beeinträchtigt sein könnte.

"Deshalb müssen ein paar dieser Stützen ausgetauscht werden", so Harald Maier. Seinen alten Charme wird der Sitzungssaal, der bis zum Ende des Jahres fertig werden muss, behalten. Auch die alte Holzvertäfelung wird wieder eingebaut. Neu hinein kommen neben einem neuen Boden, neue große Fenster, eine energieeffiziente Beleuchtung und eine neue Lüftungsanlage.

Die Sanierung des gesamten Finanzamtes wurde aus energetischen und brandschutztechnischen Gründen durchgeführt und kostet das Amt für Vermögen und Bau in Konstanz 3,6 Millionen Euro. Trotz der zusätzlichen Maßnahmen, wie der Beseitigung der Schadstoffe und der unerwarteten Mängel, kann das Budget eingehalten werden. "Die Maßnahme wird nun so umgesetzt, dass wir die nächsten 50 Jahre mit Sicherheit Ruhe haben", ist Thomas Steier überzeugt.