Es war der 19. März 1998, als zu Ehren des ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts in den Donauhallen die Nationalhymne erklang. Dort erwarteten 450 geladene Gäste den Topjuristen, 150 Bürger ohne Einladungsschreiben saßen auf der Empore. Damit auch alles reibungslos ablief, betätigte sich Ernst Zimmermann, der den Hauptamtsleiter-Sessel im Rathaus inzwischen verlassen hat, als Zeremonienmeister: "Ich bitte Sie, sich zu erheben, wenn der Herr Bundespräsident den Saal betritt." Das Volk tat, wie ihm geheißen.

Anlass für Herzogs Donaueschingen-Besuch war das Regionalgespräch, bei dem der Wirtschaftswissenschaftler Meinhard Migel über Arbeitsmarktpolitik referierte, Herzog reiste quasi als Zaungast des Professors an. Knapp zwei Stunden hörten die Besucher kluge Sätze des Chefs des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft, dann bemühte sich Everke, Herzog wenigstens ein kurzes Grußwort zu entlocken und hielt ihm ein Mikrofon vor den Mund. Und der erhob dann tatsächlich die Stimme. Nur anders, als gedacht: "Ich möchte nur sagen, dass ich nichts sagen möchte." Selten zuvor oder danach erlebten die Donaueschinger OB Everke überraschter. Später aber, beim Empfang für die Träger des Bundesverdienstkreuzes, gab sich Herzog viel redseliger.

90 Jahre vor der Herzog-Visite weilte schon einmal ein Staatsoberhaupt in der Stadt. Und zwar eines, das nicht nur rein formal erster Mann in Deutschland war, sondern tatsächlich die Macht in seinen Händen vereinte: Kaiser Wilhelm II. Am 5. August 1908 wurde er als Jagdgast von Fürst Max Egon II. in Donaueschingen begrüßt. Zu Ehren des deutschen Kaisers schwebte das Luftschiff Z1 über das Schloss. In der Gondel des Zeppelin saßen Graf Zeppelin, der Erfinder dieses Luftschiffes, und Kronprinz Wilhelm, der Sohn des Kaisers.

Was verbindet den ersten Mann einer parlamentarischen Demokratie mit dem einer konstitutionellen Monarchie im deutschen Kaiserreich? Die Stadtkapelle spielte für beide auf.