Donaueschingen (gf) Die Donaueschinger Musiktage sind das berühmteste aller Neue-Musik-Festivals. Und die Plakate, die jährlich auf die Veranstaltung aufmerksam machen, sind seit Jahrzehnten zu gefragten Objekten von Privatsammlern geworden.

Das aktuelle Plakat hat Monica Bonvicini gestaltet. Die 1965 in Venedig geborene Künstlerin lebt in Berlin, ist Professorin für performative Kunst und Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien. In den vergangenen Jahren ist sie mit Ausstellungen zum Beispiel in Basel, Berlin, Breslau, München, Rotterdam und Wien hervorgetreten.

Gefragt war eine Arbeit, in der sich Bonvicini mit dem thematischen Schwerpunkt der Musiktage 2016 auseinandersetzt, den so bezeichneten Schnittstellen zwischen Pop und Avantgarde. Im Mittelpunkt stehen damit die möglichen Verbindungen und der Austausch zwischen einer Musik, die einem breiten Publikum zugänglich ist, und auf der anderen Seite dem künstlerischen Schaffen, dem sich die Vorkämpfer neuer musikalischer Entwicklungen verschrieben haben.

Monica Bonvicini musste eine uneindeutig offene Lage und somit etwas Schwieriges grafisch veranschaulichen: Gibt es in der Musik einen echten oder doch nur vermeintlichen Gegensatz zwischen Pop und Avantgarde, zwischen unproblematischem Hören und der Wahrnehmung fordernder, ja strapaziöser Klangwelten? Und kann man die beiden vielleicht sogar in irgendeiner Weise zusammenführen?

Die Plakatkünstlerin findet eine einleuchtende Lösung für diese ungewisse Situation: Sie präsentiert eine Montage zweier Motive, die einen auffälligen Kontrast zueinander bilden. Eine runde weiße Fläche liegt auf einem grauschwarzen Oval; das Rund hat eine klar umrissene Kontur, die Ellipse erscheint verschwommen und mit auslaufender Form. Den Hintergrund bildet ein verschattetes Grau.

Die bildliche Situation, die Monica Bonvicini so geschaffen hat, ist auf den ersten Blick einfach im Sinne von unkompliziert. Das Raffinement ihrer Arbeit besteht darin, dass sie die Fantasie eines genauen Betrachters mächtig anzuregen vermag.

Wer sich das Thema der Musiktage, die besagten Schnittstellen zwischen Pop und Avantgarde, vor Augen führt, kann die Frage nach der gegenseitigen Durchlässigkeit von grafischen Motiven und musikalischen Genres dank des Plakates möglicherweise mit neuen persönlichen Vorstellungen verknüpfen.

Das Plakat kann für 12 Euro beim Kulturamt, Karlstraße 58, und während der Musiktage am Stand der Gesellschaft der Musikfreunde erworben werden. Ab Festivalbeginn liegen zudem 20 von der Künstlerin signierte Exemplare für je 150 Euro zum Kauf bereit.