Freitagmorgen, halb neun: Drei Männer polieren an der Käferstraße einem geparkten Auto die Wassertropfen vom schwarzen Lack. Ungewöhnlich ist dabei nicht die Zahl der Herren, die ihre Poliertücher über die Flanke und Kotflügel ziehen, sondern ihre Bekleidung und das Objekt selbst. Ein wunderschöner Ford Thunderbird, Modell amerikanischer Straßenkreuzer, zeigt mit aufgeklappter Motorhaube und angehobenem Kofferraumdeckel, wie viel Platz er über den opulenten Innenraum hinaus zu bieten hat.

Zwei der Herren putzen im feinen Anzug, der dritte in Shorts und Sweatshirt. Ob das der Fahrer ist? Stimmt. Aber nur zur Hälfte. Denn Tobias Fuchs wird knapp drei Stunden später mit seiner Bianca vor den Traualtar treten. Die Herren im feinen Zwirn, Alexander Begun und Hayri Idrizi, sind seine Trauzeugen. Das Hochzeitspaar wohnt erst seit kurzem in Donaueschingen, geheiratet wird in der alten Heimat Tuningen.

Da wird gewienert. Der Thunderbird weist einen riesigen Kofferraum auf.
Da wird gewienert. Der Thunderbird weist einen riesigen Kofferraum auf. | Bild: Wursthorn, Jens

Dorthin wird der Bräutigam das regelrechte Schiff selbst steuern. Ausgeliehen hat ihm das schicke Cabriolet des Baujahrs 1965 ein Bekannter. "Der ist sehr schwer zu fahren", berichtet der Bundeswehrsoldat. Lenkung, Schaltung, Auflage der Reifen: Gut, dass er den 5,22 Meter langen Inbegriff des American Way of Life schon mal gefahren ist. Zumindest ist das kein Zusatzpäckchen für die gerade aufsteigende Nervosität vor dem großen Moment.

Vor der Trauung müssen die Wasserflecken auf dem Lack weg. Trauzeuge Hayri Idriz wirft einen prüfenden Blick auf das Ergebnis.
Vor der Trauung müssen die Wasserflecken auf dem Lack weg. Trauzeuge Hayri Idriz wirft einen prüfenden Blick auf das Ergebnis. | Bild: Wursthorn, Jens

Und nach der Trauung? Da fährt die ganze Festgesellschaft im Autokorso zum Feiern an den Bodensee, verrät der Bräutigam. Natürlich mit der Angetrauten im Thunderbird an der Seite. Wenn das Wetter mitspielt, winkt also am Nachmittag ein herrlicher Ausblick. Nein, da meinen wird nicht die Perspektiven aufs Eheglück, das gilt ja sowieso. Wir beziehen das auf den Thunderbird. Der verfügt nämlich über ein elektrisch angetriebenes Verdeck. Das hat der Bräutigam natürlich ausprobiert.

jens.wursthorn@suedkurier.de