Eine ansprechende Reise durch sechs Jahrhunderte Orgelmusik lockte in das Kirchenrund an der Brigach, wenngleich die katholische Seite eher draußen blieb und ihrem bisherigen Kantor Andreas Rütschlin den Wechsel offensichtlich ankreidet. Rütschlin hat nach acht Jahren in der katholischen Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit im August die Stelle gewechselt.

Nun macht Rütschlin seine Arbeit zusammen mit Antje Schweizer in der Christuskirche und freut sich auf die Zukunft und die neue Umgebung: "Ich fühle mich wohl hier", sagt er nach dem gelungenen und spannenden Konzert, "ich habe kein Problem mit der katholischen Kirche", räumt er offen ein. Er deutet an, dass er sich weiterhin auch gemeinsame Musik-Projekte der beiden Kirchen vorstellen könnte und weiterhin Chorarbeit. Bei der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit droht nun freilich eine empfindliche Lücke. Am Samstag war am Rande des Konzerts zu erfahren, dass zwei Bewerber, darunter eine ausgebildete Opernsängerin, sich um die musikalische Arbeit in der katholischen Pfarrgemeinde bemühen sollen. Für die Kinderchöre werde allerdings noch jemand gesucht, weiß Rütschlin. Er selbst wolle jedenfalls sein Engagement in der Christuskirche längerfristig angehen, und Antje Schweizer, die nach ihrer Elternpause wieder an Bord ist, unterstreicht "das hoffen wir doch".

Gut 150 Zuhörer in der Donaueschinger Christuskirche geizen nicht mit Beifall: Ein erstes gemeinsames Projekt der beiden Kantoren Antje Schweizer und Andreas Rütschlin, das "Konzert für zwei Orgeln", scheint gelungen. Wenngleich die katholische Seite unter den Zuhörern eher fehlte. Bilder: Manfred Beathalter
Gut 150 Zuhörer in der Donaueschinger Christuskirche geizen nicht mit Beifall: Ein erstes gemeinsames Projekt der beiden Kantoren Antje Schweizer und Andreas Rütschlin, das "Konzert für zwei Orgeln", scheint gelungen. Wenngleich die katholische Seite unter den Zuhörern eher fehlte. Bilder: Manfred Beathalter

Erste Konzerte sind bereits in Vorbereitung, so eine Barockkantate zu Weihnachten und für Ostern seien schon Weichen gestellt. Barbara Leiber, die unter den Konzertbesuchern war, sieht den Weggang Rütschlins mit großen Bedauern, "aber wir müssen das akzeptieren", sagt sie und schaut mit Sorge auf die ausbleibenden Bewerber: Mit Rütschlin war schließlich ein Vollblutmusiker in Diensten.

Das hört man dann beim gemeinsamen Konzert mit Antje Schweizer. Sie unternehmen eine Reise durch die Orgelmusik, die mit Lodovico da Viadana in der Renaissance beginnt und mit Johannes Matthias Michel im 21. Jahrhundert endet: Der witzige Zeitgenosse, der in Gaienhofen am Bodensee aufgewachsen ist, hat in einem "Pedal-Solo Buch" einen Walzer zu vier Füßen untergebracht. Schweizer und Rütschlin machen daraus mit ihren Füßen ein Stück Drehorgel-Musik im Wiener-Walzer Takt, Abschluss mit Heiterkeit in der Kirche.

Zuvor lassen Georg Friedrich Händel den "Kuckuck und die Nachtigall" in verschiedenen Variationen ertönen, Ostinato, also Wiederholung der musikalischen Figuren, bieten sich an: Die Mahler-Orgel mit schneidenden Labialklängen und die kleine Truhenorgel mit ihrem hölzernen Blockflötenton: Gegensätze. Mit Gustav Merkels d-Moll Sonate erklingt ein komplexes Orgelstück, ernsthafte bisweilen zerquälte Musik. Sie kommt expressiv im Ausdruck daher und kraftvoll. Und manchmal breitwandig, manchmal meditativ dahinperlend und im Schlusssatz mit Feuer bedrohlich ausbrechend: Eine verzehrende Kraft, der man sich nicht entziehen kann.

Mozarts Kirchenonate C-Dur schwingend, verspielt voller Leichtigkeit, setzt schließlich den erfreulichen Schlusspunkt mit Klängen, die jeglicher irdischen Schwere entrückt scheinen. Und zwischen den großen Hauptteilen stehen eindrucksvolle Zwischenstücke, so ein träumend und in Tönen versunkenes Gebet von Léonce de Saint Martin und ein Stück Hirtenromantik, eine Pastorale von César Franck: Über lang ausgehaltenen Basstönen setzt er harmonisch aufregende Melodien, Hirten in Eile auf dem Weg nach Bethlehem.