Mitten in der Nacht schreckt Gero Mardorf hoch. Es ist 0.30 Uhr. Das Haus wird erschüttert, von draußen ist ein ohrenbetäubender Krach zu hören. Mardorf, der über seinem Juweliergeschäft in der Zeppelinstraße wohnt, schaut aus dem Fenster. Wegen der Markisen kann er nichts erkennen. Er geht auf den Balkon und erkennt einen Gullydeckel, der vor dem Schaufenster seines Ladens liegt. Die Aufnahmen einer Videokamera des Nachbargeschäftes offenbaren schließlich das ganze Geschehen: Dort sind zwei junge Männer mit schwarzen Kapuzenpullis zu sehen, die versucht haben, ein etwa 50 Kilogramm schweres Kanalgitter durch das Schaufenster zu werfen. Ihr Ziel: An den dort ausgelegten Schmuck zu gelangen.

Juwelier Gero Mardorf zeigt auf den kleinen schwarzen Fleck, den die Einbruchsversuche mit Gullydeckel hinterlassen haben. Das Glas des Geschäftes in der Zeppelinstraße entspricht der höchsten Sicherheitsstufe und hat standgehalten. <em>Bilder: Guy Simon</em>
Juwelier Gero Mardorf zeigt auf den kleinen schwarzen Fleck, den die Einbruchsversuche mit Gullydeckel hinterlassen haben. Das Glas des Geschäftes in der Zeppelinstraße entspricht der höchsten Sicherheitsstufe und hat standgehalten. Bilder: Guy Simon

Zuvor hatten sich die beiden gegenüber an einer Hausseite versteckt und ausgekundschaftet, wann sich die beste Zeit für ihr Vorhaben bietet. Die Kamera hat alles dokumentiert. Der Einbruchsversuch blieb schließlich allerdings erfolglos.

Mardorf wirkt gefasst, räumt aber dennoch ein: "Der Schreck war natürlich da. Das ganze Haus hat gezittert." Als Juwelier sei er es allerdings gewohnt, dass Leute versuchen, die Scheiben einzuschlagen. So etwas sei quasi das Berufsrisiko.

Am Schaufenster haben sich die Einbrecher allerdings die Zähne ausgebissen. Obwohl sie mit etwa 50 Kilogramm dreimal gegen die Scheibe donnerten, blieb nicht viel mehr als ein schwarzer Fleck. "Wir schauen, ob wir das auspolieren können. Wenn nicht, dann müssen wir es ersetzen, was eher schwierig wäre", sagt der Juwelier.

Das Fenster besitzt den höchsten verfügbaren Sicherheitswert. Die Scheiben sind mehrere Zentimeter dick, dass man "selbst mit einem Vorschlaghammer nichts ausrichten kann", so Mardorf. Er ergänzt: "Ich dachte eigentlich, es hätte sich mittlerweile rumgesprochen, dass Juweliere ähnlich abgesichert sind wie eine Bank."

Erfolglos zogen die zwei unbekannten Einbrecher schließlich weiter und versuchten an anderer Stelle in der Stadt ihr Glück. Ihr Streifzug führte sie offensichtlich in die Max-Egon-Straße, in der sie mit der selben Masche das Schaufenster eines Handyladens bearbeiteten. Das habe dem Zerstörungsversuch jedoch nicht so gut standhalten können, wie das zentimeterdicke Panzerglas des Juweliergeschäftes. Der Kanaldeckel krachte durch die Scheibe.

Mit diesem Kanalgitter warfen die Einbrecher auf Mardorfs Schaufenster.
Mit diesem Kanalgitter warfen die Einbrecher auf Mardorfs Schaufenster.

Wie die Polizei mitteilt, sei so das Fenster zerstört worden. Den dazu benutzten Gullydeckel habe man allerdings vor dem Geschäft gefunden. Zudem haben die zwei unbekannten Einbrecher den Laden nach der Zerstörung nicht betreten, aus dem Schaufenster habe nichts gefehlt. Die große, zwischen den Glasscheiben klaffende Lücke wurde mittlerweile provisorisch mit einer Holzplatte überdeckt.

So sei es schließlich neben dem erlittenen Schrecken lediglich bei einem Sachschaden geblieben. Laut Mitteilung der Polizei werde dessen genaue Höhe jedoch derzeit noch ermittelt.

 

Zeugen gesucht

Das Polizeirevier Donaueschingen führt die Einbruchsermittlungen und sucht nach Zeugen. Wer in der Nacht zum Mittwoch im Innenstadtbereich verdächtige Personen gesehen oder Schlaggeräusche gehört hat wird gebeten, sich umgehend mit den Beamten in Verbindung zu setzen. Die Donaueschinger Polizei ist unter der Telefonnummer 0771/83783-0 zu erreichen.