Die einen gehen auf die Straße, die anderen machen Filme: Seit vielen Jahren engagiert sich Carl-A. Fechner mit seiner Arbeit für die Energiewende. Sein Kinodebüt „Die 4. Revolution“ beschrieb, wie sich die Klimakatastrophe verhindern lässt; das Werk war 2010 hierzulande der erfolgreichste Dokumentarfilm und hatte weltweit zehn Millionen Zuschauer. 2016 folgte „Power to Change“.

Hollywood-Actionstar und ehemaliger Gouverneur von Kalifornien Arnold Schwarzengger, der sich für den Klimaschutz engagiert.
Hollywood-Actionstar und ehemaliger Gouverneur von Kalifornien Arnold Schwarzengger, der sich für den Klimaschutz engagiert. | Bild: Veranstalter

In der Zwischenzeit war viel passiert: Unter dem Eindruck der der nuklearen Katastrophe in Fukushima (2011) hat der Deutsche Bundestag eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Die Stromkonzerne antworteten mit intensiver Lobbyarbeit. Fechner und seine Mitarbeiter von Fechner Media (Immendingen) zogen im zweiten Kinofilm der Produktionsfirma ein Zwischenfazit der Energiewende; der Film war Bestandsaufnahme und Plädoyer zugleich.

Nikki Silvestri vor den Ölfeldern in Los Angeles, Kalifornien, wo sie aufgewachsen ist. Bilder: Climate Pressebild
Nikki Silvestri vor den Ölfeldern in Los Angeles, Kalifornien, wo sie aufgewachsen ist. | Bild: Climate Pressebild

Nun folgt die dritte Kinoarbeit zum Lebensthema des Autors, Regisseurs und Produzenten. Im Grunde ist „Climate Warriors“ aber eine Ergänzung zu „Power to Change“, zumal viele Mitwirkende in beiden Filmen auftauchen. Zwei Protagonisten sind jedoch neu: Donald Trumps Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen dürfte das Hauptmotiv für die erneute Hommage an die „Klimakämpfer“ gewesen sein. Immer wieder zeigt Fechner den amerikanischen Präsidenten bei Ansprachen oder Pressekonferenzen, in denen es um das Klima geht.

Die Tesoro-Raffinerie in Carson, Kalifornien.
Die Tesoro-Raffinerie in Carson, Kalifornien. | Bild: Veranstalter

Viele seiner Behauptungen sind absurd, aber Fechner beschränkt sich darauf, die Aussagen lakonisch mit Bildern zu konterkarieren, die beispielsweise den Mythos der von Trump versprochenen „sauberen Kohle“ als Unfug entlarven; ansonsten überlässt der Filmemacher die Gegenrede Arnold Schwarzenegger. Der österreichische Kinostar hat bereits als Gouverneur von Kalifornien großes Umweltbewusstsein bewiesen und schon 2005 ein Dekret zur Reduzierung der Treibhausgase unterschrieben.

Kyla Peck leidet seit ihrer Kindheit unter Asthma. Eine Krankheit, die durch die akute Luftverschmutzung immer mehr Menschen betrifft.
Kyla Peck leidet seit ihrer Kindheit unter Asthma. Eine Krankheit, die durch die akute Luftverschmutzung immer mehr Menschen betrifft. | Bild: Veranstalter

Natürlich sind Trump und Schwarzenegger die mit weitem Abstand prominentesten Figuren in „Climate Warriors“. Für Fechner sind die vielen unbekannten Streiter für die Energiewende jedoch nicht weniger wichtig. Wie schon in „Power to Change“ stellt er Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen vor, die im Kleinen oder im Großen etwas bewirken, sei es als Stromsparhelfer, Zukunftsforscher oder Betreiber eines riesigen Solarzellenfeldes. Der Film ist faktenreich und entsprechend informativ, und es wird eine ganze Menge geredet.

Xiuhtezcatl Martinez und seine Earth Guardians.
Xiuhtezcatl Martinez und seine Earth Guardians. | Bild: Veranstalter

Was unter anderen Umständen ermüden könnte, fügt sich hier zu einem lebendigen Mosaik zusammen. Dafür sorgt nicht zuletzt der Regisseur: In seinen bisherigen Arbeiten hat sich Fechner stets auf seine Gesprächspartner konzentriert, nun wirkt er als Erzähler selber mit und beschreibt unter anderem, wie sich sein Leben 1983 nach der Geburt seiner Tochter verändert hat. Damals hat er sich der Tuttlinger Friedensinitiative angeschlossen und in Mutlangen gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen demonstriert; allerdings war er zu jener Zeit Berufssoldat, und das als Kompaniechef in Immendingen.

Fechner ist jedoch nicht nur Erzähler, sondern gewissermaßen auch Reiseführer. Das ist dramaturgisch die vielleicht beste Idee des Films: Der Regisseur, offenbar passionierter Läufer, präsentiert die verschiedenen Schauplätze joggend; auf diese Weise stellt sich automatisch ein ganz anderer Bezug zu den Orten ein. Die Bildgestaltung ist ohnehin erneut eindrucksvoll, auch die musikalische Untermalung sorgt für buchstäblich großes Kino.