Donaueschingen – 18 junge Männer – im Schnitt 18 Jahre alt, aus drei Herkunftsländern mit fünf verschiedenen Muttersprachen, Deutschkenntnisse von nicht vorhanden bis mäßig, null bis neun Jahre Schule in der Heimat: So sieht eine typische VABO-Klasse an den Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen Schulen in Donaueschingen aus.

VABO steht für Vorbereitung Arbeit und Beruf ohne ausreichende Deutschkenntnisse. In diesem Schulzweig wird laut Mitteilung der Schule intensiv Deutsch gelernt und zwar in 16 Stunden pro Woche. Andere Fächer sind kaum vorgesehen, so dass sich der Schulalltag nicht besonders abwechslungsreich gestalten lässt.

Außer Deutsch sind lediglich zwei Stunden Mathematik und lebensweltbezogene Kompetenzen im Stundenplan vorgesehen. Bei den sehr unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler ist es beinah unmöglich, allen Schülern stets gerecht zu werden.

Nach den Herbstferien stießen zwei ehrenamtliche Helferinnen als Nachhilfelehrer zu der Vorbereitungsklasse dazu und haben mit viel Freude und Elan bedeutende Unterstützung geleistet. Beide ehrenamtliche Helferinnen hatten bereits in der Erstaufnahme Deutschkurse gegeben.

Evelin Ebinger, Physiotherapeutin, hatte bereits dort mit der Alphabetisierung von erwachsenen und jugendlichen Geflüchteten Erfahrungen gesammelt. Hauptmotiv für ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe war ihr Wunsch, mit Menschen aus anderen Kulturen in Kontakt zu treten: „Ich bin immer gerne gereist. Die Erstaufnahmeeinrichtung war eine andere Welt, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe“.

Ali Moradi (aus Afghanistan) hört aufmerksam zu, während Evelin Ebinger ihm die Modalverben erklärt.
Ali Moradi (aus Afghanistan) hört aufmerksam zu, während Evelin Ebinger ihm die Modalverben erklärt. | Bild: Susan Hoyer

Ulla Fleischmann-Frese, pensionierte Realschullehrerin, wollte sich weiter in die Flüchtlingsarbeit einbringen, um damit die Integration der jungen Geflüchteten zu fördern. Durch ihre Berufserfahrung hat sie in der Sprachvermittlung ein glückliches Händchen. Das Angebot der beiden Ehrenamtlichen haben die Schüler gern und dankbar angenommen.

Ali Ahmadi (aus Afghanistan) holt sich von Ulla Fleischmann-Frese den Feinschliff für die nächste Deutscharbeit.
Ali Ahmadi (aus Afghanistan) holt sich von Ulla Fleischmann-Frese den Feinschliff für die nächste Deutscharbeit. | Bild: Susan Hoyer

In den wöchentlich zwei bis sechs Schulstunden, in denen die beiden ehrenamtlichen Helferinnen an der Schule waren, konnte die Klasse geteilt werden. So gingen einige Schüler während dieser Zeit zur Nachhilfe, um den Stoff nochmals aufzuarbeiten und in der Kleingruppe intensiv zu wiederholen. Manchmal hatten die Schüler in den Nachhilfestunden ein großes Redebedürfnis, und so kamen anregende Diskussionen zustande, beispielsweise über die Rolle der Frau, über Heirat und über Arbeit und Familie in Deutschland und in der Heimat.

Solche Gesprächsrunden waren für alle Beteiligten Höhepunkte im Schulalltag. Die ehrenamtlichen Helferinnen haben einzelne Schüler auch bei Praktikumsbewerbungen unterstützt. Die Schüler, die keine Nachhilfe benötigten, konnten dann zusammen mit ihrer Deutschlehrerin, Susan Hoyer, Themen außerhalb des Kursbuches in Angriff nehmen, beispielsweise über Landeskunde oder über komplexere Grammatikfragen. Sowohl für die Schüler der Klasse als auch für ihre Deutschlehrerin war das Engagement der beiden ehrenamtlichen Helferinnen eine große Bereicherung.

Helfer gesucht

Auch im neuen Schuljahr werden für die zwei neuen Vorbereitungsklassen an den Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen Schulen in Donaueschingen ehrenamtliche Helfer für Nachhilfe in Deutsch gesucht. Interessenten hierfür können sich beim Ehrenamtskoordinator im Migrationsdienst des Roten Kreuzes, Ludwig Winter, melden. Email: Ludwig.Winter@drk-vs.de.