Ortsvorsteher Gerhard Feucht geht es nicht um die Schließung der Sparkassenfiliale. Dass dort zum Ende des Montags Schluss sein soll, das kann er durchaus nachvollziehen. Aber mit der Alternativlosigkeit möchte er sich nicht abfinden.

„Das Bargeldverhalten hat sich geändert. Aber genau deshalb ist es so wichtig, dass man auch in der Nähe Bargeld abheben kann, wenn man kurzfristig welches braucht.“Gerhard Feucht, Ortsvorsteher
„Das Bargeldverhalten hat sich geändert. Aber genau deshalb ist es so wichtig, dass man auch in der Nähe Bargeld abheben kann, wenn man kurzfristig welches braucht.“Gerhard Feucht, Ortsvorsteher | Bild: Simon, Guy

„Dass die Kunden für eine qualitiative Beratung lieber nach Donaueschingen gehen, als dafür den Schalter in Pfohren zu nutzen, ist unumstritten“, sagt Feucht. Der Verlust der Geschäftsstelle sei daher vom Grundsatz her nachvollziehbar. Doch auch in einer Zeit, in dem das Bargeld vermeintlich eine geringer Rolle spiele, müsse man doch irgendwie daran kommen.

Die Schließung trifft laut Feucht nicht nur die Senioren

Davon betroffen wären nicht nur die älteren Pfohrener, die vielleicht nicht mehr so mobil sind und daher auch nicht mehr so oft nach Donaueschingen kommen. Auch junge Menschen sind seiner Meinung nach davon betroffen. Beispielsweise, wenn sie abends noch spontan entscheiden, wegzugehen. Oder die Touristen, die den Donautalradweg fahren. Oder die Gäste des Campingplatzes.

Im Pfohrener Rathaus kann man mit Karte zahlen

„Das Bargeldverhalten hat sich geändert. Aber genau deshalb ist es so wichtig, dass man auch in der Nähe Bargeld abheben kann, wenn man kurzfristig welches braucht“, erklärt Feucht, der das Szenario aus seiner eigenen Erfahrung als Ortsvorsteher kennt. Denn im Pfohrener Rathaus können die Bürger alle Angelegenheiten erledigen – vom Rentenantrag bis zum neuen Ausweis.

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Doch für manche Behördengänge braucht es auch Geld, wie eben für einen neuen Ausweis. Und öfter kam es eben vor, dass jemand ohne Bargeld in der Tasche seine Angelegenheit erledigen wollte. „Wir haben auf das Verhalten unserer Kunden reagiert“, erklärt Feucht. Seit zwei Jahren ist es nämlich möglich, in der Ortsverwaltung mit Karte zu zahlen.

Die Sparkassen-Filiale in der Hüfinger Straße in Pfohren schließt am 31. Oktober.
Die Sparkassen-Filiale in der Hüfinger Straße in Pfohren schließt am 31. Oktober. | Bild: Simon, Guy

Doch nicht überall ist das der Fall: „Mir ist selbst schon auf dem Weg zum Sportplatz eingefallen, dass ich noch Bargeld brauche“, erinnert sich Feucht. Schnell noch etwas holen, das ging in Pfohren ja nicht: Denn bereits in der Vergangenheit stand der Ort vor der Entscheidung: Entweder eine Filiale oder ein Geldautomat. Damals erschien der Service vor Ort als wichtiger, heute wäre es wohl ein Geldautomat. Feucht kam trotzdem an das Geld. Er hatte noch etwas zu Hause und musste nicht extra nach Donaueschingen fahren.

„Selbst an einer Tankstelle steht ein Geldautomat.“

Dort ist es kein Problem an Geld zu kommen: Drei Geschäftsstellen mit teils mehren Geldautomaten gibt es. Hinzu kommen andere Banken, bei denen man notfalls auch noch an Geld abheben kann. Klar gebe es gewisse Sicherheitsauflagen und man könne den Automaten sicher nicht überall aufstellen. Aber: „Selbst an einer Tankstelle steht ein Geldautomat„, sagt Feucht.

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Wieso dann nicht auch in Pfohren? Durchaus wären der Ortschaftsrat und er bereit, gewisse Zugeständnisse zu machen – wie beispielsweise einen Raum für den Automaten zur Verfügung zu stellen. Gerne würde man über eine Alternative reden, die zwischen der Filialschließung und gar keinem Angebot, sprechen.

Dienstleister sind wichtig für die Zukunft von Orten

Mit der Zukunftswerkstatt 2030 wurde in Pfohren auch ein Projekt gestartet, bei dem es darum geht, das Dorf zukunftssicher zu machen. „So etwas spielt auch eine Rolle“, erklärt der Ortsvorsteher. Bewohner und Interessenten hätten gewisse Erwartungshaltungen: Dienstleister vor Ort wären extrem wichtig – der Arzt, eine Einkaufsmöglichkeit oder eben eine Bank.

Ab dem 4. November müssen die Pfohrener Sparkassenkunden nach Donaueschingen.
Ab dem 4. November müssen die Pfohrener Sparkassenkunden nach Donaueschingen. | Bild: Simon, Guy

„Wir sind auf Zuzug angewiesen und die fragen sich schnell: ‚Was habe ich sonst noch so vor Ort‘“, erklärt Feucht. Jeder hätte seine eigenen Prioritäten. Ein Geldautomat wäre jetzt vielleicht nicht gerade die Entscheidungsgrundlage. „Aber es kann in die Entscheidung mit reinspielen“, so Feucht.

Die Filialschließung

Zum 31. Oktober soll die Sparkassen-Filiale in Pfohren geschlossen werden. Bereits am 30. September war in Fützen Schluss. „In den letzten drei Jahren ist die Kundenfrequenz in diesen Servicestellen um mehr als 30 Prozent rückläufig gewesen. Das bedeutet, dass weniger als drei Kunden pro geöffneter Stunde diese Servicestellen besuchen“, so Bernhard Stiefel, Direktor Privatkunden Donaueschingen beim Bekanntwerden der Schließungspläne. Pfohren und Fützen sind laut Sparkasse aufgrund der sehr geringen Kundenfrequenz schon heute nur noch teilweise geöffnet. Weitere Filialen im Schwarzwald-Baar-Kreis sollen von den Schließungen nicht betroffen sein. In der aktuellen Niedrigzinsphase sei die Nachfrage nach qualifizierten Beratungsgesprächen spürbar gestiegen, weshalb in diesem Bereich die Beratungszeiten weiter ausgebaut würden. Einfache Serviceleistungen, wie Überweisungen tätigen oder Daueraufträge anlegen, würden hingegen immer häufiger online ausgeführt. Dies sei bei vielen Kunden bereits alltäglich und das wirke sich natürlich auch auf die Kundenfrequenz in den reinen Servicestellen aus. Die beiden Mitarbeiterinnen, die von den beiden Filialschließungen betroffen sind, sollen in den Filiale Blumberg und in der Hauptstelle Donaueschingen weiterbeschäftigt werden.