Eine Person in die stabile Seitenlage legen, einen Druckverband anbringen, eine Herz-Druck-Massage anwenden ... Wohl alle Erwachsenen unter uns haben dies einmal in einem Erste-Hilfe-Kurs gelernt. Bei vielen ist der letzte Kurs wahrscheinlich Jahre her und seit da an haben wir nie wieder ernsthaft darüber nachgedacht. Wer traut sich diese Maßnahmen in einer Stresssituation noch zu?

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Wer in eine Situationen kommt, bei der dieses Wissen benötigt wird, ist froh, wenn Experten dabei sind. Dies können Ersthelfer, Krankenpfleger/innen oder Mitglieder einer Rot-Kreuz-Gruppierung sein. Dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) gehören etwa 300 000 aktive, freiwillige Mitglieder an.

Mit Kurs 1971 gestartet

13 dieser aktiven Mitglieder gehören zur kleinen Ortsgruppe Neudingen. Diese wurde 1971 auf Initiative von Bürgermeister Franz Widmann gegründete. Seither ist sie ein wichtiger Bestandteil des Neudinger Vereinslebens. „Wir haben damals mit einem Sanitätskurs gestartet, damit konnten viele Mitglieder geworben werden“, erinnert sich Klaus Münzer zurück.

Bei den Feuerwehrproben in Neudingen proben die Mitglieder der Neudinger Ortsgruppe des Roten Kreuzes ebenfalls mit.
Bei den Feuerwehrproben in Neudingen proben die Mitglieder der Neudinger Ortsgruppe des Roten Kreuzes ebenfalls mit. | Bild: Andrea Wieland

Und von da an ist eine Menge passiert in Neudingen: Die Ortsgruppe unterstützte die Vereine mit Sanitätsdiensten an Veranstaltungen und bewies bei den Proben der Feuerwehr immer wieder, dass sie auch mit Schwerverletzten umgehen kann.

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Doch leider schrumpfe die Gruppe immer weiter. „Wir sehen den negativ Trend bei den Gruppierungen der Nachbarorte. Früher hatten noch mehrere Hüfinger oder Donaueschinger Ortsteile eigene Ortsvereine des Deutschen Roten Kreuzes. Mittlerweile sind wir einer der einzigen. Den Grund für dies sehen wir unter anderem darin, dass lange Zeit ein hoher Ausbildungsstand gefordert war“, sagt Klaus Münze vom Neudinger Ortsverein.

Soziales hat Vorrang

Mittlerweile habe sich jedoch einiges geändert: „Wir haben für uns beschlossen, dass wir uns mehr auf den Sanitätsdienst bei kleineren Veranstaltungen konzentrieren wollen. Wenn lediglich dieser Dienst abgeleistet wird, so ist die Anforderung an die Ausbildung der aktiven Mitglieder nicht so hoch, wie bei größeren Veranstaltungen. Des Weiteren wollen wir das Augenmerk auf soziale und DRK-nahe Themen und Veranstaltungen lenken“, erläutert Münzer.

Bei den Dienstabenden werden die Handgriffe, welche im Ernstfall benötigt werden geübt. Von links: Norbert Bühler, Adolf Eckert und Melinda Kehle.
Bei den Dienstabenden werden die Handgriffe, welche im Ernstfall benötigt werden geübt. Von links: Norbert Bühler, Adolf Eckert und Melinda Kehle. | Bild: Andrea Wieland

Nutzen für alle

So wird wird zum Beispiel am ersten Montag im Monat ein Dienstabend abgehalten, der das Wissen der Mitglieder auffrischt oder bei dem neue Gerätschaften vorgestellt werden. „Unsere Motivation ist, dass wir allesamt einen Nutzen von unserem Dienst ziehen. Das in den Dienstabenden und den Kursen gelernte können wir auch im Alltag anwenden. Falls man doch mal in eine brenzliche Situation kommen sollte, weiß man, was getan werden muss“, sagt Münzer. Hervorzuheben seien ebenfalls die realitätsnahen Übungen.

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Genau durch diese Maßnahmen erhoffen sich die Neudinger, dass sie bald auch neue Helfer bei sich aufnehmen können. „Wir wollen bewusst neue Mitglieder ansprechen und auch Werbung für unser Anliegen machen. Wir wollen zeigen, dass das DRK auch für den Alltag einiges zu bieten hat und man sich durch das Auffrischen von Erste Hilfe Maßnahmen auch im Alltag wohler fühlt“, sagt Klaus Münzer. Für eine solche Werbeaktion wurden bereits Pläne aufgestellt, wie viele Unterrichtsstunden geleistet werden müssen, was alles Aufgaben sein können und in welche Richtungen sich die Aktiven persönlich entwickeln können.