Ganz allein bei den Musiktagen? Das fällt bei 10 000 Besuchern schon irgendwie schwer. Die ganze Stadt ist von Liebhabern der Neuen Musik bevölkert, in den Konzerten bleibt selten ein Platz frei – also nein: die Musiktage gibt es nur als gemeinsames Erlebnis.

Eine Ausnahme gibt es jedoch? Die Klanginstallation von Yutaka Makino. Auf der Einladung ist vermerkt, dass diese unbedingt mitgebracht werden muss und dass sie als Reservierung gilt. Also hinab in den Keller der Hofbibliothek. Erst einmal Platz nehmen. "Es ist noch jemand drin", sagt eine nette, junge Dame. Ein bisschen das Gefühl, wie bei einem Arztbesuch. Diesen vorher zu konsultieren, wäre sicher auch keine schlechte Idee gewesen. Denn vor dem Betreten der Installation muss erst noch bestätigt werden, dass man nicht an Ligyrophobie, Achluophobie, Homichlophobie, Klaustrophobie, Epilepsie, Angstzuständen, Panikattacken, Atemstörungen und vielem mehr leidet.

Ach herje, was drohten denn da. Doch die Neugierde siegt. Also rein in die Kabine, der Liegestuhl sieht bequem aus, Kopfhörer auf, Brille anziehen und dann kann es losgehen. "Einfach entspannen", ist der Tipp der jungen Dame. Ein langanhaltender Ton, ein lila-blass-blaues Licht vor den Augen. Es strengt etwas an. Also Augen zumachen? Aber man will ja nichts verpassen. Nach gefühlter Ewigkeit wechselt der Ton, das Licht wird blau. Okay, und das geht die nächsten zehn Minuten so weiter? Das kann ja heiter werden. In Gedanken schon mal die Notiz: lila-blass-blau, blau, welche Farbe kommt wohl als nächstes und kann ich mir das alles für den Artikel merken.

Plötzlich passiert etwas: Die Farben wechseln schneller. Die Töne wechseln schneller. Und auch der Sessel macht nun mit: er fängt an zu vibrieren. Irgendwie ziemlich lustig das Ganze. Jetzt unterschiedliche Farben vor jedem Auge. Doch rechts ist deutlich stärker. Sitzt die Brille richtig? Dringend einen Termin beim Augenarzt ausmachen? Die Farben wechselen, die Töne wechselen, der ganze Sessel vibriert. Vielleicht wäre so ein Massage-Teil für zu Hause ja auch nicht schlecht.

Plötzlich wird es vor einem Auge schwarz. Das andere bekommt weiterhin grün, gelb, pink, rot, blau, lila in einer nicht-nachvollziehbaren Abfolge präsentiert. Seitenwechsel, Erholung für das andere Auge. Dann flackert wieder alles und ganz plötzlich ist nur noch weiß zu sehen. Ein Rauschen, wie wenn im Radio kein Sender eingestellt ist. Hat jetzt jemand den Stecker gezogen? Die junge Dame wird ja wohl schon Bescheid sagen, wenn's fertig ist. Warten. Rätseln. Schwarz. Die junge Dame steckt den Kopf vorsichtigt in die Kabine. "Geht es Ihnen gut?"

Hinaus in die Welt. Zurück zu den Menschen, immerhin mit der Erkenntnis, dass keinerlei Phobien vorliegen und dass die Installation nicht nur geistige Nachwirkungen hat, sondern auch körperliche. Eine interessante Erfahrung.