Kernstadt und Ortsteile. Das funktioniert in Donaueschingen. Doch selbstverständlich ist es nicht. Dazu braucht es jedoch eine ausgewogene Balance. Keiner der Ortsteile – so klein er auch sei – darf sich vernachlässigt oder gar abgehängt und unwichtig vorkommen. Sollte dieses Gefühl aufkommen, dann ist der Ortsteil-Stolz zurecht verletzt. Und eines ist definitiv sicher: In solchen Fällen stehen alle zusammen und leben das gesunde Ortsteilgefüge so richtig aus.

Vor diesem Hintergrund kann man über den Haushaltsentwurf, den die Verwaltung aufgestellt hat, nur den Kopf schütteln. Die Grüninger Halle um zwei Jahre verschieben! Auf so eine Idee muss man nach den vergangenen Diskussionen erst einmal kommen. Denn nicht nur die Grüninger wollen ihre Halle, die Stadträte wollen auch ihr Wort halten. Zu oft wurden die Grüninger, die geduldig gewartet haben, vertröstet. Doch braucht es überhaupt eine Halle, wird sich so manch einer fragen? Selbst wenn die Grüninger das Bauwerk nicht brauchen, es wurde ihnen versprochen, und zwar nicht nur einmal, sondern Jahr für Jahr.

Noch ist es in Grüningen ruhig. Mutmaßlich sollen erst einmal die Haushaltsberatungen abgewartet werden. Man hat schließlich das Wort der Stadträte und damit die Hoffnung, dass das Projekt doch nicht erst in zwei Jahren realisiert oder gar noch weiter hinaus geschoben wird. Doch sollte die Halle nicht kommen, liegt es auf der Hand, dass die Geduld der Grüninger so langsam erschöpft ist und sie den Eindruck gewinnen, dass ihre Wünsche nichts zählen. Im Gegenteil, dass man sie ewig hinhalten wird. Haushaltssituation hin, Haushaltssituation her. Verständnis wird dafür wohl kaum ein Grüninger mehr aufbringen.

Doch die Grüninger sind nicht die Einzigen. Einen Blick auf die Streichungen, die die Verwaltung im Investitionsplan für das kommende Jahr getätigt hat: Halle Grüningen, Bergring Grüningen, Rathaus Neudingen, Längefeldstraße Wolterdingen, Schützenweg Aufen. Nein, es handelt sich jetzt nicht um eine Liste mit den Ortsteilstreichungen. Es sind die Projekte, die die meisten Einsparungen bringen. Und was wird in der Kernstadt geschoben? Das Parkdeck an der Mühlenstraße, wo die Grundstücksverhandlungen sowieso noch nicht abgeschlossen sind. Und das gelbe Rathaus, für das aber in der Zukunft wohl nicht mehr über die „kleine Lösung“ für 1,1 Millionen Euro nachgedacht werden soll, sondern über die Hermann-Pläne, die einen Anbau für sieben Millionen Euro in Richtung Holwegler vorsehen.

Aber noch ist ja nichts in Stein gemeißelt und die Stadträte können noch eigene Prioritäten setzen. Bei aller Haushaltsdisziplin, die von ihnen gefordert wurde, sollte jedoch auch nicht das Verhältnis Kernstadt – Ortsteile aus dem Blick geraten. Die richtige Balance ist hier gefragt.

stephanie.jakober@suedkurier.de