Donaueschingen – Aspergillus, Cladosporium und Stachybotrys. Diese merkwürdig klingenden Namen können für Erschaudern sorgen, sollten sie in der Wohnung auftauchen. Dabei handelt es sich um verschiedene Schimmelpilzgattungen. Davon gibt es rund 250 000 Stück. 36 davon sind gesundheitsgefährdend, zwölf sind regelrecht gefährlich. Sie zu entdecken ist nicht immer einfach, oftmals verbergen sie sich im Boden oder hinter der Wand. Das kann teuer werden, und vor allem gefährlich für die Gesundheit.

Flecki entdeckt den Schimmel

Wer sie jedoch selbst hinter Wand und unter dem Boden noch entdeckt, das ist Flecki. Er ist ein ausgebildeter Schimmelspürhund und gehört Hanno und Sabine Hör aus Donaueschingen, die mit ihm in den Einsatz gehen, wenn sie um Rat gefragt werden. Flecki kann mit seinem feinen Geruchssinn ausmachen, ob sich irgendwo Schimmel befindet. Hat er eine Stelle entdeckt, zeigt er das mit seinen Pfoten an. „Dann beginnt die Arbeit für uns“, sagt Hanno Hör.

Hohe Konzentration

Der Hund riecht flüchtige organische Stoffe in der Luft. Da der Schimmel Sporen abgibt, sucht er also nach der höchsten Konzentration. Die ist nur nicht immer auch dort, wo sich der Schimmel befindet. „Wir hatten einen Fall, da hat Flecki in einem Badezimmer angezeigt. Wir konnten aber absolut nichts finden. Später stellte sich heraus, einen Stock tiefer war Schimmel in der Wand, der über den Syphon bis nach oben ins Bad von Flecki erkannt wurde“, sagt Hör.

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Dem Hund voll vertrauen

Von daher sei es für die Arbeit enorm wichtig, dem Hund zu hundert Prozent zu vertrauen. „Wenn ich einen Parkettboden öffne und sich darunter nichts befindet, dann habe ich einen Schaden angerichtet“, so Hör. Er selbst ist gelernter Parkettleger, hat Erfahrung auf dem Bau. Die ist wichtig für seine Tätigkeit. „Wenn der Hund anzeigt, dann suche ich die Quelle. Dabei hilft es mir, schon viel gesehen zu haben“, sagt Hör.

Heikle Situationen

Ist der Schimmel entdeckt, nimmt Hör eine Probe und lässt die analysieren. Wenn dann feststeht, um welchen Schimmel es sich handelt, wird eine Lösung gesucht, bei der er beratend zur Seite steht. „Die Pilzfarbe spielt keine Rolle, erst die Laborprobe entscheidet.“ Es gehe dabei auch oft um heikle Situationen: „Ich muss neutral sein, weil auch oft Ärger zwischen Mieter und Vermieter im Spiel ist. Wurde falsch gelüftet, oder liegt das Problem etwa woanders“, so Hör. Er ergänzt: „Der Auftraggeber denkt meist, ich müsse in seinem Sinne handeln. Der Hund ist allerdings neutral, ganz egal wie viele Würstchen er bekommt.“ Die gibt es übrigens für die Arbeit nicht. Flecki wird gelobt.

Flecki im Schimmelsucheinsatz. Er schnüffelt die Wand ab und sucht nach hohen Konzentrationen flüchtiger organischer Stoffe.
Flecki im Schimmelsucheinsatz. Er schnüffelt die Wand ab und sucht nach hohen Konzentrationen flüchtiger organischer Stoffe. | Bild: Michael Stifter

Mit Spaß an der Sache

„Für den Hund ist das eine reine Freude“, sagt Hanno Hör. Flecki komme selten in fremde Wohnungen. „Wenn wir dann in eine andere Wohnung gehen, ist er meist direkt auf Suchmodus“, erklärt Sabine Hör. Das sei auch privat von Vorteil. Geht die Familie etwa in den Urlaub, dann untersucht Flecki direkt das Hotelzimmer.

Worauf zu achten ist

In schnöden Zahlen besitzt Flecki durch seine Ausbildung nun etwa einen Wert von 15 000 Euro. Ausgebildet wurde er von einem Fachmann aus Schweden, der eigens dazu nach Deutschland angereist sei. Die Ausbildung dauert etwa eineinhalb Jahre. „Zuvor muss der Hund sozialisiert sein“, erklärt Hör. Außerdem dürfe der Hund nicht vorbelastet sein, etwa bestimmte Ängste aufweisen. „Wir müssen im Einsatz auch immer ausschließen, das etwas passiert. Der Hund ist ein Stöberer und verträgt den Schimmel besser“, so Hör. Es gehe allerdings um andere Punkte: „Wenn wir kommen, dann müssen die Teppiche aus dem Weg. Die schiebt sich Flecki sonst unter den Bauch, er liebt das“, so Hör.

Außerhalb ist das Schimmelausmaß nicht zu erkennen.
Außerhalb ist das Schimmelausmaß nicht zu erkennen. | Bild: Hör
Ist die Wand offengelegt, zeigt sich der Schimmel.
Ist die Wand offengelegt, zeigt sich der Schimmel. | Bild: Hanno und Sabine Hör

Keine Köter

Was ihm nicht gefällt, wenn Hunde als Köter bezeichnet werden. „Sie haben schon in so vielen Funktionen den Menschen enorm viel geholfen.“ Das hat auch Flecki. So gelang es ihm etwa, in der Stockacher Dillhalle Schimmel zu entdecken.

Schimmelpilze und Spürhunde

  • Wie gefährlich ist Schimmel? Es gibt hunderttausende Arten von Schimmel. Je nachdem, um welche es sich handelt, kann es gefährlich werden. Dabei sind etwa 26 Sorten gesundheitsgefährdend, zwölf werden als gefährlich eingestuft. Bekannt ist etwa Aspergillus, zu dem wiederum rund 350 verschiedene Ausformungen gehören. „Landwirte kennen den. Er kann im Silage-Futter auftauchen. Die Kühe husten dann Blut“, erklärt Hanno Hör, der unter der Bezeichnung Schimmeldogtor mit seinem Schimmelspürhund Flecki arbeitet. Beim Menschen hänge es auch davon ab, wie stark er den jeweiligen Sporen ausgesetzt sei: „Wenn sie abends mal ein Bier trinken, ist das kein Problem. Täglich einen Kasten allerdings schon“, so Hör. Besonders kleine Kinder seien allerdings empfindlich. Werden bisher unbekannte Sorten entdeckt, werden sie pauschal als allergen eingestuft.
  • Heftige Fälle: Anfang der 1990er-Jahre vielen in einem Krankenhaus in der amerikanischen Stadt Cleveland ungewöhnlich viele Babys auf, die an unerklärlichen Lungenblutungen litten. Untersuchungen ergaben, dass die Kinder aus .Berzirken stammten, die zuvor überschwemmt worden seien. Entsprechend gab es viele Schäden durch Feuchtigkeit. Verursacher der Krankheit sei der Schimmel Stachybotrys chartarum.
  • Schwerstarbeit: Auch wenn der Hund wesentlich feiner riechen kann als der Mensch, es ist ihm etwa möglich, in stereo Gerüche wahrzunehmen, ist die Arbeit als Schimmelspürhund anstrengend für das Tier. Ein Einsatz über Stunden ist nicht möglich, alle zehn bis 15 Minuten ist eine 20-minütige Pause notwendig. Ein Schäferhund besitzt etwa 220 Millionen Riechzellen.
  • Hundeausbildung: Dass aus einem Hund ein ausgebildeter Schimmelspürhund wird, ist ein aufwendiger Prozess. Flipp, der bereits verstorbene Schäferhund von Hanno und Sabine Hör, war bereits im Polizeidienst tätig, hatte daher Erfahrung. „Wir haben mit ihm intensiv trainiert, täglich bis zu sechs Stunden. Lediglich am Sonntag wurde nichts gemacht“, erklärt Hanno Hör. So habe die Ausbildung zehn Monate gedauert. Üblich seien etwa eineinhalb Jahre. Eigentlich sei jeder Hund geeignet, er dürfe nur nicht zu träge und nicht vorbelastet sein.