Was haben Bernhard Kaiser, Anton Knapp und Jürgen Guse gemeinsam? Alle drei waren über drei Jahrzehnte Bürgermeister, alle drei genießen mittlerweile ihren Ruhestand. Und alle drei engagieren sich nun, nach dem sie ihre Rathäuser hinter sich gelassen haben, in den Bürgerstiftungen ihrer Städte. Denn nachdem Bertolt Wagner seinen Abschied aus dem Führungsteam der Donaueschinger Bürgerstiftung bekannt gegeben hat, steht nun auch sein Nachfolger fest. Bernhard Kaiser wird sein Nachfolger und somit keine zwei Monate, nachdem er in den Ruhestand gegangen ist, sich einer neuen Aufgabe widmen.

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Ein Engagement für die Stadt und die Bürger, die ihm ans Herz gewachsen sind

"Ich freue mich, dass ich Bertolt Wagner nachfolgen darf", sagt Bernhard Kaiser, der seinen Vorgänger für das große Engagement dankt. Die Arbeit in einer Stiftung ist für Kaiser nicht neu. Über 30 Jahre lang hat er sich in der Schulstiftung Baden-Württemberg engagiert und Erfahrungen gesammelt, die er nun der Donaueschinger Bürgerstiftung zur Verfügung stellen möchte.

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Auch das ehrenamtliche Engagement hat Kaiser nicht erst mit dem Ruhestand entdeckt. Schon zu Bürgermeisterzeiten fand er stets Platz dafür in seinem Kalender – beispielsweise beim Roten Kreuz oder beim Lions-Club. "Die Bürgerstiftung ist für mich eine hochgradig wichtige Geschichte", so Kaiser. Hier könne er sich für die Stadt und die Bürger, die ihm so sehr ans Herz gewachsen sind, einsetzen.

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Bertolt Wagner hat seinen eigenen Nachfolger vorgeschlagen

Die Idee, Bernhard Kaiser für die Mitarbeiter in der Bürgerstiftung zu gewinnen, war von Wagner selbst gekommen. "Er hat uns quasi gleich einen Vorschlag für seinen Nachfolger gemacht", sagt der Vorsitzende Ernst Zimmermann. Und da er Bernhard Kaiser nun schon seit langer Zeit kennt, schließlich haben der ehemalige Hauptamtsleiter und der ehemalige Bürgermeister jahrzehntelang im Donaueschinger Rathaus zusammengearbeitet, sei er sich auch sicher, dass es eine wirklich "gute Zusammenarbeit" werden wird.

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Wagner, der aus privaten Gründen sein Amt aufgegeben hat, hat seit der ersten Stunde in der Führungsriege der Bürgerstiftung mitgearbeitet. "Für mich war es ein Glücksfall, dass ich gleich in der Stiftungsversammlung in den Rat gewählt wurde", erinnert sich Wagner. Eigentlich war er vor 13 Jahren gar nicht mit diesem Vorhaben zum Gründungstermin gegangen. "OB Thorsten Frei und Bürgermeister Bernhard Kaiser hatten damals dazu eingeladen und es hieß damals, es könne jeder kommen und keiner müsste Angst haben – alle Ämter wären schon vergeben", so Wagner. 65 Leute wären da gewesen und für 64 habe diese Aussage auch gegolten – nur nicht für ihn.

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Viele interessante Menschen habe er durch die Arbeit in der Bürgerstiftung kennengelernt. Viel habe man gemeinsam bewegen könnten. Und der schönste Termin sei für ihn immer die Verleihung des Elisabeth-Stierle-Preises gewesen. Die strahlenden Gesichter der Kinder, die mit dem Preis ausgezeichnet wurden, waren es, die ihn berührt haben und die auch ein bisschen Wehmut in ihm auslösen, dass seine Vorstandsarbeit nun zu Ende ist.

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Doch es ist nur der Abschied aus der Führungsriege, aber nicht von der Bürgerstiftung: "Bertolt Wagner ist ja auch noch jung und es muss ja kein Abschied für immer sein", so Zimmermann. Bertolt Wagner sei ein "sehr kreativer Kopf und ein kritischer Mitdenker", der die Dinge hinterfrage und schnell durchblicke. So stammt beispielsweise die Idee, die der Bürgerstiftung mittlerweile mehr als 101 000 Euro eingebracht hat, von Wagner: die Zahngoldaktion, bei der Patienten in den Praxen von Bertolt und Gabriele Wagner sowie Armin Schelling ihr Zahngold nicht mit nach Hause nehmen, sondern für die Bürgerstiftung spenden.

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"Bertolt Wagner hatte nicht nur die Idee, er hat das auch gleich umgesetzt", sagt Zimmermann. Aus anderen Bürgerstiftungen bekomme er oft zu hören, was für eine tolle Idee das sei und dass sie so etwas auch gern selbst hätten. Schließlich ist es eine verlässliche und nicht zu unterschätzende Geldquelle für die Bürgerstiftung, die es ihr ermöglicht, Projekte zu unterstützen und zu realisieren. Wagner selbst sieht seinen Anteil daran allerdings viel geringer: "Das ermöglichen ja alles die Patienten." Schließlich entscheiden sie, dass sie ihr Zahngold der Bürgerstiftung zur Verfügung stellen wollen.

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Die Bürgerstiftung sucht nach Projekten, die sie unterstützen kann

  • Die Projekte: Insgesamt hat die Bürgerstiftung im vergangenen Jahr acht Projekte mit einer Summe von rund 13 000 Euro gefördert. 1870 Euro kamen durch den Elisabeth-Stierle-Preis dem Donaueschinger Nachwuchs zu gute. Mit 1200 Euro wurde das Jugendtheater Sova und seine Aufführung "A Christmas Carol" von Charles Dickens unterstützt. Rund 200 Euro hat der Kindergarten St. Lioba für sein Projekt zur gesunden Ernährung, mit dem die Kinder Obst und Gemüse als wichtiges Grundnahrungsmittel kennen und verarbeiten lernen, erhalten. 750 Euro gab es für den Narrenverein und die Umgestaltung des Dorfbrunnens zum Narrenbrunnen. Mit 3000 Euro wurde der Neubau des Kabinen- und Versammlungstrakts im DJK-Vereinsheim unterstützt. 2500 Euro hat das Mehrgenerationenhaus als Zuschuss für den Betrieb des offenen Treffpunktes und die Angebote für Menschen aller Altersstufen erhalten. 1500 Euro gab es für das Gewaltpräventionsprogramm der Erich-Kästner-Schule. Und 2000 Euro hat der SSC Donaueschingen für den Kunstrasenplatz erhalten. Die Fördersumme ist geringer als in den vergangenen Jahren. Zum einen gibt es noch fünf Projekte, die zwar bewilligt sind, bei denen aber die Fördersumme von insgesamt 9800 Euro noch nicht ausgezahlt wurde. Zum anderen wurden weniger Förderanträge als in den vergangenen Jahren eingereicht. Und so bestehen gut Chancen, dass eingereichte Projekte, die der Stiftungssatzung entsprechen, auch gefördert werden. Man müsste sich nur bei der Bürgerstiftung melden.
  • Die Finanzsituation: Mit einem Stiftungsvermögen von rund 1,1 Millionen Euro ist die Donaueschinger Bürgerstiftung im Vergleich zu anderen Stiftungen in einer außergewöhnlichen Situation. Trotzdem macht sich die aktuelle Zinslage auch hier bemerkbar. "Wir brauchen einfach Spenden, um bei dieser mauen Zinssituation Projekte zu realisieren können", erklärt Wolfgang Riedmaier, ehrenamtlicher Geschäftsführer der Bürgerstiftung. Doch trotz der "nicht so guten Ergebnisse" sei die Bilanzsumme im vergangenen Jahr um ein Prozent gewachsen. Möglich ist das durch Zustiftungen: Denn die Zahngoldaktion bringt zuverlässig Geld in die Bürgerstiftungskasse: 2017 waren es 21 000 Euro und im vergangenen Jahr 10 700 Euro. "Diese Aktion sorgt für eine stetige Verbesserung der Bilanzsumme", so Riedmaier. Immerhin kamen so seit Gründung über 101 000 Euro zusammen.
  • Spenden: Auch die beiden großen Reitsportveranstaltungen in Donaueschingen unterstützen die Bürgerstiftung. Beim Polo-Turnier freut sich die Bürgerstiftung über jedes Tor, erhöht das doch die Summe, die Christian Erbprinz zu Fürstenberg spendet. Und beim CHI gibt es von Turnierchef Kaspar Funke Geld für jede fehlerfreie Überwindung eines bestimmten Hindernisses. Doch auch Bürger unterstützten die Stiftung und wünschen sich anstatt Geschenken lieber eine Spende für die Bürgerstiftung.
  • Standbrand-Dokumentation: Als großer Erfolg hat sich auch das Buch "Schicksalstag für Donaueschingen – Stadtbrand am 5. August 1908" erwiesen. Klaus Weber hatte sein 500-seitiges Werk der Bürgerstiftung zur Verfügung gestellt. Die ersten 80 Exemplare waren schnell weg und auch die zweite Auflage mit 40 Stück ist bereits verkauft.