Am Samtagmittag sind auf der Baar alle Erstklässler eingeschult. Während für die Kinder ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnt, werden innerhalb der Grundschulen Vorgaben von oben an den Schulalltag angepasst. Kontrovers diskutiert wird der künftige Umgang mit der ersten Fremdsprache. Dieser beginnt künftig erst ab dem dritten Schuljahr.

  • Pfohren/Aasen: An der Grundschule Pfohren starten 20 Kinder einer Klasse in das Abenteuer Schule. Der Standort Aasen begrüßt 14 neue Schüler im jahrgangsübergreifenden Unterricht, in dem die Klassen 1 und 2 gemeinsam unterrichtet werden. Weil der Englischunterrichts in der ersten Klasse durch Förderung in Mathe und Deutsch ersetzt wird, kommt auf die Grundschule eine Zusatzbelastung zu. Da die Zweitklässler weiterhin Anspruch auf den Fremdsprachenunterricht haben, müssen die Jüngsten zwei Stunden pro Woche getrennt unterrichtet werden. Für diese Stunden erhält die Schule, laut Schulleiterin Susanne Schulz, jedoch keine zusätzlichen Mittel. Zwar sei derzeit jede Unterrichtsstunde gewährt, wie die Leiterin betont, aber Zusatzleistungen wie der Förderunterricht für Klasse 2 bis 4 oder der Schulchor könnten in diesem Schuljahr nicht angeboten werden. Dies bedauert sie sehr: "Bei diesen Aktivitäten können sich Kinder unabhängig von ihrer schulischen Leistung beweisen." Dennoch stehe die Unterrichtsversorgung natürlich im Vordergrund. Im Falle weiterer Ausfälle könne Schulz zwar noch auf Pensionärinnen zurückgreifen. Allerdings sei auch diese Möglichkeit begrenzt.
  • Erich-Kästner-Schule: Hier gestaltet sich die Situation ähnlich. Wie Rektorin Gabriele Lindemann berichtet, könne sie gut ins neue Schuljahr starten, obwohl die ihr zustehende Anzahl an Lehrern nicht ganz erfüllt sei. Es gäbe daher keine Möglichkeit, Ausfälle seitens des Kollegiums aufzufangen. Währenddessen werden an der Stammschule in drei Klassen 60, in Allmendshofen in einer Klasse 18 und in Grüningen in der Familienklasse sieben Schulanfänger empfangen. Klassenübergreifend startet die Schule mit dem Projekt "Faustlos" zur Stärkung der sozialemotionalen Kompetenzen der Kinder und Gewaltprävention. Insbesondere aufgrund des hohen Anteils an Kinder mit Migrationshintergrund sei die verstärkte Förderung der Deutschkenntnisse sinnvoll, beurteilt Lindemann die Lehrplanänderung. Andererseits sei es für die Schüler auch immer schön gewesen, im Englischunterricht etwas beitragen zu können, da viele Zuwanderer bereits Grundkenntnisse in der Fremdsprache mitgebracht hätten.
  • Eichendorffschule: Der Schulleiter der Eichendorffschule, Heiko Keller, hat dem nicht viel hinzuzufügen. Auch sein Lehrerkollegium sei momentan trotz ausbleibender Neuzugänge zufriedenstellend aufgestellt. Für Ausfälle habe er jedoch keinen Reserven. Der Lehrplanänderung steht Keller offen gegenüber. Einige Kollegen fänden es lediglich schade, da ihnen der Fremdsprachenunterricht bei den Jüngsten stets Spaß gemacht habe. Dies Jüngsten starten mit je 26 Schülern in zwei Klassen in den Schulalltag.
  • Lucian-Reich-Schule: Die Grundschule der Gemeinschaftsschule begrüßt dieses Jahr 53 Erstklässler, die in zwei Klassen eingeteilt werden. "Das Lernklima ist bestens", betont Konrektorin Christiane Schell. Das Grundschulgebäude sei dank des Neubaus, der vor vier Jahren fertiggestellt wurde, mit den neuesten Standards ausgerüstet. Dass der Englisch-Unterricht ab Klasse 1 abgeschafft wurde, finde sie schade. "Die spielerischen Englischstunden haben den Kindern immer viel Spaß gemacht", schwärmt Schell. Ein Weltuntergang sei das aber nicht. Der landesweite Grundschullehrermangel betreffe die Lucian-Reich-Schule nicht so stark. "Die Schule hat genug Personal", versichert die Konrektorin. Neu hinzugekommen sei ein eigener Klassenraum für Sprachförderunterricht. "Wir reagieren auf diese Weise auf die Flüchtlingssituation", erklärt Konrektorin Schell.
     
Kein Platz ist in der Schulaula frei geblieben, als die 53 Erstklässler an der Hüfinger Lucian-Reich-Schule mit einem schönen Programm empfangen wurden. Bilder: Rainer Bombardi
Kein Platz ist in der Schulaula frei geblieben, als die 53 Erstklässler an der Hüfinger Lucian-Reich-Schule mit einem schönen Programm empfangen wurden. | Bild: Rainer Bombardi
  • Schellenberger Schule: Die Zahl der Erstklässler hält sich in der Schellenberg Schule seit Jahren auf einem konstanten Level. Dieses werden 15 Erstklässler neu in den Schulalltag eingeführt. Die Einschulung der Kinder findet allerdings in Mundelfingen statt. "Die Schulgebäude in Hausen vor Wald und Mundelfingen sind auf einem technisch modernen Stand", berichtet die Schulleiterin Monika Wiederholl. Das Lernklima beschreibt sie als "sehr gut". Der neue Lehrplan, der den Englischunterricht für die Erst- und Zweitklässler streicht, und stattdessen zwei Förderstunden in Mathe und Deutsch vorsieht, hält sie für sinnvoll. Zum derzeitigen Mangel an Grundschullehrern meint Wiederholl: "Um den Pflichtunterricht abzudecken, sind gerade genug Lehrer vorhanden."
  • Bräunlingen/Döggingen: 41 Erstklässler beginnen dieses Jahr ihre Schullaufbahn in Bräunlingen. Im Stadtteil Döggingen werden elf Kinder eingeschult. Martina Losch ist für die Leitung beider Schulen zuständig. Die Schulen setzten auf kombinierte Klassenverbünde der Klassenstufen 1/2 und 3/4. "Das hat sich bewährt", berichtet Losch. Dabei setze die Schule teilweise auf Unterricht nach Wochenplänen. "Das funktioniert sehr gut und ist für die Schüler individuell sehr gerecht", erzählt die Schulleiterin. Das Plus sei zudem die soziale Komponente: "Jedes Jahr wird die Hälfte der Klasse ersetzt. Das ist ein großes Geschenk für die Entwicklung der Kinder." Die gestrichenen Englischstunden der Erst- und Zweitklässler würden die Schulen durch kurze englische Sequenzen im Kunst- und Musikunterricht ersetzen. "Die Klasse 3 und 4 hat sogar teilweise bilingualen Unterricht.", ergänzt sie. Zum generellen Thema Grundschullehrermangel meint Schulleiterin Martina Losch: "Wir können nicht jammern."
     
Ein lautes „Ja“ ist in der Bräunlinger Schulaula von den 42 neuen Erstklässlern zu hören, als Schulleiterin Martina Losch fragt, ob sie sich auf die Schule freuen.
Ein lautes „Ja“ ist in der Bräunlinger Schulaula von den 42 neuen Erstklässlern zu hören, als Schulleiterin Martina Losch fragt, ob sie sich auf die Schule freuen. | Bild: Rainer Bombardi
  • Heinrich-Feurstein-Schule: Auch die Heinrich-Feurstein-Schule verfügt über ausreichend Lehrkräfte. Die Donaueschinger Bildungsstätte darf in diesem Jahr eine Klasse mit sechs Erstklässlern begrüßen. Die Schule sei von der elektronischen Grundausstattung her in fast allen Klassenzimmern top ausgestattet, so der Schulleiter Thomas Sauter. Nicht nur in Geräte wie Beamer und Computer, sondern auch in zwei hochmoderne Whiteboards sei investiert worden. Die Änderung des Lehrplanes spiele für seine Schule keine Rolle. "Wir haben einen anderen Bildungsplan als die anderen Schulen", erklärt Sauter. Der Fokus liege vor allem auf den Hauptfächern Deutsch und Mathe.