Plastikmüll belastet auch bei uns die Umwelt, selbst wenn er dank funktionierender Müllabfuhr und fleißig unterstützten Putzeten gar nicht immer sichtbar ist. Diese Erkenntnis nahmen am Donnerstagvormittag die Besucher einer Vernissage in der Stadtbibliothek mit. Gut sichtbar, geschickt zusammengefügt, verstörend und deshalb zum Nachdenken animierend sind dagegen die Exponate der Ausstellung. „Welt aus Plastik„ heißt es im Eingangsbereich, den die Kinder des städtischen Kindergartens Wunderfitz und die Mitglieder des Fotoclubs Aasen künstlerisch möbliert haben.

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Da sind auf dem Boden eine aus Müll geklebte große Collage zu sehen, auf den Fensterbänken stehen kleine Bastelarbeiten der Kinder, eine Schautafel mit geklebten Tipps gibt Ratschläge zur Müllvermeidung. Auf Tischen liegt weiterführende Literatur aus: Broschüren zum Mitnehmen, Zeitungsartikel, Flyer oder Bücher zum Thema Umwelt, die zum Bestand der Stadtbibliothek gehören. Von der Decke baumeln Pappschilder. „Das Meer ist eine gigantische Müllkippe!!!“ ist dort zu lesen oder einfach „Es dauert Jahrhunderte, bis sich Plastik zersetzt.“ Und weil die Kinder noch nicht schreiben können, haben sie traurige Fische und Seepferdchen gebastelt, die ebenfalls dort hängen und ihre Botschaft in den Bäuchen tragen: Ein Plastiksäckchen voller echtem Müll macht die Pappfiguren dreidimensional.

Ein trauriges Seepferdchen und ein trauriger Fisch: Die Kindergartenkinder haben ihre Bäuche voller Plastikmüll gestaltet.
Ein trauriges Seepferdchen und ein trauriger Fisch: Die Kindergartenkinder haben ihre Bäuche voller Plastikmüll gestaltet. | Bild: Wursthorn, Jens

Schon seit Jahresanfang haben sich die Kinder mit dem Thema Müll beschäftigt, berichtete Erzieherin Katja Schilling, die das Projekt begleitet. Angefangen bei einem Buch, fortgeführt durch das Interesse an einem jungen Mann, der aus Müll Kunst macht. Als sich im Morgenkreis ein arrangierter riesiger Müllberg auftürmte, staunten die Kinder. Es ging weiter. Sie räumten den Garten auf und sammelten über Wochen Müll. „Sie haben immer mehr Sensibilität für Tiere und Natur entwickelt“, so Schilling. Aber auch das Wissen, dass sich die riesigen Berge Müll nicht in Kunst umwandeln lassen.

Diesen Fisch haben die Kinder der Kindertagesstätte Wunderfitz gemeinsam aus Plastikmüll gestaltet.
Diesen Fisch haben die Kinder der Kindertagesstätte Wunderfitz gemeinsam aus Plastikmüll gestaltet. | Bild: Wursthorn, Jens

So war nach der gemeinsam erstellten Fisch-Collage, die außer Farbe und Kleber nur Plastikteile enthält, noch so viel Arbeitsmaterial übrig, dass die Kinder eigene Werke erstellten und bei der Ausstellungseröffnung vorstellten.

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Organisiert hat die Ausstellung die Umweltgruppe Südbaar. Ganz an die jungen Künstler gerichtet war die kurze Eröffnungsrede von Annegret Löhr. Kindgerecht sprach sie vom vielen Plastik, das an die Strände der Meere gespült werde. „Was für uns nur eklig ist, ist für die Tiere tödlich.“ Plastik werde die Umwelt noch in hunderten von Jahren belasten. Aber auch bei uns hier gebe es das Problem des sich zersetzenden Kunststoffs, auch wenn der Müll hier meist sorgsam eingesammelt werde. „Wir Großen haben die Erde mit Plastikmüll versaut“, entschuldigte sie sich gegenüber den Kindern, um sie gleichzeitig zu ermuntern, gegenzusteuern.

Das wäre ein Anfang: Ratschläge zur Müllvermeidung gibt es ebenfalls in der Ausstellung zu lesen.
Das wäre ein Anfang: Ratschläge zur Müllvermeidung gibt es ebenfalls in der Ausstellung zu lesen. | Bild: Wursthorn, Jens

Das Eis sollten sie im Hörnchen nehmen und nicht im Becher, echte Strohhalme verwenden und Geschenke nicht aufzureißen, sondern vorsichtig zu öffnen. Das Geschenkpapier könne man nämlich wiederverwenden. Ganz wichtig sei es, Eltern, Geschwister und Bekannte immer wieder aufs richtige Verhalten hinzuweisen: wie etwa beim Verzicht auf Einwegbesteck.

Von Irene Schenzinger (links) bekommen die Kindergartenkinder eine Erfrischung eingeschenkt.
Von Irene Schenzinger (links) bekommen die Kindergartenkinder eine Erfrischung eingeschenkt. | Bild: Wursthorn, Jens

Als Puzzleteil sinnvoller Umweltaktionen und tolle Aktion bezeichnete Oberbürgermeister Erik Pauly die Ausstellung. „Jeder soll tun, was er kann.“ Auch er räumte den Betrachtungswandel in puncto Plastik ein. Um 1950 sei Plastik als leichtes, langlebiges Material begrüßt worden, jetzt habe man ein großes Problem.

Ein weit kleineres Problem hatte der Fotoclub Aasen zu lösen. Er war gebeten worden, die Ausstellung mit Fotografien zu Müll und Plastik zu erweitern. Die beeindruckenden Ergebnisse hängen in Form von etwa 20 großformatigen Aufnahmen an den Wänden. „Es gibt Schöneres als Müll abzubilden“, sprach Rainer Kroßmann für die Hobbyfotografen. Und leicht sei die Motivsuche auch nicht gewesen, nachdem die Landschaftsputzete bereits gelaufen war, fügte er mit einem Schmunzeln hinzu. Gleichwohl habe diese Herausforderung Spaß gemacht.