Nur noch wenige Wochen trennen Nele Haarmann von ihrem großen Abenteuer. Am 13. Oktober startet sie mit der schwimmenden Schule, dem Ocean College, auf eine sechs Monate lange Reise über die Meere. Mit dem Traditionssegler Regina Maris werden von Dublin aus 15 verschiedene Reiseziele angesteuert. Die Strecke führt dabei quer über den Atlantik bis zu den karibischen Inseln. Neben dem Schiffsalltag lernen die teilnehmenden Schüler auch Stoff, den sie zuhause in der Schule büffeln müssten. Nur eben mit konkretem Praxisbezug: Mathe und Physik werden mit den Aufgaben verknüpft, die man beim Segeln erledigen muss. Von ihrer Reise wird Nele im SÜDKURIER berichten.

Die Finanzierung dafür will die 15-Jährige selbst übernehmen. Keine einfache Aufgabe, gilt es doch immerhin 23 000 Euro aufzubringen. Dazu arbeitet sie momentan in einer Küche, hilft beim Abwasch, räumt Geschirr ab, richtet Salate. Die Sponsorensuche gestaltete sich anders, als erwartet: "Von etlichen Firmen habe ich leider gar keine Rückmeldung bekommen. Andere sagten mir, mein Vorhaben sei schlicht zu individuell. Auch das Crowdfunding im Internet lief anders", sagt Nele. Die Spendenbereitschaft sei aktuell eben nicht so hoch. Was am besten funktioniert habe, seien direkte Emails an Freunde oder Bekannte, die ihr dann auch mal was zugesteckt hätten.

Je näher sie nun dem Termin der Abreise kommt, desto aufgeregter ist sie auch: "So langsam realisiert man das, besonders, wenn man gerade dabei ist, alles einzupacken." Ein Paket mit sperrigen Artikeln wird schon auf das Schiff vorausgeschickt: "Wir haben einen Seesack und einen 60-Liter-Rucksack – und die Packliste ist groß", erklärt sie. Alles sei relativ knapp bemessen, man müsse eben auch ein wenig zurückstecken. Entbehrungen gehören beim Projekt mit dazu, erklärt Projektleiter Johan Kegler, sie seien auch Teil des Erwachsen werdens. Seekrankheit, Heimweh, Müdigkeit – sehr wahrscheinlich wird vieles davon irgendwann mal der Fall sein.

Ihre zukünftigen Mannschaftskameraden konnte Nele bei einem Einführungswochenende in Kiel bereits kennenlernen: "Ich glaube, wir dürften uns ganz gut vertragen. Wir haben ja alle ähnliche Interessen und sind eine homogene Gruppe."

Was sich allerdings mittlerweile verändert habe, sei die Route, die das Schulschiff nimmt. Von Dublin aus geht es in Richtung Portugal, Kap Verde und über den Atlantik. In der Karibik liegen unter anderem die Inseln St. Vincent und Jamaika auf der Route: "Man hat die Erfahrungen und Rückmeldungen aus dem vergangenen Jahr ausgewertet und mit einfließen lassen. Startet man von Dublin aus, soll die See wohl nicht ganz so rau sein", erklärt die Schülerin. Besser geeignet für die erste Überquerung des Atlantik.

Unterwegs gibt es für Nele und ihre rund 30 Mitschüler allerhand zu tun. Neben dem täglichen Schulunterricht gilt es, die komplexen Abläufe auf dem Schiff zu steuern. Dazu gehört neben dem nautischen Aufgabenbereich etwa ein Wachdienst, aber auch die Arbeit in der Kombüse, der Küche des Seglers. Mit an Bord sind allerlei wissenschaftliche Gerätschaften, untersucht das Ocean College auf seiner Atlantik-Überfahrt auch die Menge an Mikroplastik, die im Wasser zu finden ist. Dazu wird auch ein wissenschaftlicher Experte mit an Bord sein. Zudem wird es etliche Landgänge geben: Auf Teneriffa, den Azoren, Costa Rica und vielen weiteren Stationen.